Ellerhooper Arboretum : Über das Geheimnis des Lotos

Auf dem See im Arboretum in Ellerhoop befindet sich das deutschlandweit größte Vorkommen des subtropischen Lotos.
Auf dem See im Arboretum in Ellerhoop befindet sich das deutschlandweit größte Vorkommen des subtropischen Lotos.

Von Ende Juli bis September blüht die subtropische Blume. Jetzt wurde sie wieder im Arboretum gefeiert.

shz.de von
13. August 2018, 14:30 Uhr

Ellerhoop | „Das ist unser Geheimnis“ – auch auf geschickte Nachfragen lässt sich Reinhard Bischoff nicht mehr entlocken. „Ein arbeitsreiches Geheimnis“, ergänzt Gärtnermeister Volker Tiedemann. Der Lohn der Arbeit bedeckt gut ein Drittel des Sees im hinteren Teil des Arboretums: Lotos.

Von Ende Juli bis September blüht die subtropische Blume – Anlass für das jährliche Lotosblütenfest im Ellerhooper Arboretum. Die Veranstaltung an zwei Tagen im August ist „absoluter Höhepunkt im Jahr, das wollen die Leute sehen“, erzählt Bischoff aus der Geschäftsstelle. In Ellerhoop findet sich das deutschlandweit größte Vorkommen der Pflanze.

Ein Muss, egal welches Wetter

Draußen stehen Busse, trotz vieler Schauer sind am Sonnabend Menschen im Park unterwegs. „Wir erwarten zwischen 5000 und 10.000  Besucher“, sagt Bischoff; wobei die 10.000 beim verregneten ersten Tag eher kühne Hoffnung sind. Das Arboretum umfasst insgesamt rund 16 Hektar und zählt pro Jahr um die 100.000 Besucher, der Einzugskreis reicht bis Nordschweden, berichtet Bischoff.

Markus Schell spielt am Flügel beim Lotosblütenfest.
Jann Roolfs
Markus Schell spielt am Flügel beim Lotosblütenfest.
 

„Das ist ein Muss, egal welches Wetter“, stellt Ingrid Buchholz aus Barmstedt klar. Sie ist mit ihrem Mann Jens unterwegs, die beiden haben Dauerkarten. „Ich hatte gedacht, dass bei dieser Hitze alles verdörrt ist – aber so eine Pracht“, schwärmt sie: „Die Blüten sind größer denn je.“

Schauer und Sonnenschein

Heimisch ist der Lotos von Indien bis China. Bei den großen Blüten ranken sich um den gelben Stempel und die gelben Staubfäden Blätter, deren zarte Farben von Weiß am Ansatz zu kräftigem Rosa an den Spitzen der Blütenblätter verlaufen. Wer eine Pause zwischen den Schauern mit Sonnenschein erwischt, kann von einer Plattform aus beobachten, wie die Nachmittagssonne die Pastellfarben zum Leuchten bringt.

Später werden die Blütenblätter abgeworfen, übrig bleibt der Stempel, der aussieht wie der Brausekopf einer Gießkanne. Darin reifen die Samen, die normalerweise ins Wasser fallen und am Grund des Gewässers zu neuen Pflanzen heranwachsen. „Er erhebt sich aus dem Schlamm, und ist davon völlig unberührt“, schwärmt Reinhard Bischoff. Diese Geschichte macht die Pflanze zum Symbol der Reinheit. Wie die Ellerhooper ihre Pflanzen im rauen norddeutschen Klima kultivieren, das ist eben ihr großes Geheimnis.

Ein modernes Chiffre für Sauberkeit ist der Lotosblatt-Effekt: Auf den Blättern der Wasserpflanze hält sich kein Wasser, Tropfen perlen ab und nehmen dabei Schmutz mit. „Mikro-Rauigkeit“ lautet der Fachbegriff, erklärt Bischoff: Härchen auf den Blättern weisen ganz feine Spitzen auf, über die Wassertropfen wegrollen.

Mit Konzerten am See – am Sonnabend Klavier, am Sonntag Harfe – feiern die Organisatoren ihren Lotos. Im Lotoscafé am See gibt es asiatische Spezialitäten. „Die gesamte Pflanze ist essbar“, erklärt Bischoff. Kunsthandwerkerstände und kostenlose Führungen ergänzen das Programm des Fests.

Der Pianist Markus Schell sitzt am Sonnabend allerdings nicht wie geplant auf einem Ponton am Seeufer, sondern unter einem Zelt auf dem Rasen. Die Frauen beim Kinderschminken und beim Malwettbewerb haben kaum zu tun: Das Wetter hält Familien am ersten Tag offenbar von einem Besuch ab. Aber für Sonntag sehen die Prognosen besser aus. Sportlich nimmt es Besucherin Margret Leiber aus Schafflund bei Flensburg: „Wir sind leider ordentlich durchgefroren, aber sonst ist es wunderschön.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen