zur Navigation springen

Stadtwerke Barmstedt : Tarifflucht durch die Hintertür?

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Kommt die Stadt nicht ihrer Verantwortung nach? Der Betriebsrat läuft Sturm gegen die Arbeitsverträge bei der Vertriebsgesellschaft.

shz.de von
erstellt am 28.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Geballte Stadtwerke-Power in der Kommunalen Halle: Etwa die Hälfte der 70 Mitarbeiter war im Werkausschuss erschienen, um die Diskussion darüber zu verfolgen, wie die Arbeitsverträge für die Mitarbeiter der Vertriebsgesellschaft gestaltet werden sollen. Brisant ist das Thema deshalb, weil die Vertriebler – anders als die Mitarbeiter der Stadtwerke – nicht nach Tarif bezahlt werden. Was nicht angehen könne, wie Betriebsratschefin Silke Kruse sagte. „Wir sind alle öffentlicher Dienst, da können wir nicht unterschiedliche Verträge haben“, sagte sie im Ausschuss – der nur deswegen öffentlich über den Punkt beriet, weil die SPD das beantragt und alle dem zugestimmt hatten.

Während Kruse dem Eindruck entgegenwirken wollte, die Stadtwerke-Mitarbeiter seien überbezahlt („Wir stehen da als die Bösen, die so teuer sind – aber wir tragen hier nicht den letzten Euro raus“), argumentierte Freyermuth mit dem starken Wettbewerbsdruck und den hohen Kosten, die eine Tarifbindung nach sich ziehe. Vor allem die Altersvorsorge für Beschäftigte von Bund und Ländern sei für die Arbeitgeber „ein Klotz am Bein. Da kommt man nie wieder raus.“ Viele kommunale Unternehmen „machen das nicht mehr mit und suchen andere Wege zur Altersvorsorge.“ Dazu sei auch der Betriebsrat bereit, sagte Kruse. „Es gibt durchaus attraktive Angebote. Aber wenn man das will, muss man sich auch mal darum kümmern.“

Die Politiker teilten sich in zwei Lager: Während etwa Mareyke Herrmann (BALL) es als „unsäglich“ bezeichnete, dass ein öffentlicher Arbeitgeber unterschiedliche Verträge anwenden wolle, fand Henning Behrens (CDU), man könne durchaus mit zweierlei Maß messen. Denn anders als die Strom- oder Gasversorgung, sei der Vertrieb „keine hoheitliche Aufgabe“. Vertriebler befänden sich „an der Front“ und würden „an Wettbewerbern gemessen“, sagte Dietrich Tetz (CDU). „Da kann man eine leistungsabhängige Bezahlung einführen.“ Das ließe sich aber auch per Tarifvertrag regeln, entgegnete Richard Gude (SPD).

Den Vorwurf, er könne versuchen, Mitarbeiter in der Vertriebsgesellschaft einzustellen und sie später außertariflich bei den Stadtwerken beschäftigen, wies Freyermuth zurück. „Wir werden keinen Vertriebler einstellen, der später im Hallenbad arbeitet.“

Auch Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) schaltete sich in die Diskussion ein. „Die Vertriebsgesellschaft gehört zu den Stadtwerken und damit zur Stadt“, sagte sie. Und die habe „eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern. Wir können nicht von unseren Auftragsnehmern verlangen, dass sie tariftreu sind, es selbst aber anders machen.“ Man könne aber einen Haustarif aushandeln, schlug sie vor – und stieß damit bei Freyermuth auf offene Ohren. Bei anderen Stadtwerken laufe das „hervorragend“, sagte er.

In Richtung der Zuhörer betonte der Werkleiter, es gehe „weder um die Besitzstände vorhandener Mitarbeiter noch darum, künftig Dumpinglöhne oder Knebelverträge einzuführen“. Vielmehr gelte es, Wege zu finden, „um im privaten Wettbewerb langfristig gewappnet zu sein. Noch geht’s uns gut, aber das kann auch mal anders kommen.“ So hätten etwa Eon Hanse und RWE „ganze Abteilungen ins Ausland verlagert und tausende Stellen abgebaut. Das ist dann der Preis für die tariflichen Leistungen, und davor habe ich Angst.“

Am Ende war Kruse enttäuscht. Sie habe sich vom Ausschuss eine „grundsätzliche Entscheidung“ erhofft, sagte sie – aber die Politiker verwiesen das Thema an den Hauptausschuss. Der tagt am  Dienstag, 1. Oktober, ab 19.30 Uhr in der Kommunalen Halle.

.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen