Stadt montiert Militär-Schilder ab

Da standen sie noch – vor kurzem hat der Bauhof die gelben Schilder vor der Aubrücke abmontiert. Sie sollen einen Platz im Museum auf der Schlossinsel erhalten.
Da standen sie noch – vor kurzem hat der Bauhof die gelben Schilder vor der Aubrücke abmontiert. Sie sollen einen Platz im Museum auf der Schlossinsel erhalten.

Die gelben Symbole waren für Einsatzfahrzeuge des Militärs wichtig – jetzt werden sie nach und nach abgebaut

shz.de von
11. August 2018, 16:00 Uhr

Sie haben für fragende Gesichter gesorgt: die gelben Schilder mit Panzern, Lastwagen, Zahlen und Pfeilen, die bis vor wenigen Tagen vor der Krückaubrücke an der Austraße in Barmstedt standen. „Oma, guck mal. Da ist ein Panzer auf dem Schild“, rief etwa ein kleines Mädchen und deutete mit dem Finger auf das Schild. Ihre Großmutter ging daraufhin ein paar Schritte auf die Schilder zu und musterte sie eindringlich. „Muss was mit der Bundeswehr zu tun haben“, murmelte sie vor sich hin. Weitere Passanten mischten sich ein. „Die Zahlen auf den Schildern geben an, wie viele Tonnen ein Panzer wiegen darf, der über die Brücke fährt“, mutmaßte einer. Ein anderer: „Nee, das ist die Vorgabe, wie schnell sie fahren dürfen.“ Ein dritter meinte: „Sie zeigen an, wie viele Panzer pro Stunde über die Brücke fahren dürfen. Sonst beginnt sie zu schwingen.“

Was bedeuten nun die Zahlen und Pfeile auf den militärischen Verkehrszeichen – eines mit einem Panzer, das andere mit einem Lastkraftwagen – tatsächlich? Sie lassen sich nicht nur in der Region Barmstedt, sondern in ganz Deutschland an Brücken finden. An der Landesstraße 113 etwa hängen sie an der Brücke über die Offenau in Groß Offenseth-Aspern. „Die Schilder dienen der Einstufung der militärischen Lastenklasse, kurz MLC genannt“, erklärte Hauptmann Danny Blüggel von der Panzerlehrbrigade 9 in Munster auf Anfrage unserer Zeitung. Die Tragfähigkeit der Brücke gebe vor, wie hoch das Gewicht eines Fahrzeugs sein dürfe. Beispiel: Ein Kampfpanzer Leopard 2A7 hat ein Gefechtsgewicht von 63,9 Tonnen und damit eine Lastenklasse von 70. Es würden also die Zahl 70 und ein Pfeil nach oben in der rechten Hälfte des Schilds stehen. In der linken Hälfte mit den beiden entgegengesetzten Pfeilrichtungen stehe dann eine niedrigere Zahl, so Blüggel. Dabei werde zwischen Rad- und Kettenfahrzeugen unterschieden. Bei Gegenverkehr, das zeigten die entgegengesetzt gemalten Pfeile auf den Schildern, sinke das Gewicht des Fahrzeugs für eine gefahrlose Überfahrt.

Die MLC-Einstufung ist laut Blüggel eine Nato-Vorgabe. Aufgebaut wurden die Schilder während des Kalten Krieges. Sie stehen an den Straßenbrücken, die bundeswehrbedingt bei Übungen und Schwerlasttransporten benutzt werden. Dazu zählten auch normale bundeswehrbedingte Verkehrsbewegungen, etwa bei Führerscheinprüfungen für Bundeswehrfahrzeuge. Autobahnbrücken benötigten übrigens keine derartigen Schilder, weil ihre Tragfähigkeit auf den Schwerlastverkehr ausgerichtet sei, so Blüggel.

Die Tage der gelben Schilder sind aber gezählt. Sie werden nicht mehr benötigt, weil die Bundeswehr ihre Fahrten mittlerweile über spezielle Karten plane, wie Blüggel erklärte. Die militärischen Verkehrszeichen werden daher gemäß einer Anordnung des Verteidigungsministeriums entfernt. In Barmstedt wurden die Schilder jüngst vom Bauhof abmontiert. Sie sollen im Museum einen neuen Platz finden.

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