Sommerserie: rechts und links vom Krückauwanderweg : So wird der Rantzauer Forst gepflegt

Mika Renqvist und sein Harvester bei der Arbeit: Die Maschine ist acht Meter lang, vorn am Ausleger hängt das sogenannte Aggregat, mit dem die Bäume gefällt werden. Renqvist kann damit Stämme greifen, die bis zu zehn Meter entfernt sind.  Fotos: Christian Uthoff
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Mika Renqvist und sein Harvester bei der Arbeit: Die Maschine ist acht Meter lang, vorn am Ausleger hängt das sogenannte Aggregat, mit dem die Bäume gefällt werden. Renqvist kann damit Stämme greifen, die bis zu zehn Meter entfernt sind.

Zwischen Barmstedt und Vossloch verläuft der Krückauwanderweg durch ein großes Waldgebiet, das die Landesforsten unterhalten.

shz.de von
16. August 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt/Bokholt-Hanredder | Von Langeln per pedes oder Rad über Barmstedt nach Elmshorn, ohne eine Hauptstraße zu nutzen – das ist ab sofort möglich. Vor wenigen Tagen wurde in Heede ein neuer Fuß- und Radweg fertiggestellt, der Teil des Krückauwanderwegs werden soll. Bislang führte die Strecke von Elmshorn nach Barmstedt, nun soll der Wanderweg bis zum Ochsenweg in Langeln verlängert werden. Unsere Zeitung hat das Projekt zum Anlass genommen, sich entlang des Weges umzuschauen. Unsere Geschichten „rechts und links vom Krückauwanderweg“ haben wir in einer Serie zusammengefasst, die bis einschließlich Montag, 20. August, laufen wird. Heute geht es um den Rantzauer Forst zwischen Barmstedt, Bullenkuhlen und Bokholt-Hanredder, den die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten pflegen.

Es geht alles rasend schnell: Mit dem Greifarm seines Harvesters packt Mika Renqvist den nächsten markierten Baum. Eine Kettensäge heult auf, Späne fliegt durch die Luft, dann ist der Baum gefällt. Anschließend wird der Stamm durch den Entaster gezogen und in etwa gleich lange Stücke zersägt. Das ganze dauert nur wenige Sekunden. Zwischen 15 und 150 Bäume kann Renqvist mit seiner acht Meter langen und 20 Tonnen schweren Maschine pro Stunde fällen. „Das ist unterschiedlich und hängt davon ab, um was für Bäume es sich handelt.“ Laubbäume seien wesentlich dicker, hätten mehr Äste und seien damit langsamer zu fällen als Nadelbäume.

Der Rantzauer Forst zwischen Barmstedt, Bullenkuhlen und Bokholt-Hanredder ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Zahlreiche Wege schlängeln sich durch die Baumreihen, darunter auch das Teilstück des Krückauwanderwegs von Barmstedt nach Elmshorn. Gegen Ende Juli konnten die zahlreichen Wege aber vorübergehend nicht genutzt werden: Die Landesforsten, die für den Landeswald verantwortlich sind und knapp ein Drittel der Waldfläche in Schleswig-Holstein betreuen, ließen ausgewählte Bäume entnehmen. So soll die Entwicklung eines stabilen Waldes gefördert werden, wie Ditmar Langer, Revierleiter der für das Gebiet zuständigen Försterei Kummerfeld, berichtete. Einzelne Bäume würden gefällt, damit die anderen mehr Platz im Kronen- und Wurzelbereich erhalten und so stabiler werden.

Auffälligstes Fahrzeug im Forst: der Harvester mit Mika Renqvist am Steuer. Die schwere Maschine kommt – anders als ein Fußgänger – problemlos durch Senken und das dichte Unterholz. Einfach quer durch den Wald zu fahren, ist trotzdem unmöglich. „Die Maschine darf nur die markierten Fahrgassen befahren“, erläutert Langer. Dazwischen lägen Abstände von 40 Metern, die für den Harvester tabu sind. Mit seinem mehrere Meter langen Ausleger greift die Maschine die Bäume, die Reichweite beträgt laut Langer zehn Meter. „Da bleibt natürlich ein Mittelstreifen frei. Diese Bäume müssen von Hand mit der Säge gefällt werden.“ Und um vorgefällte Bäume, die nicht fallen, kümmere man sich mittels Seilschlepper. Diese zöge man vor, „damit der Harvester dran kommt“.

Das Holz wird verkauft

Vorn am Ausleger hängt laut Langer und Renqvist das sogenannte Aggregat mit Walzen und Kettensäge, mit dem die Bäume gefällt werden. „Das ist wie eine große Hand“, sagt Renqvist. Ein Sensor ermittelt Durchmesser und Länge des Stammes, anschließend wird der Baum in vorher festgelegte Stücke geschnitten – in seinem Beispiel sind es drei Meter. Das Holz werde alles verkauft, berichtet Langer. „Der Verkauf ist die Haupteinnahmequelle der Landesforsten. Wir müssen uns selbst finanzieren und der Verkauf ist das wichtigste überhaupt.“ Mit dem Geld werde die Verwaltung, aber auch zum Beispiel der Wegebau im Forst finanziert. Die Strecken können dann wiederum auch von Wanderern genutzt werden.

 

Ortswechsel vom Barmstedter Stadtrand an die Grenze zu Bokholt-Hanredder: Nahe des Krückauwanderwegs arbeitet Karsten Henning mit seinem Forwarder, der auch Tragrückeschlepper genannt wird. Mit seiner etwa 15 Tonnen schweren Maschine rückt er das Holz aus dem Bestand, lädt es per Kran auf und transportiert es ab. Dafür nutze man die sogenannten Rückewege, so Langer. Diese Wege benötige man, um die Stämme zu einem für Lkw befahrbaren Waldweg zu schleppen. Verkauft werde das Holz zu 95 Prozent ab Wald, so der Revierförster. Langer schätzt, dass bei den Arbeiten zwischen 750 und 1000 Raummeter Holz geerntet wurden.

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