Barmstedt : Steiniger Weg zur Barrierefreiheit

Zu den Bingo-Nachmittagen kommen viele Senioren ins Humburg-Haus – Besucher mit Rollator haben es allerdings schwer.
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Zu den Bingo-Nachmittagen kommen viele Senioren ins Humburg-Haus – Besucher mit Rollator haben es allerdings schwer.

Humburg-Haus soll einen behindertengerechten Zugang erhalten, doch die Interessen von Denkmal- und Brandschutz kollidieren

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24. Juni 2014, 11:00 Uhr

Als „Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn man in die Mühlen der Behörden gerät“ hat Barmstedts FWB-Fraktionschef Michael Schönfelder die Geschichte um den barrierefreien Zugang zum Humburg-Haus bezeichnet. Seit mehr als einem Jahr wartet vor allem der Seniorenbeirat darauf, dass die auf Rollator oder Rollstuhl angewiesenen Besucher problemlos in den Rotklinkerbau gelangen können. Doch was sich einfach anhört, erweist sich als kompliziert. Denn zum einen steht das 231 Jahre alte Haus unter Denkmalschutz – was bauliche Veränderungen erschwert. Sollten sie dennoch erlaubt werden, müssen sie zudem den Brandschutzauflagen genügen – was wiederum die Planung erschwerte.

Wie Verwaltungssprecher Wolfgang Heins auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, stuft der Brandschutz das Humburg-Haus als Sonderbau ein, in dem sich bis zu 140 Personen aufhalten können. Das bedeute, dass sich alle Türen nach außen öffnen lassen müssen, um in Notfällen ausreichend Fluchtmöglichkeiten zu bieten. Die Türen öffneten jedoch nach innen, so Heins. Jetzt müsse daher eine Lösung gefunden werden, die den Belangen beider Behörden Rechnung trage.

Die Idee, am vorderen Eingang eine mobile Rampe zu verwenden, sei vom Kuratorium des Humburg-Vereins als zu umständlich abgelehnt worden, so Heins. Daraufhin schaltete die Stadt einen Architekten ein – dessen Pläne aber am Brandschutz scheiterten. Der aktuelle Plan sieht jetzt vor, den Zugang zur Notfall-Tür an der Rückseite des Humburg-Hauses eben zu gestalten. „Da ist noch eine kleine Stufe“, sagte Seniorenbeiratschef Peter Servotka. Die Tür müsse zudem luftdicht abschließen, sagte Schönfelder, der auch Vorsitzender des Kuratoriums ist. „Sonst zieht es da wie Hechtsuppe.“

Der Seniorenbeirat wartet dringend auf die Barrierefreiheit. „Ein behindertengerechter Zugang ist aus unserer Sicht unbedingt erforderlich“, so Servotka. Es sei „schade, dass es aufgrund der Berücksichtigung des Denkmalschutzes so aufwändig sein muss“, sagte Servotka. „1000 Gutachten, und, und, und...“ Der Beirat hoffe, dass der barrierefreie Zugang schnellstens realisiert werde. „Vor allem die auf einen Rollstuhl angewiesenen Senioren warten dringend darauf.“

Die Verwaltung geht davon aus, dass die Arbeiten bis Ende der Sommerferien abgeschlossen sein werden. „In dieser Woche wird noch ein Gespräch zwischen Vertretern der Stadt, des Kuratoriums sowie der Brand- und der Denkmalschutzbehörde stattfinden“, so Heins. „Wir gehen davon aus, dass eine Lösung gefunden wird, die allen zu Belangen Rechnung tragen wird.“

Außer dem barrierefreien Zugang von außen soll auch der Zugang zu den Toiletten im Haus behindertengerecht gestaltet werden. Diese Arbeiten seien aber von den Denkmal- und Brandschutzaspekten nicht betroffen, so Heins.

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