Bundesfreiwilligendienst : Tagesförderstätte Himmelmoor: Bufdis ziehen nach einem Jahr Bilanz

Johanna Reuss und Tim Dreyer verlassen Ende August die Tagesförderstätte. Hinter beiden liegt dann eine bereichernde Zeit mit vielen neuen Erfahrungen.
Johanna Reuss und Tim Dreyer verlassen Ende August die Tagesförderstätte. Hinter beiden liegt dann eine bereichernde Zeit mit vielen neuen Erfahrungen.

Tim Dreyer (22) und Johanna Reuss (19) sagen, die Arbeit mit behinderten Menschen habe sie bereichert.

shz.de von
08. Juni 2018, 12:15 Uhr

Quickborn | Oft nutzen Schulabgänger den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi), wenn sie noch nicht sicher sind, in welche Richtung sie sich beruflich orientieren wollen. Das trifft auch auf Tim Dreyer (22) und Johanna Reuss (19) zu, die ein Jahr lang in der Tagesförderstätte Himmelmoor ganz besondere Erfahrungen gesammelt haben. Sie betreuten behinderte Menschen, die unter körperlichen und geistigen Einschränkungen leiden. In wenigen Wochen geht ihre Zeit in der Einrichtung zu Ende. Im Gespräch mit shz.de zogen sie Bilanz und rufen Gleichaltrige dazu auf, sich um ihre Nachfolge zu bewerben.

Perspektive ändern

„Ich habe den Tipp von einem ehemaligen Bufdi bekommen und war froh darüber, das Leistungssystem verlassen zu können. Ich wollte meine Perspektive ändern und etwas Soziales machen. Heute weiß ich, dass ich Hebamme werden will“, sagte Reuss, die nach dem Abitur Bufdi wurde. An der Arbeit in der Einrichtung schätzt sie auch die feste Struktur. „Wir haben hier ein klares Arbeitspensum in der Woche, das untereinander aufgeteilt wird. Morgens wird gemeinsam gefrühstückt, da übernehmen wir selbstverständlich auch hauswirtschaftliche Aufgaben. Unterstützen die Betreuten beim Frühstückauspacken und Essenanreichen. Manche essen schnell, andere langsam. Dafür braucht man Geduld.“ Wichtig sei die Kommunikation mit den Behinderten, dadurch würden persönliche Bindungen und Freundschaften entstehen.

Für diese Aufgaben hat Dreyer vor einem Jahr schon einschlägige Erfahrungen mitgebracht. „Nach meinem Fachabitur war ich Betreuer und Fahrer in einem Altenheim. Auch dort musste ich mich auf schwere Schicksalsfälle einstellen und Kontakte zu diesen Menschen finden. Es ist ein tolles Erlebnis, die Bedürfnissse zu erkennen und ihnen helfen zu können.“ Pflegerische Aufgaben haben die beiden in den zurückliegenden zwölf Monaten dagegen nicht übernommen.

Therapeutisches Reiten

Dreyer macht keinen Hehl daraus, dass er die Arbeit des professionellen Teams bewundert. Maximal 24 erwachsene Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen würden durch sie stabilisiert und könnten ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen. Dazu gehört auch das therapeutische Reiten auf dem eigenen Gelände. Reittherapeutin Julia Selk hält gegenüber der Einrichtung an der Heinrich-Hertz-Straße mehrere Therapiepferde. An der eigens dafür geschaffenen Rampe helfen die Bufdis ihren Schützlingen auf den Rücken der Tiere und geben ihnen ein Stück Sicherheit – eine Aufgabe, der sich auch Dreyer und Reuss gern widmeten. „Wer nicht sitzen kann, wird mit dem Bauch über den Pferderücken gelegt. Manche berühren das Fell mit dem Gesicht, um das Pferd zu riechen und zu spüren. Menschen lieben Tiere, selbst jene, die nicht reiten können“, sagte Einrichtungsleiterin Angelika Mattes.

Eine weitere Herausforderung war das Schwimmen in Norderstedt, das mit einem aufwändigen Transport verbunden ist. Einkaufen und Kochen hingegen bringt allen immer viel Spaß. Dreyer wird nach dem Bundesfreiwilligendienst keinen Beruf im Gesundheits- oder Sozialwesen anstreben. „Ich werde Betriebswirtschaft studieren und sehen, ob ich in der Autobranche eine interessante Perspektive finde.“ Wer sich für die freien Stellen ab 1. September bewerben will, kann unter Telefon (0 41 06) 62 29 19 15 Kontakt aufnehmen und weitere Infos erfragen. Wichtig ist: Die Bewerber müssen die Schulzeit hinter sich haben.

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