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Unterwegs mit einem Häckslerfahrer : Tonnenweise Mais und kein Stillstand

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Henning Hachmeister aus Hemdingen ist während der Ernte beinahe rund um die Uhr im Einsatz.

Bokel | Langsam dreht Henning Hachmeister an dem kleinen schwarzen Lenkrad vor ihm. Der 21 Tonnen schwere Maishäcksler scheint sich fast auf der Stelle zu drehen. Langsam fährt der 26-Jährige an die nächsten zwölf Reihen Mais heran, die rechte Hand immer am Joystick. Mehrere Räder beginnen augenblicklich, die Pflanzen zu verschlingen und sie in den Bauch der gewaltigen Maschine zu ziehen. Eine Messertrommel mit 36 Messern zerkleinert die Pflanze in acht Millimeter kleine Stücke, der Cracker bricht die Maiskörner auf. Durch den langen Schwenkarm schießen die Maishäcksel nur wenige Sekunden später in den Anhänger eines Traktors. „Noch eine Stunde“, sagt Hachmeister und schaut zu den restlichen Maispflanzen auf dem Feld bei Bokel, „dann müssen wir das haben.“

Der 26-Jährige aus Hemdingen ist seit etwa zwei Jahren bei Lohnunternehmer Matthias Kühl in Groß Offenseth-Aspern beschäftigt. Die Maisernte in den vergangenen Tagen war für ihn eine arbeitsreiche Zeit. „Viel Stillstand ist nicht gut“, sagt Hachmeister. Das gilt gleich in zweierlei Hinsicht. „Es gibt nur eine begrenzte Spanne im Jahr, in der die Maschine Geld verdient“, so Hachmeister – zum Beispiel während der Maisernte. Bis zu 17 Stunden sind er und seine Kollegen dann im Einsatz, erzählt der Hemdinger. „Bis um 22 Uhr häckseln wir, dann folgt noch die Wartung der Maschinen. Anschließend wird geduscht, geschlafen, und um halb sieben geht es dann auch schon wieder los.“ Würden Reparaturen während der Erntezeit anfallen, werde versucht, das möglichst nachts zu erledigen. „Jede Stunde, die die Maschine steht, kostet Geld.“

Stehen muss Hachmeister auch jetzt kurzzeitig. Nachdem ein Abfahrwagen voll ist, muss er ein paar Minuten auf den nächsten warten. „Die Traktoren fahren bis zu einem Hof nach Weddelbrook“, sagt er. 45 Minuten pro Tour, schätzt er, sind die Fahrer unterwegs. Neun Gespanne sind dafür im Einsatz. Als der nächste Traktor eintrifft, beschleunigt er den 775 PS-starken Häcksler wieder auf etwa 7,5 Kilometer pro Stunde und füllt den nächsten Hänger. Drei Minuten benötigt die Maschine für 50 Kubikmeter. Über eine Kamera hat Hachmeister die Ladefläche des Anhängers jederzeit im Blick – und kann so die Ladung ideal im Wagen verteilen. Die Spur hält der Häcksler auf dem Feld automatisch. „Man überwacht alles“, sagt der 26-Jährige. „Nix soll überlaufen, außerdem sollte das Feld sauber und schier hinterlassen werden.“

1300 Liter Diesel fasst der Tank des Häckslers. Der Verbrauch der Maschine liegt etwa bei 78 Litern pro Stunde. (Foto: Uthoff)
1300 Liter Diesel fasst der Tank des Häckslers. Der Verbrauch der Maschine liegt etwa bei 78 Litern pro Stunde. (Foto: Uthoff)
 

Schon seit seiner Kindheit würde er sich für schwere Maschinen interessieren, so Hachmeister. „Unser Nachbar war Landwirt. Dort war ich immer auf dem Hof unterwegs, berichtet der Hemdinger. Um den Häcksler zu fahren, benötige man einen Trecker-Führerschein und diverse Lehrgänge. „Das erste Mal habe ich sehr viel geschwitzt“, sagt der 26-Jährige und lacht. Der Job mache ihm viel Spaß, so Hachmeister. Auch allein ist er nicht, obwohl er als einziger in der Fahrerkabine sitzt: „Es gibt viele witzige Momente. Wir erzählen uns über Funk immer wieder Geschichten.“

Gegen Mittag nähert sich Hachmeister dem ehemaligen Sandabbaugebiet zwischen Bokel und Lutzhorn. Dort endet das Feld. „Mit Hilfe einer Karte finden wir die Flächen, die wir abzuernten haben“, sagt der Hemdinger und holt ein Stück laminiertes Papier aus der Tasche. Der Erntevorsatz klappt automatisch zusammen. Langsam fährt Hachmeister zur Kreisstraße zurück und biegt Richtung Bokel ab. Das nächste Maisfeld wartet schon.

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erstellt am 27.Okt.2015 | 12:30 Uhr

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