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Barmstedter Zeitung

13. Dezember 2017 | 07:09 Uhr

Barmstedt : Sportvereine fördern Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Asylbewerber spielen in Barmstedt gemeinsam Fußball und lernen schwimmen. Doch die Vereine benötigen noch weitere Sportbekleidung für die Flüchtlinge.

Ungewohntes Bild in der Sporthalle des Barmstedter Gymnasiums: Die jungen Männer, die hinter dem Ball herlaufen, antäuschen und dann kraftvoll auf das Tor zielen, sind keine Schüler aus der Gegend. Sie stammen aus Afghanistan, Irak, Albanien, Eritrea und Syrien. Juan Bilah (20) angelt sich den Ball und schmettert ihn durch die Halle. Tor! Trainer Günter Thiel pfeift ab und zu und verteilt Lob. Der SSV Rantzau hat den Flüchtlingen aus Barmstedt Fußballspielen angeboten, und 15 Männer haben sich angemeldet.

„Einige haben manchmal Verwaltungstermine, aber so zehn bis zwölf sind immer da“, sagt Thiel, der stolz darauf hinweist, dass die Afghanen Ali Kahimi (20) und Quodrat Tullah (19) in der 2.    Herren trainieren. Mohammad Jaber (28) und Hussein Musa (20) aus Eritrea, die in Horst untergekommen sind, radeln zum Training nach Barmstedt. „Wir spielen auch Fußball in Itzehoe“, erzählen die beiden.

„Mir bringt das Training besonderen Spaß“, so Thiel. „Bei diesen Männern steht noch die Freude am Ballspiel im Vordergrund.“ Beim Fußball sei außerdem nicht viel zu erklären, die Regeln seien international. Ab kommender Woche findet das Training bei gutem Wetter draußen statt. „Denkt an richtiges Schuhwerk“, gibt Thiel den Spielern mit auf den Weg. Und da hapert es noch. Thiel hatte im Verein zu Sachspenden aufgerufen. „Die Resonanz war super, es haben sogar ehemalige Fußballer angerufen und Schuhe geschickt“, so Thiel. Trotzdem werden noch weitere Schuhe sowie kurze Sporthosen und Trainingsanzüge benötigt, sagt Ingrid Welsch von der Hilfsgruppe.

Einige der Fußballer gehen auch in den Schwimmkurs des BMTV. Auch dieser Verein hat ein Konzept mit Integrationsangeboten entwickelt. „Die Hilfsgruppe hat bei uns angeklopft, und wir haben reagiert“, so Vorstandsmitglied Joachim Baasch. Einige Flüchtlinge seien in der Schachsparte aktiv, und es würden weitere Angebote aufgebaut. Eines läuft bereits hervorragend: „Wir bieten eine Schwimmausbildung für Erwachsene an“, so Baasch. Das Hallenbad stellen die Stadtwerke zur Verfügung, ebenso Badetücher. Eine Hürde war die Badebekleidung. „Die Männer hatten keine Badehosen, und es war nicht einfach, in dieser Jahreszeit welche zu kriegen“, so Welsch. Fündig wurde man im Kaufhaus Glismann – zu einem Rabatt von 50 Prozent. Die Rechnung übernahmen die Stadtwerke.

So treffen sich seit kurzem etwa 17 Flüchtlinge an jedem Mittwoch um 10 Uhr in der Schwimmhalle. Betreuerin Elke Kunde muss von vorn beginnen. „Die meisten können nicht schwimmen. Aber sie lernen schnell, werden die Freischwimmerprüfung ablegen und einen Schwimmpass erhalten“, so Kunde, der der Unterricht Spaß bringt. Einige ihrer „Jungs“ wollten gleich mit den Schwimmmatten spielen. „Nix da“, ermahnte Kunde. „Erst wird gearbeitet, dann rumgetollt.“ Die Antwort aus dem Becken kam prompt: „Jawoll, Chef.“ „Sie begrüßen mich mit Handschlag, sagen ‚Moin, moin Elke‘ und verabschieden sich mit ‚Tschüß, Elke, bis nächste Woche‘“, erzählt Kunde, die ihre Schwimmeleven alle sehr nett, aufmerksam und hilfsbereit findet. Die Verständigung ist manchmal nicht so einfach. Aber alle besuchen den Deutschkurs der ehrenamtlichen Barmstedter Hilfsgruppe.

Der Bau einer neuen Unterkunft für Asylbewerber an der Feldstraße rückt näher: Der Bauausschuss hat während seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, den Bauantrag beim Kreis einzureichen. Sofern die Stadtvertreter zustimmen, kann das neue, 850 Quadratmeter große, eingeschossige Haus mit sechs Wohneinheiten gebaut werden. Jede wird zwei Zimmer, eine Kochnische und ein Bad erhalten. Außerdem sind ein Gruppen-, ein Wäscheraum und eine Garage vorgesehen. „Eine Nachnutzung wäre ohne allzu großen Aufwand möglich“, sagte Ingenieur Jan-Peter Witte vom Büro Plandreieck.  Die Kosten – voraussichtlich knapp 500000 Euro – übernehmen Land und Bund.
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