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Streit um Gruppengrösse : Sparrieshoop kündigt Kindergarten-Vertrag

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Kirche und Gemeinde streiten um die Gruppengröße. Jetzt setzen sich SPD und CDU durch. Doch beide Seiten wollen weiter verhandeln.

Sparrieshoop | Die Gemeinde Klein Offenseth-Sparrieshoop kündigt zum 1. August 2016 den Vertrag mit dem Träger des Sparrieshooper Kindergartens, der Kirchengemeinde Sparrieshoop. Das hat die Gemeindevertretung am Mittwoch-abend in ihrer Dringlichkeitssitzung mit den Stimmen der CDU- und der SPD-Fraktion beschlossen. Die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft sprach sich gegen eine Kündigung aus.

Einig sind sich alle Fraktionen, dass die Trägerschaftsvereinbarung zwischen Gemeinde und Kirchengemeinde neu verhandelt werden muss. Die Gemeinde möchte künftig ein weiter gehendes Mitspracherecht haben. Träger sollte wenn möglich die Kirchengemeinde bleiben.

Zum Hintergrund: In der Gemeinde Sparrieshoop können für das Kindergartenjahr 2014/2015 nicht alle Kinder im örtlichen Kindergarten betreut werden. Seit über einem Jahr wird über die Betreuungsmöglichkeiten beraten. Der Kreis Pinneberg sieht langfristig den Bedarf einer sechsten Elementargruppe nicht, damit scheidet diese Option aus. Wunsch der Gemeinde ist eine auf ein Jahr befristete Aufstockung der Elementargruppen auf 22 Kinder.

Im Kindergartenausschuss, der mit drei Vertretern des Gemeinderats, mit drei Vertretern des Kindergartenträgers sowie drei Elternvertretern besetzt ist, wurde die Vergrößerung der Kindergartengruppen mit fünf zu vier Stimmen abgelehnt. Sparrieshoops Bürgermeister Günter Korff (SPD) schilderte den Sitzungsverlauf dem Gemeinderat so: „Die Kindergartenleitung machte überdeutlich, dass das Arbeiten mit 21 oder 22 Kindern eine Qual und damit kaum zumutbar sei. Man arbeite quasi am Limit. Darüber hinaus stünden das Kindeswohl und das Wohl der Mitarbeiter auf dem Spiel.“ Korff berichtete, dass der Träger mit keinem Wort auf die Situation der Gemeinde eingegangen sei.

Der Finanzausschussvorsitzende Stephan Kamp (SPD) und Joachim Naumann (CDU) erläuterten die Gründe, die der Kündigung der Trägerschaft zu Grunde liegen. „Die Gemeindevertretung strebt für jedes Kind mit Wohnsitz in Sparrieshoop die Betreuung im örtlichen Kindergarten an. Ziel ist es, eine familienfreundliche Gemeinde zu sein und zu bleiben“, so Kamp. Die finanzielle Hauptlast für den Kindergarten trage die Gemeinde. „Der größte Zahler hat den geringsten Einfluss“, so der Finanzausschussvorsitzende. Die Kostenübernahmen für auswärtig untergebrachte Kinder gepaart mit den fehlenden Elternbeiträgen für die Gemeinde mache einen finanziellen Schaden von rund 115.000 Euro aus, sagte er. Naumann ergänzte, dass eine Gruppengröße von 22 Kindern in Kindergärten nicht ungewöhnlich und rechtlich zulässig sei.

Hans-Jürgen Haack von der Wählergemeinschaft schlug vor, zunächst mit dem Träger über zu verhandeln, um die Wünsche der Gemeinde umzusetzen. „Wird keine Einigung erzielt, sollte der Vertrag gekündigt werden“, sagte Haack. Letztendlich setzten sich CDU und SPD mit ihrem Beschlussvorschlag durch.

Für Sparrieshoops Pastor Tobias Jäger als Vertreter des Trägers stellt sich die Situation anders dar. „Für uns steht das Kindeswohl und auch die Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeitern im Mittelpunkt“, so Jäger. Er schildert, dass bereits während des Kindergartenjahres 2013/2014 in den Elementargruppen 21 statt 20 Kinder betreut wurden. Mehrbelastungen der Erzieherinnen und ein erhöhter Krankenstand seien die Folge gewesen. Integrationsarbeit sei ebenfalls nicht mehr machbar.

Obwohl die Kündigung beschlossen ist, soll weiter das Gespräch gesucht und eine neue Vereinbarung auf die Beine gestellt werden. Jäger: „Wir hatten in den letzten Wochen keinen Raum und keine Gesprächskultur. Uns fehlte die Zeit. Wir wünschen uns eine weitere Zusammenarbeit mit der Gemeinde“, so der Pastor.

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