Barmstedt und Amt Rantzau : Straßenlärm hat stark zugenommen

Bokholt-Hanredder, Bilsen, Langeln, Ellerhoop und Barmstedt sind besonders betroffen. Die Kommunen sollen die Situation erneut bewerten.

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25. Januar 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt | Ellerhoop, Barmstedt, Bilsen, Langeln und Bokholt-Hanredder: Diese fünf Orte sind laut neuesten Auswertungen des Lands Schleswig-Holstein von den Kommunen der Amtsbezirke Rantzau, Hörnerkirchen und der Stadt Barmstedt pro Tag am meisten vom Straßenlärm betroffen. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hatte im vierten Quartal vergangenen Jahres die Lärmkartierung 2017 veröffentlicht. Darin ist die Lärmbelastung für die Straßen berechnet worden, auf denen pro Tag mehr als 8200 Fahrzeuge unterwegs sind (siehe Info-Kasten). Im Vergleich zu den Lärmkartierungen von 2007 und 2012 wird sichtbar: In einigen Teilen des Amtsbezirks Rantzau haben Lärm und Verkehr stark zugenommen. Das unterstreichen auch Bürgermeister der betroffenen Kommunen.

Laut LLUR hat sich die Lärmsituation im Land insgesamt aber verbessert. „Eine Abnahme der von Lärm belasteten Flächen um etwa fünf Prozent und der Anzahl der belasteten Menschen um etwa zehn Prozent gegenüber der letzten Lärmkartierung von 2012 ist ein Ergebnis der statistischen Analysen“, teilte Pressesprecher Martin Schmidt mit. Gründe für die Verbesserungen seien unter anderem, dass bei etwa 200 Kilometern Straßenlänge lärmmindernde Straßenbeläge berücksichtigt werden konnten und in 30 Gemeinden neue Lärmschutzwände oder -wälle den Lärm vermindert haben.

A23 ist stärkste Lärmquelle

Lärmquelle Nummer eins bei Straßen im Amtsbezirk Rantzau ist das Stück der A 23, das auf dem Gemeindegebiet von Bokholt-Hanredder liegt. Mitten auf der Autobahn werden zum Teil über 80 dB(A) am Tag erreicht – so laut sind unter anderem Motorsägen oder Winkelschleifer. Laut ist es auch laut der Karte auf der Barmstedter Straße (L 110) in Ellerhoop. Betroffen ist der Abschnitt von Oha bis zum Abzweig der Landesstraße 195 nach Hemdingen. Dieser Abschnitt war bei der Lärmkartierung 2012 bereits als belastet markiert, 2007 fehlte er allerdings noch. „Der Verkehr dort hat stark zugenommen“, sagt Ellerhoops Bürgermeisterin Wiebke Uhl. „Anwohner sagen, dass sie nicht bei offenem Fenster schlafen können.“ Zwischen fünf und sechs Uhr morgens rolle der Verkehr richtig los. Deshalb hätten viele Anwohner auch die zweiwöchige Sperrung im Oktober vergangenen Jahres genossen. Eine mögliche Maßnahme sei der Einbau von Flüsterasphalt, ähnlich dem auf der A 23, schlägt Uhl vor. Denn in diesem Jahr soll die Barmstedter Straße genau in diesem Abschnitt saniert werden. Der Flüsterasphalt werde aber nur auf extrem belasteten Straßenabschnitten wie der A 23 zwischen Halstenbek und Hamburg eingesetzt, so Kai-Uwe Schacht, Leiter der Niederlassung Itzehoe des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr. „Flüsterasphalt ist doppelt so teuer und hält halb so lange“, sagt er. Aber: Auch eine neue Deckschicht für eine Straße habe in der Regel eine „ganz gute Wirkung“ was die Lärmminderung angehe, so Schacht angesichts der anstehenden Arbeiten in Ellerhoop.

Das Land Schleswig-Holstein hat im Internet die Lärmkartierungen für 2007, 2012 und 2017 veröffentlicht. Wichtig: Die Lärmsituation wird laut Land nach einheitlichen Berechnungsverfahren errechnet. Es werden keine Messungen durchgeführt. Die Lärmemission beim Straßenverkehr werde vor allem durch die Verkehrsleistung, den Lkw-Anteil, die Straßenoberfläche und die Geschwindigkeit bestimmt. Daten-Grundlage sind insbesondere die Verkehrszählungen vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr. Im zweiten Schritt wird unter Berücksichtigung der Abstände, von Schallhindernissen und Reflexionen errechnet, welche Lärmbelastungen an welchen Orten vorliegen.

Viel Lärm und Verkehr gibt es laut LLUR auch auf der B 4: 2007 tauchte die Bundesstraße in der Kartierung gar nicht auf, 2012 war der Abschnitt von der Hamburger Landesgrenze bis Hoffnung schon enthalten. 2017 fehlt der Teil der B 4 zwischen der L 111 und L195 bei Bilsen, dafür hat nun der Verkehr zwischen Hoffnung und der Kaltenkirchener Stadtgrenze so stark zugenommen, dass der Abschnitt in den Karten aufgeführt ist. Direkt an der Straße werden bis zu 75 dB(A) errechnet, auf der Straße sogar bis zu 80.

Mehr Verkehr auf der B4

Da der Dorfkern und ein großer Teil der Bebauung Langelns weit ab der B 4 liege, sei das Problem für den gesamten Ort nicht so groß, sagt Bürgermeister Hans-Detlef Fuhlendorf. Es komme aber auch auf das eigene Empfinden und den Wohnort an. Der Verkehr auf der Straße habe hingegen stark zugenommen. „Wenn man auf die Straße einbiegen möchte, muss man lange warten – gerade, wenn es auch noch auf der A 7 Probleme gibt.“ Auch Bilsens Bürgermeister Peter Lehnert berichtet, dass der Lärm und der Verkehr auf der B 4 zugenommen haben. Eine Steigerung der Zahlen habe es unter anderem wegen des A 7-Ausbaus gegeben. Der Handlungsspielraum beim Thema Lärm sei aber gering, da beispielsweise nicht einfach Lärmschutzwände mitten im Ort errichtet werden könnten. Flüsterasphalt – wie auch aus Ellerhoop vorgeschlagen – wäre aus seiner Sicht ebenfalls eine Option, um die Emissionen zu reduzieren. Wann die B 4 in Bilsen aber das nächste Mal saniert werde, sei unklar.

In Barmstedt ist die Pinneberger Landstraße aufgrund der Fahrzeuganzahl in der Karte enthalten. 2012 waren zusätzlich auch Mühlenweg, Spitzerfurth, Hamburger Straße und Heeder Damm (alle L75) aufgeführt. Diese fehlen in der Kartierung für 2017. Möglicher Grund dafür: Große Teile der L75 und L110 wurden in den vergangenen Jahren saniert. Die Bauarbeiten haben dabei Einfluss auf die Verkehrszahlen.

Laut LLUR ist es nun Aufgabe der Kommunen, auf Grundlage der neuen Lärmkarten die Lärmsituation erneut zu bewerten und schädliche Auswirkungen und Belästigungen zu verhindern, ihnen vorzubeugen oder sie zu mindern. „Dazu sind die Lärmaktionspläne von den Gemeinden bis zum 18. Juli zu überprüfen und soweit erforderlich zu überarbeiten“, so Pressesprecher Schmidt.

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