Barmstedt : Sport kann Brücken bauen

Das „Team International“ beim SSV Rantzau mischt bei vielen Turnieren mit. Es findet naturgemäß viel Beachtung.
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Das „Team International“ beim SSV Rantzau mischt bei vielen Turnieren mit. Es findet naturgemäß viel Beachtung.

Die hiesigen Vereine leisten eine große Integrationsarbeit.

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04. Januar 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt | Sportvereine besitzen eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie bieten ein facettenreiches Sport- und Bewegungsangebot, fördern den Leistungsgedanken und vermitteln gleichzeitig ein faires Miteinander. Außerdem helfen sie der Integration verschiedener Gruppen in der Gesellschaft auf. Welchen Beitrag die Barmstedter Sportvereine zur Integration von Geflüchteten leisten, fragte diese Zeitung Vertreter des SSV Rantzau und des BMTV. Günter Thiel, 2. Stellvertretender Vorsitzender des SSV Rantzau, wies im Gespräch darauf hin, dass „sein“ Verein bereits seit drei Jahren mit dem „Team International“ eine Mannschaft besitzt, die sich aus Geflüchteten rekrutiert. „Wir haben dafür auch zwei hochkarätige Preise erhalten“, stellt er fest.

Insgesamt werden im Verein 20 bis 30 Geflüchtete betreut. Die Kinder und Jugendlichen spielen gleich in den „richtigen“ Mannschaften, bei den Älteren schaut man, wie sie dabei sind. Wer im „Team International“ gute Leistungen erbringt, kann in andere Mannschaften wechseln.

Die Erfahrungen, die der SSV Rantzau mit den Geflüchteten gemacht hat, sind durchweg positiv. „Sie sind alle mit Spaß dabei, hochgradig motiviert und genauso verlässlich wie deutsche Jugendliche“, befindet Thiel und fügt hinzu: „Einige, die noch nie einem Team angehörten, entwickeln sich wirklich erstaunlich.“ Beratung und Unterstützung erhalten die Geflüchteten auch bei gesundheitlichen Problemen, der Vermittlung von Praktikantenplätzen und dergleichen mehr. Einen guten Draht hat der Verein zum Integrationszentrum „Leuchtturm“.

Für die jungen Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebieten nach Barmstedt gekommen sind, besitzen die wöchentlichen Treffs (Training) eine kaum zu unterschätzende Bedeutung. Viele von ihnen sind einsam und sehnen sich nach Kommunikation, Austausch und Nähe.

Der SSV Rantzau, so lässt sich feststellen, leistet hervorragende Integrationsarbeit. „Aber mehr geht nicht“, so Thiel. Auch Siegfried Seidler, SSV-Pressesprecher, betont, dass „sein“ Verein enorm viel für die Integration leistet. „Wir haben eine große Jugend- und Herrenabteilung, die sich auf der Erfolgsspur befindet“, erklärt er. „Unser Engagement für sie schließt auch das Engagement für geflüchtete junge Menschen ein, die sich integrieren möchten.“

Der BMTV ist Mitbegründer des Integrationszentrums „Leuchtturm“ und unterstützt ihn personell. „Wir sind bereits 2014 auf die Flüchtlingshilfe zugegangen und haben offeriert, unsere Sportangebote auch Geflüchteten zur Verfügung zu stellen. Diese Kooperation besteht noch“, erläutert Joachim Baasch vom BMTV. Die hohen Erwartungen bezüglich des Zulaufs seien allerdings nicht erfüllt worden. Das stehe im Zusammenhang mit dem kulturellen Hintergrund der Menschen, die traditionell eher dem Fußball verbunden seien. Trotzdem hätten einige Sparten Zulauf bekommen wie beispielsweise Volleyball und „Functional Fitness“. Durchaus eine Erfolgsgeschichte ist der Schwimmkursus, der 15 Monate für Männer angeboten wurde, dann für Frauen. „Bei einem Nordseeausflug hatten wir festgestellt, dass niemand ins Wasser wollte. Das hat uns auf die Idee gebracht.“

Natürlich ist der BMTV offen für Geflüchtete, die allerdings nicht in Gruppen zusammengefasst werden: Der große Sportverein verfolgt ein anderes Konzept, das die Geflüchteten gleich auf die Sparten oder Gruppen eingliedert, die ihren Interessen entsprechen. Beim FC Heede, ebenfalls ein Barmstedter Sportverein, spielen Geflüchtete bei den Freizeit-Kickern mit. „Sie kommen regelmäßig und sind mit großen Engagement dabei“, unterstrich der Vorsitzende Ernst Martin Albrecht. Auch in der Pilates- und Rhönrad-Gruppe mischen Menschen mit, die Krieg und Terror entkommen sind.

Festzustellen ist abschließend, dass sämtliche Barmstedter Sportvereine nachdrücklich bemüht sind, einen Beitrag zur gelingenden Integration von Geflüchteten zu leisten.

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