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Barmstedter Zeitung

19. Oktober 2017 | 15:22 Uhr

Langeln : Streit um 50-Zentimeter-Streifen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Neue Knickverordnung in Schleswig-Holstein sorgt für Kontroversen / Ehemaliger Landwirt aus Langeln drängt auf eine Knickbegehung

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Siegfried Huppers ist sauer. Über die neue Knickverordnung in Schleswig-Holstein und vor allem über Jürgen Dammers, Mitglied des BUND im Kreisvorstand des Kreises Pinneberg. Als ehemaliger Landwirt steht der 79-jährige Huppers argumentativ voll hinter seinen aktiven Berufskollegen, die die Verordnung ablehnen. Besonders daneben findet er die Äußerungen von Dammers in der "Barmstedter Zeitung" vom 25. Juli 2013 zu der seiner Meinung nach Diffamierung der Bauern betreff Knicks, dass er zum Hörer griff und Dammers anrief.

„Er behauptet in dem Text, dass seit 1960 30.000 Kilometer Knicks überwiegend in Ost-Holstein ohne Ausgleich gerodet wurden“, so Huppers. „Bei etwa 60 000 Kilometern Knicks in Schleswig-Holstein würde es bedeuten, dass es in Ost-Holstein keine Knicks mehr gibt“, so Huppers empört. Er will von Dammers wissen, wer denn die Genehmigung zum Roden gegeben hat. 

„Eine Knickwegnahme ist ohne Weiteres überhaupt nicht erlaubt“, so Huppers. Weiterhin spreche Dammers aus völliger Unkenntnis von einer geläufigen Knickbreite von 4,50 Metern, die die Bauern auf 2,50 Meter eigenmächtig gekürzt hätten. „So ein Quatsch, normal ist eine Breite von etwa zwei bis drei Metern, und das seit 250 Jahren“, so Huppers. In dem Telefonat lud er also den Quickborner Dammers nach Langeln ein, mit ihm eine Begehung der Knicks zu machen sowie einen sachlichen Meinungsaustausch zu führen. „Herr Dammers gab mir keine Zusage, sprach von Zeitmangel, und ich ging davon aus, dass er nochmal anruft“, so Huppers, der, als er nichts mehr hörte, einen Brief schrieb, in dem er Dammers fragte, ob er kneife. „Zwei Tage später rief er an, er kneife nicht, hätte aber momentan keine Zeit“, so Huppers.

Nach weiteren 20 Tagen schrieb Huppers seinen zweiten Brief mit den Zeilen „Und Sie kneifen doch?“ Und weiter „Unwahre Behauptungen sind für mich Lügen.“ Danach habe Funkstille geherrscht, war Huppers sehr enttäuscht. „Ich bedaure, dass die Landwirtschaft aus ideologischen Gründen diffamiert wird“, ist er überzeugt. Dabei hätte er eine Menge zu berichten. Etwa, dass es seit 250 Jahren Knicks gibt, die die Bauern selbst aufsetzten, um sich abzugrenzen und der Bodenerosion entgegenzuwirken.

„Die Knicks, die sich seitdem nicht verändert haben, wurden stets gepflegt“, betonte Huppers. In Ost-Holstein habe es viele, mehr als 1000 Hektar große Gutsbezirke mit zudem besseren Böden gegeben, die schlicht erheblich weniger Knicks benötigten. Huppers selbst hat nach dem Krieg als junger Bauer Knicks aufgesetzt. „Der Sand von unseren Äckern wehte bis in den Wald, sodass mein Vater, von dem ich den Hof erbte, und ich mit dem Anhänger in den Wald fuhren, um den Sand wieder aufzuladen.

„Die Knicks werden von den Bauern nicht beschädigt“, bemängelt er die neue Anweisung, einen 50 Zentimeter breiten Rand vom Knickfuß gemessen nicht bearbeiten zu dürfen. „Wenn der Bauer die überhängenden Zweige an seinem Knick nicht beschneidet, kann er ohnehin nicht bis zum Rand ackern, weil die Zweige die heutigen großen Maschinen daran hindern“, so Huppers. Zudem seien 50 Zentimeter einmal um die Koppel herum eine Menge Ackerfläche, die verloren gehe. „Ich bin bereit, mit ehrlich Interessierten Knick-Begehung und Meinungsaustausch zu machen“, so Huppers. Ehrliches Interesse bekundet etwa Dammers (69).

In einem Telefonat mit unserer Zeitung sagte er: „Ich nehme Herrn Huppers sehr ernst, unterschiedliche Positionen sind allerdings nichts Ungewöhnliches.“ Er habe während der Telefonate kurz mit Huppers sprechen können, aber die Zeit habe gefehlt. „Für den BUND habe ich sehr viel zu tun, zumal eine Mitarbeiterin gestorben ist“, so Dammers. Zu den Vorwürfen von Huppers äußerte er sich: „Die Knick-rücknahme war in den 60er- Jahren kein so großes Thema wie heute – inzwischen hat ein großes Umdenken eingesetzt. “ Die von Huppers kritisierte Knickbreite wollte Dammers so nicht stehen lassen. „Ich denke landesweit, und auch bei den Knickbreiten gibt es Unterschiede.“

Zu den freien 50-Zentimeter-Streifen sagte Lammers: „Jeder Hektar landwirtschaftliche Fläche wird von der EU bezuschusst, da müssen gewisse Standards in Bezug auf Naturschutz erhalten bleiben.“ Lammers will sich nach eigenen Angaben Ende Oktober/Anfang November bei Huppers melden und einen Termin zu einer Knickbegehung vereinbaren. „Gerne auch im Beisein der Presse“, so Lammers.

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