Sparrieshoop : Sparkasse verärgert Dorfbewohner

Die Vorsitzende des Klein Offenseth-Sparrieshooper Seniorenbeirats Heike Martensen und ihr Vorstandskollege Dieter Wenskat sind entäuscht über das kompromisslose Verhalten der Sparkasse Südholstein in Sachen Filialschließung.
1 von 2
Die Vorsitzende des Klein Offenseth-Sparrieshooper Seniorenbeirats Heike Martensen und ihr Vorstandskollege Dieter Wenskat sind entäuscht über das kompromisslose Verhalten der Sparkasse Südholstein in Sachen Filialschließung.

Die geplanten Schließungen der Sparkasse Südholstein treffen auf kollektives Unverständnis und Empörung.

shz.de von
01. November 2013, 12:00 Uhr

Die geplanten Filialschließungen der Sparkasse Südholstein schlagen in den betroffenen Orten hohe Wellen. Nicht nur die Kommunalpolitiker sind enttäuscht von den Plänen der Sparkasse. In Sparrieshoop schlägt auch der Seniorenbeirat Alarm.

„Viele ältere Menschen in unserer Gemeinde sind nicht mehr mobil. Sie haben keinen Computer und wickeln ihre Bankgeschäfte nicht über das Internet ab. Wird die Sparkassenfiliale geschlossen, dann geht Klein Offenseth-Sparrieshoop ein Stück Lebensqualität verloren. Das gilt besonders für Senioren. Die nächsten Filialen der Sparkasse Südholstein sind zwischen acht und zehn Kilometer entfernt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht zu erreichen“, beschreibt die Vorsitzende des Klein Offenseth-Sparrieshooper Seniorenbeirats Heike Martensen die mögliche Situation für die Senioren. Ihr Vorstandskollege Dieter Wenskat ergänzt: „Ein Taxi zur Sparkasse können sich viele Senioren einfach nicht leisten. Die Filialschließung kann auch zu einer weiteren Vereinsamung der Senioren führen.“

Besonders ärgert Martensen und Wenskat, dass die Filialschließung offensichtlich ohne die Prüfung von Alternativen erfolgen soll. Die Seniorenbeiratsvorsitzende würde sich wenigstens einen Bankautomaten an einer geeigneten Stelle wünschen, so dass Bargeldabhebungen, Überweisungen und der Abruf der Kontoauszüge auch künftig in Sparrieshoop möglich sind. Wenskat wiederum fragt sich, ob in irgendeiner Form alternative Standorte in Sparrieshoop oder eine Mehrfachnutzung der heutigen Filiale geprüft worden sind. Der stellvertretende Seniorenbeiratsvorsitzende regt einen Blick auf die Filiale der Sparkasse Westholstein in Horst an. Hier nutzen neben der Sparkasse auch eine Versicherung, eine Bausparkasse und weitere Finanzdienstleister gemeinsam die Räume.

Dass die Sparrieshooper Filiale der Sparkasse Südholstein nicht ausreichend von Kunden frequentiert wird können die beiden Seniorenbeiratsmitglieder nicht nachvollziehen: „Wir stehen hier an einem Dienstagnachmittag und innerhalb von zehn Minuten haben neun Kunden die Sparkasse besucht.“ Noch etwas stößt bei Martensen und Wenskat sauer auf: Im neuen, gerade in Arbeit befindlichen Dorfentwicklungskonzept, ist die Sparkassenfiliale noch enthalten und ein wichtiger, positiver Punkt in der Infrastruktur der Gemeinde. Martensen weist darauf hin, dass eine Gemeinde mit fast 3000 Einwohnern eine ausreichende Größe für eine Apotheke und einen Arzt und eben auch für eine Sparkasse haben sollte.

Enttäuschung und Wut auch im Amtsbereich Hörnerkirchen. „Ich habe von der drohenden Schließung aus der Zeitung erfahren“, sagt Amtsvorsteher Bernd Reimers. „Angerufen hat mich von der Sparkasse niemand.“ Seines Wissens nach bleibe von der Filiale in Brande-Hörnerkirchen nicht einmal ein Geldautomat erhalten. Am heutigen Freitagnachmittag sei ein Gespräch mit Vertretern der Sparkasse im Haus von Hörnerkirchens Bürgermeister Siegfried Winter angesetzt. „Aber viel zu verhandeln wird es da wohl nicht mehr geben“, fürchtet Reimers.

Nicht zuletzt, „da die Kunden schon ein Schreiben von der Sparkasse bekommen haben, aus dem hervorgeht, dass die Filiale am 15. Januar schießt“. Sollte es so kommen, „trifft das unseren ganzen Amtsbereich hart“, betont Reimers. Die nächste Filiale der Sparkasse Südholstein befände sich in Barmstedt – und da fahre an öffentlichen Verkehrsmitteln regelmäßig nur der Schulbus hin. „In Hörnerkirchen bleibt uns dann nur noch die Volksbank“, so Reimers.

Nicht gut auf die Sparkasse zu sprechen ist auch Brande-Hörnerkirchens Bürgermeister Siegfried Winter. „Dass unser Standort dicht gemacht werden soll, ist eine Katastrophe“, findet er deutliche Worte. Die ländlichen Filialen seien „nicht Schuld an der Sparkassen-Misere“. Seit die Schließungspläne bekannt sind, hätten ihn unzählige aufgebrachte Bürger angerufen. „Die Empörung ist groß“, so Winter, der „gespannt ist, was das heutige Gespräch mit den Sparkassen-Vertretern bringen wird“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen