300. Geburtstag der Heilig-Geist-Kirche : So hat Barmstedt das Pfingstwochenende gefeiert

Zum Mühlentag an der Wassermühle am Rantzauer See kamen gestern Tausende von Besuchern.

Zum Mühlentag an der Wassermühle am Rantzauer See kamen gestern Tausende von Besuchern. 

Tausende Besucher waren beim Deutschen Mühlentag und dem Skulpturenpark auf der Schlossinsel.

shz.de von
22. Mai 2018, 12:00 Uhr

Barmstedt | Es war das Wochenende der Feste in Barmstedt: Während auf der Schlossinsel der Skulpturenpark seine Pforten öffnete, wurde an der Mühle gestern der Deutsche Mühlentag gefeiert. Und in der Innenstadt standen Sonntag und Montag die ersten Veranstaltungen zum 300. Geburtstag der Heiligen-Geist-Kirche auf dem Programm. Ein Festgottesdienst am Pfingstsonntag war der Auftakt der Jubiläumsfeiern der Kirchengemeinde Barmstedt. Empfangen wurden die Besucher und Gäste durch die Turmbläser Matthias Fischer und seine Söhne Jonas und Yannic, die mit ihren Chorälen in der halben Stadt zu hören waren. Der anschließende Gottesdienst wurde vom Kirchenchor, dem Posaunenchor der Gemeinschaft und allen örtlichen Pastoren gestaltet.

Predigt zum Jubiläum von Bischof Gothard Magaard

In seiner Predigt betonte Bischof Gothard Magaard, dass die Pfingstgeschichte heute immer noch aktuell für die Menschen  ist. „Die Barmstedter Kirche ist ein Ort für menschliche Begegnungen und viele Lebenserfahrungen mit Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beisetzungen. Der Geist Gottes verbindet uns. Lasst uns eins sein in diesem Geist des Friedens und der Liebe“, so Magaard. Nach dem Gottesdienst und einer kleinen Pause übernahm Hans-Joachim Prange vom Vorbereitungsteam die Moderation. Grußworte kamen auch von Probst Thomas Bergemann und dem Architekten Jan Peter Witte, der die Modernisierungsmaßnahmen begleitet hatte. Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) schilderte die Historie der Entstehung des Gebäudes und überreichte im Namen der Stadt und des Amts Rantzau ein Foto von dem ursprüngliche Altarbehang. Das Original wird demnächst im Museum zu sehen sein. Zudem gab es eine Spende für die Reinigung der Orgel.

Die Barmstedter Heiligen-Geist-Kirche war 1717 und 1718  errichtet worden. Zu Pfingsten 1718 wurde sie eingeweiht, am vergangenem Wochenende feierte das Gotteshaus seinen 300. Geburtstag.
Christian Uthoff

Die Barmstedter Heiligen-Geist-Kirche war 1717 und 1718  errichtet worden. Zu Pfingsten 1718 wurde sie eingeweiht, am vergangenem Wochenende feierte das Gotteshaus seinen 300. Geburtstag.

 

Der musikalische Teil wurde von Yasmin Reese übernommen. Sie kommt aus Hamburg, ist geboren in Itzehoe und hat indische Wurzeln. „Vor 16 Jahren habe ich in dieser Kirche ein Konzert anlässlich eines Stadtfestes gegeben. Das  hat so viel Spaß gemacht, dass ich gern wiedergekommen bin“, so Reese. Zwei, die als ihren Arbeitsplatz die Heiligen-Geist-Kirche nennen, sind der Kirchenmusiker Reinhard Deseniß und Küster Michael Gallas. „Das ist schon etwas Besonderes, in diesem Gebäude zu arbeiten. Aber am wichtigsten sind die Menschen, mit denen ich mit dieser guten Akustik hier Musik mache“, so Deseniß.  „Ich hab immer Dienst, wenn andere frei haben“ berichtete Küster Michael Gallas. „Dieser Beruf muss schon eine Berufung sein, sonst kann man ihn nicht ausüben“,  sagte er. Schon seit 20 Jahren ist er dort tätig ist.

160.000 Euro an Spenden für die Sanierung

In kleinen Pausen gab es kleine Schokostücke mit dem Logo der Kirche, hergestellt und gespendet von einem örtlichen Schokoladengeschäft.  Pastor Piepenburg dankte allen Beteiligten, die das Fest möglich gemacht hatten. Er wies besonders auf die Spenden hin, die bis heute eine Höhe von  160000 Euro erreicht haben. In einem Stand vor der Kirche verkaufte die Deutsche Post Postkarten und Briefmarken mit dem Abbild der Kirche. Beides konnte sofort mit einem Sonderstempel versehen werden. Die einzigartigen Briefmarken sind ab sofort nur im Kirchenbüro erhältlich. Einen plattdeutschen Festgottesdienst gab es am Pfingstmontag mit Pastor Steenbuck senior und einem anschließenden Jazz-Frühschoppen mit den „King Street Jazzmen“.

Zahlreiche Besucher nutzten das gute Wetter am verlängerten Wochenende, um über die Schlossinsel zu flanieren.
Helga Pergande

Zahlreiche Besucher nutzten das gute Wetter am verlängerten Wochenende, um über die Schlossinsel zu flanieren.

 

Bei Sonnenschein war bereits am Samstag der zwölfte Skulpturenpark eröffnet worden. Bürgermeisterin Heike Döpke begrüßte die Besucher. „Diese Freilichtausstellung hat sich in den zwölf Jahren zu einem hochwertig künstlerischen Ereignis entwickelt und ist als Highlight nicht mehr wegzudenken“, sagte sie und weiter: „Hier herrscht bei dem Ambiente auf der Schlossinsel eine einzigartige Atmosphäre.“ Sie lobte das Engagement der Künstlerin und Galeristin Karin Weißenbacher, die den Skulpturenpark mit großem Einsatz und künstlerischem Gespür organisiere und etabliert habe – und wies auf die Jubiläumsbroschüre „Zwölf Jahre Skulpturenpark“ hin, die ebenfalls Weißenbacher gestaltet hatte.

Urkunde für hervorragende Leistungen

Kreispräsident Burkhard Tiemann betonte, dass er sich freue, fast von Anfang an dabei gewesen zu sein. Er bezeichnete die Besichtigung der Exponate als einen unbekümmerten und schönen Sommerspaziergang auf der Insel und überreichte Weißenbacher  eine Urkunde als Anerkennung für hervorragende Leistungen. Weißenbacher stellte die anwesenden Künstler dem Publikum vor. „Petra & friends“ verbreiteten mit Latin, Swing und Pop gute Laune aus dem nagelneuen überdachten Bühnenzelt. Am Sonntag spielte Jochen Nickel mit dem Saxophon auf. Die Besucher  suchten Gespräche mit den Künstlern. Ingrid Vollert bewunderte die „Feine Dame“ aus Materialresten von Jörgen Habedank. „Tolle Idee“, sagte Vollert. Helene Thulesius-Kittlaus und Ulrich Kittlaus waren eigens aus Bremen angereist, um die kleinen Bronzefiguren  von Bettina Steinborn zu bewundern. „Wir haben bereits eine Figur von ihr, sie sind in der Haltung und Mimik einfach hinreißend“, sagte die Bremerin. Anna Heuser  schwärmte von den Holzskulpturen des Künstlers Ronny Denner.

Galeristin Karin Weißenbacher (rechts)r eröffnete am vergangenen Sonnabend den Skulpturenpark  auf der Barmstedter Schlossinsel. Zu den Gästen zählte auch Bürgermeisterin Heike Döpke (sitzend, rechts).
Helga Pergande

Galeristin Karin Weißenbacher (rechts)r eröffnete am vergangenen Sonnabend den Skulpturenpark  auf der Barmstedter Schlossinsel. Zu den Gästen zählte auch Bürgermeisterin Heike Döpke (sitzend, rechts).

 

Am Pfingstmontag  besuchten Tausende Menschen den Mühlentag. Mühlenbesitzer Reimer Mohr hatte mit seiner Familie erneut dafür gesorgt, dass alte Techniken gezeigt wurden, die zum Thema Mühle passten. So drehte Jarno (5) mit seinem Vater Lars Roettger aus Westerhorn an einer kleinen Mühle, die aus Körnern Mehl machte. Lennard (9) und Leandro (11) aus Heede  quetschten Haferflocken. „Die esse ich so gerne“, sagte Lennard.  Marie (2) prägte eine Münze. Besucher Wilhelm Fürchtenicht aus Hasloh kam beim Anblick des Modells einer alten, mit Feuerholz betriebenen Gutsdreschmaschine ins Schwärmen. „So etwas habe ich als Kind noch miterlebt, wir Jungen haben begeistert mitgeholfen“, sagte er. Am Buschhacker standen ebenso Bewunderer wie an der Reeperbahn (Seilerstrecke) von Bernd Heitmann, dem Botschafter der Vergangenheit. Er hatte eine alte Stiften-Dreschmaschine und eine Staubmühle zum Trennen von Spreu und Weizen mitgebracht, zudem verschiedene Sorten Kornähren. „Die kennt doch heute kaum noch jemand“, sagte er.

Codier-Aktion während des Mühlentags

Auf der Wiese zwischen dem Bootssteg und der Schlossinsel standen die Polizisten Eckehardt Schuhmann und Ronald Brunke. Sie klärten interessierte Besucher über den Zweck einer Fahrradcodierung auf. Marc Heilmann übernahm mit seiner mobilen Fahrradcodierung  den praktischen Teil und codierte die Räder mit der Eigentümer-Identifikationsnummer, also der verschlüsselten Anschrift. Die Polizei kann dann im Bedarfsfall die Codierung entschlüsseln. Erika Ott aus Sparrieshoop ergriff wie etliche andere die Gelegenheit. „Raddiebstähle gibt es regelmäßig, und wir müssen uns professionell darauf einstellen“, sagte Brunke. Die Polizei biete die Aktion  bei verschiedenen Veranstaltungen an.  Peter Jaster und Helga Pergande

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