Interaktive Karte : Seismiken bei Barmstedt: Bürgerinitiative will neue Schilderaktion starten

Die Bürgerinitiative „Frackingfreies Auenland“ will im Sommer neue Aktionen starten.
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Die Bürgerinitiative „Frackingfreies Auenland“ will im Sommer neue Aktionen starten.

Initiative will auf mögliche Untersuchungen des Untergrunds aufmerksam machen. Laut PRD gibt es bislang aber keine konkreten Pläne.

shz.de von
15. Juli 2015, 10:00 Uhr

Barmstedt | Mit einer neuen Aktion möchte die Bürgerinitiative (BI) „Frackingfreies Auenland“ in diesem Sommer auf möglicherweise künftige seismische Untersuchungen in der Region aufmerksam machen. Etwa 20 Schilder sollen dazu entlang einer sogenannten Seismiklinie, die von Bokel über Lutzhorn, Barmstedt und Heede bis nach Hemdingen verläuft, aufgestellt werden. Entlang dieser gedachten Linie könnten laut BI auf der Suche nach Erdöl Vibrationstrucks eingesetzt werden, „die in bestimmten Abständen auf den Boden eine Vibration ausüben, deren Echo von Geophonen aufgenommen wird“, wie es auf den Schildern heißt.

Laut BI-Sprecher Dirk Albrecht sollen die Schilder an markanten Punkten aufgestellt werden. Aufgrund des hohen Förderzinses für Erdöl und Erdgas sowie des niedrigen Erdölpreises auf dem Weltmarkt hat die Firma PRD Energy, die die Aufsuchungserlaubnis für das Feld Bramstedt besitzt, zwar derzeit ihre Aufsuchungs- und Gewinnungstätigkeiten in Schleswig-Holstein für ein Jahr unterbrochen. Doch mehr als die Hälfte der zwölf Monate sind schon vorbei. „Daher weisen wir darauf hin“, so Albrecht über die Seismiken. „Sinn und Zweck der Suche ist es ja, an Daten zu kommen.“ Die Untersuchung des Erlaubnisfelds laufe dabei in mehren Schritten ab. Unter anderem würden die Altdaten der Dea ausgewertet. Jetzt gehe es aber um neue Vorkommen.

Um mögliche Standorte für die Schilder zu finden, plant die BI für Dienstag, 21. Juli, eine Erkundungsfahrt mit dem Fahrrad entlang der Seismiklinie. Start und Treffpunkt für die Tour wird um 19 Uhr in Bokel in Höhe Vossbarg 1 sein. Nach 14 Kilometern soll die Tour an der Hellwieser Chaussee in Barmstedt enden. Um Anmeldung wird bis Montag, 20. Juli, – zum Beispiel unter der Mailadresse nofrac@freenet.de – gebeten.

Die Schilder sollen je nach Möglichkeit auf öffentlichen und privaten Grundstücken aufgestellt werden. „Wir fahren die Strecke ab, legen die Punkte fest und sprechen dann mit den jeweiligen Eigentümern und fragen nach Erlaubnis“, so Albrecht. Die Karte, die der Aktion zugrunde liegt, stammt laut BI aus dem verbindlichen Arbeitsprogramm der Erkundungslizenz Bramstedt, die auf Anforderung der Piraten-Fraktion im Landtag auszugsweise veröffentlicht wurde.

Auf Anfrage dieser Zeitung betont PRD Energy, bei den Karten handele es sich lediglich um Skizzen und keine konkreten Pläne für seismische Untersuchungen. „Im Erlaubnisfeld Bramstedt sind bisher keine Anstrengungen für die Durchführung einer Seismik unternommen worden“, so Geologe Christoph Krämer. „Demnach liegt auch keine endgültige Positionierung von Messlinien, so wie es das Kartenmaterial suggeriert, vor. Diese Karten entstammen zwar dem Antrag der PRD Energy GmbH zur Erteilung der Aufsuchungserlaubnis Bramstedt, sie sind aber allenfalls als Skizze zu bewerten, da zum damaligen Zeitpunkt weniger Informationen vorlagen.“ Sollte zukünftig eine Seismik geplant werden, dann würde die räumliche Festlegung des Messprogramms immer erst im Zuge von weiteren ökonomisch-geologischen Betrachtungen und unter Berücksichtigung aller naturschutzfachlicher und raumplanerischer Aspekte erfolgen, so der Geologe weiter. „Selbst wenn es sich nur um Skizzen handelt – ohne Grund sind sie nicht in der Erlaubnisakte“, gibt Albrecht zu bedenken.

Diese Karte stammt laut BI aus der Erlaubnisakte Bramstedt. Sie zeigt das Feld Bramstedt (rot) und angeblich geplante Seismiklinien. Die Linien s6 und s5 berühren Gemeinden der Ämter Rantzau und Hörnerkirchen. (Quelle: BZ)
Diese Karte stammt laut BI aus der Erlaubnisakte Bramstedt. Sie zeigt das Feld Bramstedt (rot) und angeblich geplante Seismiklinien. Die Linien s6 und s5 berühren Gemeinden der Ämter Rantzau und Hörnerkirchen. (Quelle: BZ)
 

Krämer weist ebenfalls darauf hin, dass das Unternehmen sämtliche Explorationstätigkeiten für 2015 in Schleswig-Holstein unterbrochen hat. „Sobald wir nach Klärung der Auswirkungen der Rahmenbedingungen in Schleswig-Holstein unsere Tätigkeiten wieder aufnehmen, werden wir auch bestrebt sein, unsere Arbeitsprogramme umzusetzen“, so der Geologe weiter. Das sei nach dem aktuellen Stand aber noch nicht absehbar.

Neben der Seismiklinie PRD-s6 berührt auch die Linie s5 Teile der Region. Sie führt von Hingstheide (Kreis Steinburg) über Mönkloh (Kreis Segeberg), Bokel, Lutzhorn und Barmstedt nach Langeln.

Am 31. Oktober vergangenen Jahres hatte das Amt Rantzau Widerspruch gegen  die Aufsuchungserlaubnis für das Feld Elmshorn eingelegt. Etwa acht Monate seien ohne Antwort vergangen, berichteten der Leitende Verwaltungsbeamte Heinz Brandt und Heedes Bürgermeister Reimer Offermann während der Sitzung des Amtsausschusses am Montagabend. Erst vor wenigen Tagen sei die Eingangsbestätigung seitens des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie gekommen – verbunden mit der Mitteilung, den Widerspruch bis zum 1. August zu begründen oder das Verfahren für ruhend zu erklären, um bereits laufende Klagen abzuwarten. Das Amt werde die Klagen nun abwarten, so Brandt.
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