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Barmstedt : Uwe Schinkel ist seit 25 Jahren Friedhofsgärtner

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Er prellte sich die Rippen, als er in ein offenes Grab fiel und erlebte eine Exhumierung: Uwe Schinkel ist seit 25 Jahren Friedhofsgärtner in Barmstedt. Dafür erhielt der 54-Jährige jetzt Anerkennung und Präsente.

Barmstedt | Uwe Schinkel (54) ist seit 25 Jahren Friedhofsgärtner. Das Jubiläum richtete die evangelische Kirchengemeinde mit einer Feier im Gemeindehaus aus. Schinkel erhielt viel Lob, Anerkennung und Präsente.

„Der Friedhof war 1991 nicht in besonders guter Verfassung“, sagte Kirchenvorstandsvorsitzender Klaus-Dieter Piepenburg. Der neue Verwalter habe eigenverantwortlich und mit großer Unterstützung des damaligen Friedhofsausschusses gearbeitet und gut vorgedacht. Schinkel habe die Friedhofgestaltung der sich ändernden Friedhofskultur angepasst und stets alles gut im Blick gehabt.

Pastor Bert Johannigmann, zuständig für Friedhofsangelegenheiten, sprach davon, dass in der Bibel Gärtner erwähnt werden. So hält eine Frau den auferstandenen Jesus auf einem Friedhof für den Gärtner. Schon Adam und Eva mussten sich nach dem Paradies gärtnerisch betätigen. Vom damaligen Friedhofsausschuss gratulierten Heinz Drath, Bernd Huckfeldt und Gert Rittner. Letzterer sagte: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach so langer Zeit noch die Gelegenheit habe, mich zu bedanken.“ Damals seien die Ausschussmitglieder bei der Einstellung Schinkels skeptisch gewesen. „Der ist ja ein bisschen jung, der Kerl, war unsere Meinung“, sagte Rittner und weiter: „Wir haben uns schließlich entschieden und mächtig Glück mit der Wahl gehabt.“ Unter Schinkel seien die roten Zahlen betreff Friedhof zügig schwarz geworden. Der Ausschuss habe ihm den Rücken gestärkt.

„Machen Sie weiter so“

„Machen Sie weiter so“, rief Rittner dem Jubilar zu. Drath hob hervor, dass Schinkels gärtnerischer Blick durch Anpflanzungen das Gelände für Spaziergänger attraktiv gestalte.

Bürgervorsteher Christian Kahns nahm Bezug auf die beiden Dienstherren Kirche für den Friedhof und Stadt für Schinkels Posten als Wehrführer. „In beiden Positionen sind Sie dankenswerterweise ständig bereit“, so Kahns.

Schinkel wuchs in Seeth-Ekholt auf und ließ sich zum Gärtner ausbilden. Die Meisterschule besuchte er in Kiel. Er arbeitete in verschiedenen Betrieben und war auch Ausbilder. Als die Stelle des Friedhofsgärtners in Barmstedt ausgeschrieben war, bewarb er sich erfolgreich.

„Ich wollte mich verändern und zudem von den Saisonarbeiten in den Baumschulen wegkommen“, sagte er. 1992 trat er im Alter von 29 Jahren seine neue Stelle an und zog mit Ehefrau Anke und der gemeinsamen Tochter nach Barmstedt. „Der Friedhof war finanziell und optisch im schlechten Zustand“, so Schinkel, der zunächst neue Maschinen anschaffte. Mit seinen neun Mitarbeitern entfernte er die alten breiten Mittelhecken, die teils krumm und schief waren. Mit Technik wurden die Wege vernünftig bearbeitet und gut eingeebnet, teils asphaltiert. „Wir haben Bäume gepflanzt, um später alte absägen zu können“, sagte er, der eine gesunde Mischung zwischen Baumbestand und sonnigen Bereichen anstrebte. Der alte Kompostplatz war ihm ein Dorn im Auge.

„Wir haben ihn bepflanzt, er wird sich zum Wald für Waldbeerdigungen entwickeln“, so Schinkel. Ein neuer strukturierter Kompostplatz wurde geschaffen. Ein zentraler Platz für Gießkannen und Schubkarren zum Ausleihen wurde eingerichtet.

Außergewöhnliche Situationen

„Wir schafften einen Hänger an, der den Erdaushub bei Gräbern wegfuhr, damit die Trauernden am Grab nicht über teilweise matschige Erdwälle klettern mussten, wie es vorher üblich war“, so Schinkel. Er betonte, dass er nur einmal drei Wochen ausgefallen sei.

„Ich hatte mir die Rippen geprellt, als ich in ein offenes Grab gefallen war“, sagte er. Außergewöhnliche Situationen gab es noch mehr: Bei der Beisetzung eines ermordeten Horster Bürgers habe die Polizei den gesamten Friedhof abgesperrt. „Zwei Jahre später wurde er zwecks Spurensuche unter den Augen von Staatsanwaltschaft und Kripo exhumiert“, so Schinkel.

Jugendgruppen hätten zuweilen als Mutprobe nächtliche Rundgänge auf dem Friedhofsgelände gemacht. „Die waren harmlos“, sagte Schinkel, der froh ist, dass er nicht wie seine Vorgänger mit Anzug und Zylinder vor jedem Beerdigungszug marschieren muss. „Diese Tradition hatte viel Arbeitszeit gekostet“, sagte Schinkel. Sein Aufgabenbereich beschränkt sich nicht auf die gärtnerische Gestaltung der elf Hektar großen Fläche plus Erweiterungsland, das für einen Waldfriedhof mit heimischen Gehölzen bepflanzt wurde. Schinkel macht die Finanzplanung, kümmert sich um die Unterhaltung der Gebäude wie Kapelle und Wirtschaftsgebäude und leitet sechs Mitarbeiter an. Er kontrolliert auch die Pflegesituation der Grabstellen. Fingerspitzengefühl braucht er, wenn ein Streit zwischen Angehörigen benachbarter Gräber ausbricht. „Es geht meistens darum, dass der eine das Nachbargrab als ungepflegt ansieht und sich darüber ärgert“, so Schinkel.

Mittlerweile überwiegen Urnengräber

Was hat sich geändert? „Wir haben eine größere Zunahme an Rasenflächen als Grabstellen, die insgesamt kleiner werden“, so Schinkel. Mittlerweile überwiegen Urnengräber.

„Sie sind weniger pflegeintensiv für die Angehörigen“, so Schinkel. Ein Trend sei, Grablichter aufzustellen. Eine Gemeinschaftsgrabstelle steht zur Verfügung. Sein Entwicklungskonzept sieht vor, dass die Randbereiche nicht neu belegt, sondern bepflanzt werden.

Abschalten kann Schinkel beim Reiten. Das Hobby teilt er sich mit seiner Frau. Die Familie ist ihm wichtig. Mit ihr reist er gerne in wärmere Gefilde innerhalb Europas. Mehr Zeit für Hobbys bleibt nicht, zumal ihn der Posten des Wehrführers der Barmstedter Feuerwehr beansprucht, den er gerne ausübt. 

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erstellt am 28.Feb.2017 | 12:00 Uhr

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