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Kreis Pinneberg : So wirkt sich das milde Wetter aus

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Winterdienst für Straßenmeistereien fällt derzeit aus. Keine Probleme gibt es für Landwirte. Aber die Natur gerät aus dem Gleichgewicht.

Barmstedt | Wer kurz vor Weihnachten Minusgrade in Europa erleben möchte, muss sehr weit fahren. Zum Beispiel nach Luleå in Nordschweden. Dort – etwas mehr als 100 Kilometer südlich des Polarkreises – betragen die Temperaturen derzeit -1 Grad. In Deutschland hingegen ist kein Winter in Sicht: Die Tageshöchstwerte sollen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) heute wieder bei sehr milden 12 Grad liegen. Während die Straßenmeistereien in der Region sich über das fehlende Winterwetter freuen, beobachtet der Nabu Barmstedt die Situation mit gemischten Gefühlen. Für die Landwirte hingegen ist das milde Klima derzeit mit keinen Problemen verbunden.

Glatte Straßen, rutschige Fahrbahnen und schwierige Arbeitsbedingungen durch die Kälte – diese Probleme fallen für den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Itzehoe derzeit weg. „Wir sind darüber sehr froh“, sagt Leiter Kai-Uwe Schacht. In der Region Barmstedt kümmern sich die Autobahn- und Straßenmeisterei Elmshorn sowie die Straßenmeisterei Quickborn unter anderem um Autobahnen, Bundesstraßen und Landesstraßen. „Winterdienst gibt es so gut wie gar nicht“, so Schacht. Stattdessen könne man an Bauprojekten wie dem A  23-Lückenschluss bei Itzehoe, die sonst in eine Winterpause gegangen wären, weiter arbeiten.

Für die Landwirte habe das milde Wetter – wenn überhaupt – dann nur positive Auswirkungen, sagt Peter Mau-Hansen vom Kreisbauernverband Steinburg. „Wasserleitungen und Tränken frieren sonst ein. Das bleibt den Landwirten derzeit erspart“, sagt er. Auch auf den Feldern sehe er noch kein Risiko, so Mau-Hansen weiter. Probleme gebe es aber dann, wenn das milde Wetter bis Ende Februar anhalte und im März ein starker Temperatureinbruch mit Frost erfolge. „Dann könnte es problematisch werden, wenn die Kulturen einen Schock bekommen“, sagt er.

Das Szenario eines Kälteeinbruchs nach vielen milden Wochen fürchtet auch der Nabu Barmstedt. „Wir beobachten die Situation mit Argwohn“, sagt Pressesprecherin Monika Lohmann. „Alles was anfängt zu blühen, wird bei Frost kaputtgehen“, sagt sie. „Die Natur ist ein bisschen aus dem Gleichgewicht gekommen“, sagt sie angesichts von Bildern von Knospenaustrieben von Bäumen, die für gewöhnlich den Frühling ankündigen.

Die Probleme für die Pflanzenwelt ließen sich auch auf die Tierwelt übertragen, so der Nabu. „Zugvögel, die nur teilziehen und in der Region überwintern, haben wir noch nicht beobachtet“, so Lohmann weiter. Rotkehlchen, Amseln und Ringeltauben seien aber schon bei der Balz beobachtet worden. „Das heißt, dass einige Vögel unter Umständen zu früh mit der Brut beginnen. Und wenn dann ein Kälteeinbruch kommt, gibt es keine Insekten mehr.“

Ein weiteres Beispiel: Einige Raupen sollten derzeit ihre Winterruhe halten, so Lohmann – idealerweise unter einer Schneedecke. „Sie werden nun von Parasiten befallen, die normalerweise tot wären.“ Gehen die Raupen kaputt, würde sich das wiederum auf die angesprochene Vogelwelt auswirken. „Die Vögel haben dann nichts zu fressen“, erläutert Lohmann.

Auch auf die Wildtierstation in Sparrieshoop hat das milde Klima Auswirkungen. In kalten Wintern habe man sich häufig um unterernährte Greifvögel, die unter der dicken Schneedecke keine Mäuse mehr finden konnten, und verhungernde Schwäne gekümmert, berichtet Leiter Christian Erdmann. „Jetzt nicht mehr.“ Auch Igel würden aus dem Winterschlaf erwachen. Die Igel in der Wildtierstation würden allerdings noch schlafen können. Weitere Auswirkungen: „Wir müssen Igel nicht lange bei uns in der Station behalten.“ Sie könnten rasch wieder in der Natur ausgesetzt werden.

Die langfristige Entwicklung sei komisch, so Erdmann: Parasiten wie Zecken würden nicht mehr erfrieren. „Wir haben eine Blaumeise, die fängt an, ein Nest zu bauen.“ Auch Wespen und Mücken habe er in diesen Tagen schon gesehen. Der Winter sei in der Regel eine natürliche Auslese für schwache und kranke Tiere. „Das fällt weg. Sie überleben. Wir schauen, wie sich das entwickelt.“ Sorgen machen müsse man sich um die Tierwelt aber nicht: „Die Tiere stellen sich darauf ein“, sagt Erdmann. „Die Natur bekommt das hin und passt sich an.“ Auch einem plötzlichen Kälteeinbruch nach vielen milden Tagen sieht Erdmann gelassen entgegen: „Die Natur steckt das weg“, sagt er. Zugvögel könnten beispielsweise kurzfristig reagieren.

Und wie geht es in den nächsten Tagen mit dem Wetter weiter? Teils windig und weiterhin deutlich zu warm – so soll es laut DWD werden. An Heiligabend werde es zunächst trocken bleiben, örtlich wird etwas Sonnenschein erwartet. Von Westen her verdichten sich die Wolken laut DWD später. In der Nacht zu Freitag muss mit Regen gerechnet werden.

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erstellt am 23.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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