Trecker-Begeisterung kennt kein Alter

Begeisterung pur: Thore Hellwig (2) aus Seeth-Ekholt am Steuer eines alten Treckers.
Begeisterung pur: Thore Hellwig (2) aus Seeth-Ekholt am Steuer eines alten Treckers.

Mehrere hundert Oldtimer-Traktoren waren am Sonntagnachmittag in Westerhorn zu bestaunen

shz.de von
10. Juli 2018, 16:00 Uhr

„Schönes Wetter, fährst mal ein bisschen spazieren.“ Dafür steigt Hubert Maguhn am Sonntagmorgen in Hohenfelde auf seinen Holder, das ist ein kleiner Trecker mit Knicklenkung, Zwei-Zylinder-zwei-Takt-Diesel-Motor und permanentem Allradantrieb, dessen Motorhaube gerade einmal hüfthoch ist. „Er ist klein und süß“, findet Maguhn. Außerdem wurde er schon 1970 gebaut, und damit ist das Ziel für den Sonntagsausflug klar: das Oldtimertreffen der Westerhorner Treckerfreunde.

Seit 2008 lädt der Verein zum Treffen, der Vorsitzende Christian Pirsch strahlt: „Das erste Mal ohne Regen!“ Bei schlechtem Wetter waren in den vergangenen Jahren schon 180 bis 200 alte Trecker und mehr als 1000 Besucher nach Westerhorn gekommen, in diesem Jahr sind schon um 10.30 Uhr mehr als 125 Oldtimer eingetroffen. Jedes alte Fahrzeug, ob Trecker, Auto oder Motorrad, wird von einer kleinen Delegation der Treckerfreunde empfangen. Die Fahrer bekommen ein Glas mit Aufdruck und ein Formular, auf dem sie die Daten ihres Gefährts eintragen sollen.

Die 14 Mitglieder des Vereins sind alle eingespannt, dazu kommen viele Helfer aus dem Dorf. Frauen bringen selbstgebackenen Kuchen vorbei, Männer helfen beim Auf- oder Abbauen, regeln den Verkehr. Eintritt nehmen die Westerhorner nicht, es gibt Frühstück, Kaffee und Kuchen, Pavillons mit Bierzeltgarnituren stehen auf der Koppel am Bahngleis und ein Stand mit Uhren, Caps und Bechern. Auf ein Programm verzichten die Treckerfreunde, ins Schnacken kommen die Besucher sowieso.

„Die Gemütlichkeit“ gefällt Christian Haertel am Westerhorner Treffen. Der Wrister ist mit seinem Vater gekommen, beide begutachten einen roten Porsche Diesel Junior. Christian Haertel lobt den „guten Zustand“ des Gefährts, sein Vater gerät ins Schwärmen: einen alten Trecker haben „und dann mit einem Wohnwagen losfahren“.

Jasper Riedemann und Conrad Mergel aus Uetersen haben diesen Traum schon ausprobiert. Mit Riedemanns Hanomag R 217 von 1957 sind sie nach Brickeln in Dithmarschen gezockelt, dreieinhalb Stunden hat die Anfahrt gedauert. Aber das ist für Riedemann das Gute an seinem Oldtimer: „Das man einfach nicht so schnell sein kann.“ Aber „gut gucken“ lasse sich vom Fahrersitz.

Güldner, Eicher, Schlüter, natürlich Lanz Bulldog, Fendt Dieselross und Exoten wie Ursus, Volvo oder Allis-Chalmers sind auf der Koppel aufgereiht. Einige haben historische Geräte hinten dran, ein paar transportieren auf Anhängern noch weitere Oldtimer. Hinter einem Porsche Trecker hängt ein kleiner Wagen, auf dem vier Erwachsene für eine Platzrunde sitzen können.

„Der Lütte hier“ ist der Grund, warum Knut Feil aus Bevern gekommen ist, sagt er und zeigt auf seinen dreijährigen Sohn Lennas: „Sein erstes Wort war: Trecker.“ Günter Hellwig ist mit seiner Frau Renate und seinem Enkel Thore aus Seeth-Ekholt angereist. Er hat selbst einen historischen Schlepper, einen McCormick von 1963. Für Hellwig ist Westerhorn „unser regionales Treffen“, auf dem er sich kaum sattsehen kann: „Jedes Detail ist toll, wenn man Trecker-verrückt ist.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen