zur Navigation springen
Barmstedter Zeitung

21. August 2017 | 23:45 Uhr

Initiative : Sie sammeln Deckel gegen Polio

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Ellerhooper und Hörnerkirchener unterstützen gemeinsam mit Rotary Clubs die Hilfsaktion für Kinder.

Ellerhoop/Brande-Hörnerkirchen | Polio, auch Kinderlähmung genannt, ist eine gefürchtete Krankheit, die zu Lähmungen und schlimmstenfalls sogar zum Tod führen kann. Gegen die Infektionskrankheit kann man sich impfen lassen. Doch nicht jeder kann sich die Impfung leisten. Und so kam der Verein „Deckel drauf“, der von zahlreichen Rotary Clubs unterstützt wird, auf die Idee, mit Hilfe von gesammelten Plastikdeckeln Impfgelder einzuwerben. Unterstützung gibt es aus Brande-Hörnerkirchen und Ellerhoop.

Kontinuierlich gesammelt wird in der Kindertagespflege bei Britta und Tom Kortüm in Ellerhoop. Im großen Spielzimmer für die Kinder stapeln sich Behälter und Tüten mit Plastikdeckeln. „Wir sind zufällig auf diese Aktion gestoßen“, so Britta Kortüm. Sie zog den Schluss: „Man kann mit wenig Aufwand viel bewirken. Da machen wir mit.“ Denn: Plastikdeckel, die sich auf Getränkeflaschen, Milch- oder Saftkartons befinden, sind bares Geld wert. Gleiches gelte für ähnliche Abfälle wie die gelben Überraschungsei-Ummantelungen. Die Verschlüsse bestehen aus Polyethylen, einem hochwertigen Plastik, das gern von Recyclingunternehmen aufgekauft wird. 500 Deckel mit einem Gewicht von etwa einem Kilogramm entsprechen dem Wert einer Impfdosis gegen Polio.

Eine Tüte mit je 500 Verschlüssen

Die Kontakte durch die Kindertagespflege mit Eltern der Kinder, Großeltern und Freunden kamen den Plänen entgegen. „Es boomt“, sagt Tom Kortüm, der einen Kas-ten bastelte, in den die Tageskinder begeistert zuerst ihre mitgebrachten Deckel stecken und sich freuen, wenn es so schön klappert. Auch ehemalige Tageskinder sammeln in ihren Schulen die Plastikverschlüsse. Immer mehr Tüten mit je 500 Deckeln und große Behälter türmen sich regelmäßig an den Zimmerwänden. „Unser junger frecher Kater ist ebenso begeistert wie wir“, sagt Britta Kortüm lachend. Wenn sie nicht aufpasse, reiße er ein Loch in die Tüte, um mit den Deckeln zu spielen und sie im Zimmer zu verteilen.

Andrea Martin und ihr Mann René Müller-Martin sammeln Deckel gegen Polio in Hörnerkirchen.
Andrea Martin und ihr Mann René Müller-Martin sammeln Deckel gegen Polio in Hörnerkirchen. Foto: Helga Pergande

Arnd Schurig, Präsident des Rotary Clubs Elmshorn, war am Mittwoch vor Ort, um erneut eine Ladung Deckel abzuholen, um sie zur Sammelstelle der GAB zu bringen. „Rotary steht weltweit für Polio-Impfungen“, sagt er. Auch die Rotary Clubs Elmshorn und Pinneberg nehmen gemeinsam an der Aktion „Deckel gegen Polio“ teil.

Mehr als 2,5 Milliarden Kinder in 122 Ländern hätten bereits die lebensrettende Schluckimpfung erhalten, so Schurig. „Mit dieser Initiative gelang es, die Zahl von Polioinfektionen weltweit von mehr als 350.000 Fällen pro Jahr auf einige wenige zu reduzieren.“ Seit dem Start der Aktion im August 2014 hätten etwa 50 Millionen Deckel verwertet werden können. „Aus dem Erlös konnten mehr als 100  000 Schluck-impfungen finanziert wer-den“, rechnet Schurig vor. Es sei wieder ein Schritt nach vorn, um die Welt ein wenig zu verbessern. In Ellerhoop beteiligt sich auch die Jugendfeuerwehr an der Aktion.

Seit Dezember 2015 gibt es auch in Brande-Hörnerkirchen eine offizielle Sammelstelle für „Deckel gegen Polio“. Familie Müller-Martin hat seither bereits rund 120 Kilogramm an Plastikdeckeln gesammelt und zur Weiterverwertung zur GAB nach Kummerfeld gebracht. „Das bedeutet, dass allein durch unsere Sammelstelle 120 Polio-Impfungen bereitgestellt werden konnten“, freut sich René Müller-Martin. Unterstützt werde die Deckel-Kampagne durch den Rotary Club.

Im Wohnzimmer der Familie stapeln sich Kisten und kleine Tonnen, allesamt prall gefüllt mit Plastikdeckeln. „Die vielen Deckel konnten wir nur durch die Unterstützung der ortsansässigen Kindergärten, des Lindenhofs in Westerhorn sowie von vielen Freunden, Verwandten und Bekannten, Kollegen und Nachbarn sammeln“, sagte Renés Frau Andrea Martin.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 24.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen