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Barmstedter Zeitung

16. August 2017 | 23:56 Uhr

Bevern : Teerkolonne in die Falle gelockt

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Ein Ehepaar aus Bevern wurde von vermeintlichen Straßenbauern betrogen. Sie riefen die Polizei, die zwei Verdächtige festnehmen konnte. Die Beverner wollen jetzt andere Menschen über die betrügerische Masche aufklären.

Mit ihrer Fußspitze schiebt Colette Tonder den Splitt zusammen, der vor ihrem Haus in Bevern liegt. Mühelos lassen sich die kleinen Steinchen in großen Mengen hin- und herbewegen. Damit niemand die etwa 300 Quadratmeter große Fläche betritt, stehen orangefarbene Hütchen und einige Stühle als Absperrung auf dem Hof. Noch immer sind Colette Tonder und ihr Mann Axel schockiert über das, was am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche bei ihnen passierte (siehe Info-Kasten). Bauarbeiter hatten dem Ehepaar ein vermeintlich gutes Angebot gemacht, den Hof mit Flüssig-Asphalt zu teeren. Doch als die Männer nach getaner Arbeit den Hof verließen, bemerkte das Ehepaar, dass sie betrogen worden waren.

Colette und Axel Tonder haben sich in dieser Woche entschieden, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. „Wir wollen aufklären und andere Menschen warnen“, sagt Axel Tonder – denn der Drahtzieher sei von der Polizei nicht geschnappt worden. Auch die Ermittler warnen davor, dass die Männer in gleicher Weise weiter agieren werden.

Am Mittwochnachmittag habe ein Mann bei ihr zu Hause in Bevern an der Tür geklingelt, so Colette Tonder. „Er wirkte sehr sympathisch und hatten einen niederländischen Akzent“, erzählt sie. „Er stellte sich mir als Vertreter einer der Baufirmen vor, die gerade an den Bauarbeiten an der Landesstraße 110 zwischen Bevern und Ellerhoop beteiligt sind.“ Man asphaltiere gerade Teile der Straße und habe kurz vor dem Feierabend noch Asphalt über, habe der Mann berichtet. „Er fragte, ob sie die Fläche des Hofs mit Flüssig-Asphalt teeren sollten“, so Tonder. Für wie viel Fläche des 300 Quadratmeter großen Hofs der Asphalt reichen würde, könne er aber noch nicht sagen.

Tonder telefonierte mit ihrem Mann. Nachdem sie sich beratschlagt hatten, beschlossen sie, das Angebot anzunehmen. „Das sind Profis“, sagt Axel Tonder im Hinblick auf die Situation. „Sie geben ihr Schema vor und man hat keine Zeit zum Überlegen. Das Ganze war sehr professionell, und ihre Geschichte macht Sinn.“ Der vermeintliche Bauarbeiter und das Ehepaar einigten sich darauf, das Geld erst nach Fertigstellung der Arbeiten zu zahlen. Zudem verlangten sie eine ordnungsgemäß ausgestellte Rechnung. Kurze Zeit später seien zwei Arbeiter mit Lkw und Walze auf den Hof gerollt und hätten schnell mit den Arbeiten begonnen.

Mit einem Bunsenbrenner hätten die Männer die Ladefläche des Lkw aufgeheizt – wahrscheinlich um den Anschein zu erwecken, dort lagere der Asphalt. „Sie haben aber nur Granulat aufgebracht – ein billig eingekauftes Abfallprodukt“, sagt Axel Tonder. Mit der Walze sei das Material anschließend verdichtet worden. Als er abends nach Hause gekommen sei, habe er schon etwas gemerkt, erzählt er weiter. Die Arbeiter hätten ihm jedoch erklärt, dass es bis zu zwei Stunden dauere, bis sich das Material verfestigt habe. Etwa 4500 Euro hätten die vermeintlichen Teerarbeiten gekostet. „Abends bin ich dann nochmal raus“, so Tonder weiter. „Da habe ich sofort gesehen, dass wir betrogen worden sind.“

Noch bevor sie die Polizei riefen, fasste das Ehepaar den Plan, die Mitarbeiter der Teerkolonne am nächsten Tag noch einmal auf ihr Grundstück zu locken – unter dem Vorwand, es gebe noch weitere 200 Quadratmeter zu teeren. „Die Polizei sagte allerdings, dass die Männer nicht mehr kommen würden“, so Colette Tonder.

Doch das Ehepaar hatte Glück: Zwar seien die Männer nicht – wie abends abgesprochen – am Donnerstag um 9 Uhr erschienen. Doch nach einigen Telefonaten und der Zusage des Ehepaars, einen höheren Quadratmeterpreis als am Vortag zu zahlen, sei einer der Männer gekommen und habe begonnen, den Hof zu reinigen. „Wir standen die ganze Zeit mit der Polizei in Kontakt“, so Colette Tonder. „Wir sollten sie wieder anrufen, wenn die Teerkolonne sich nähert.“ Die Polizei habe Stellung bezogen und den Arbeiter schließlich auf einer Landstraße festgenommen. „Zehn Minuten später – wir dachten, alles sei vorbei – kam plötzlich der andere Arbeiter mit Lkw und Walze vorgefahren“, sagt sie. Die Polizei schlug daraufhin erneut zu – und stellte die Baugeräte sicher.

Nach der Verhaftung der Männer, zwei Polen im Alter von 26 und 30 Jahren, hätten sie sich beide aber von der Polizei allein gelassen gefühlt. „Das war ein schlimmes Ereignis für uns“ so Axel Tonder. Kurze Zeit später habe zum Beispiel der Chef der Kolonne bei Colette Tonder angerufen – „weil er seine Leute suchte“, so Tonder. Zudem hätten sie sich am Donnerstag einen früheren Polizeieinsatz gewünscht. „Wir hatten Angst“, so Axel Tonder. Hinsichtlich der Schäden auf dem Hof hätte ihm die Polizei sogar mitgeteilt, er solle die Firma noch einmal beauftragen, um die Reparaturen durchzuführen. Die entsprechenden Fahrzeuge könnten bei der Polizei geleast werden, habe es geheißen.

Hinsichtlich dieser Aussage könne sie nichts sagen, sagte Sandra Mohr von der Polizei auf Anfrage dieser Zeitung. „Ich will die Kritik aber auch nicht in Abrede stellen“, so die Pressesprecherin zu den anderen Punkten. Aus polizeilicher Sicht sei der Einsatz ein voller Erfolg gewesen: „Die Absprachen sind wunderbar gelaufen“, lobt Mohr. „Wenn sich die Beverner nicht so verhalten hätten, hätten wir die Täter nicht geschnappt. Es gab Festnahmen und einen Baustopp – somit konnte es auch keine weiteren Opfer geben.“ Außerdem sei es möglich gewesen, ein Bußgeldverfahren einzuleiten.

Mittlerweile seien die Männer aber wieder auf freiem Fuß, so Mohr weiter. „Auch das Bußgeld in Höhe von 5000 Euro ist bereits bezahlt.“ Die Baufahrzeuge haben nur deshalb noch nicht wieder herausgegeben werden können, weil sie als nicht verkehrssicher eingestuft wurden. „Sie sind Eigentum der Männer und nicht beschlagnahmt“, so Mohr.

Das Ehepaar Tonder hat mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet. 10 000 Euro Schaden habe die Teerkolonne auf dem Hof angerichtet. „Ich möchte wenigstens die 4500 Euro wiederhaben, dir wir bezahlt haben“, sagt er. „Das andere nehmen wir auf unsere Kappe.“

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erstellt am 29.Nov.2014 | 15:00 Uhr

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