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Barmstedt : Themenabend der AG Stolperstein in der GGS

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Es geht darum die Erinnerung an die Opfer wach zuhalten.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 00:33 Uhr

Barmstedt | Mit einer Reihe von Aktionen und Veranstaltungen am Mittwoch hat die AG Stolperstein entsprechend ihrem Selbstverständnis dazu beigetragen, die Erinnerung an die Opfer der NS-Barbarei wachzuhalten. So verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig, zum zweiten Mal in Barmstedt, sechs Stolpersteine, die an das Leiden der Zwangsarbeiter und ihrer Kinder gemahnen. Im Rahmen einer Abendveranstaltung in der Aula der Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) wurden dann verschiedene Aspekte des Themas noch einmal dargestellt. So referierte Stolperstein-Aktivist Helmut Welk über „Zwangsarbeit in Deutschland ab 1939“, seine Mitstreiterin Andrea Menzel über „Zwangsarbeit in Barmstedt“, und der dritte im Bunde, Luzian Bucke, über „Geraubte Jahre – Zwangsarbeit in Barmstedt“. Auch Schülerinnen und Schüler, die sich im Unterricht und darüber hinaus mit der Thematik auseinandergesetzt hatten, brachten sich ein, indem sie unter anderem über die „Patenschaft Grabliegesteine“ berichteten und die Veranstaltung musikalisch umrahmten. Die Begrüßung nahm Schulleiter Bernd Poepping vor, Grußworte sprach Bürgermeisterin Heike Döpke. Sie würdigte die Arbeit der AG Stolperstein und betonte, wie wichtig es sei, die Erinnerung an die NS-Opfer wachzuhalten: Das sei man ihnen schuldig.

Die Zahlen, Fakten und Hintergründe, die Welk, Menzel und Bucke in ihren Vorträgen nannten, machten die Zuhörer betroffen. So gab es in Deutschland im Jahre 1944 insgesamt zehn Millionen Zwangsarbeiter aus sämtlichen besetzten Ländern: Ohne sie wäre die damalige Wirtschaft zusammengebrochen. Sie lebten in unwürdigen Verhältnissen, waren teilweise sogar in Schweineställen untergebracht und den Schikanen ihrer Arbeitgeber hilflos ausgesetzt.

Obwohl sie bis zur Erschöpfung schuften mussten, erhielten sie nur knapp bemessenes Essen – es reichte gerade zum Überleben. Unzureichend war auch die medizinische Versorgung im Krankheitsfall. In Barmstedt, das damals lediglich 4000 Einwohner zählte, war es laut Andrea Menzel nicht anders als im übrigen Reich. Die etwa 500 Zwangsarbeiter in der Stadt hätten unter anderem in der Landwirtschaft, in verschiedenen Fabriken und im Gaswerk gearbeitet. Sie seien der Verachtung der Bevölkerung ausgesetzt gewesen – insbesondere die russischen Zwangsarbeiter. „Nicht wenige Menschen sind damals schuldig geworden, doch viele Firmen bekennen sich bis heute nicht zu ihrer Schuld“, so die Stolperstein-Aktivistin. Bucke bezeichnete das, was man den Zwangsarbeitern in Deutschland angetan hat, als Raub: Sie seien ihrer Menschenwürde, ihrer Gesundheit, ihrer Lebensfreude und ihrer Kinder beraubt worden. Das dürfe sich niemals wiederholen!

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