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Barmstedt : „Seegarten“: Die FWB stellt Fragen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Es gibt weitere Kritik an der Unterbringung von Flüchtlingen am Rantzauer See. Die FWB hält die Standortwahl für übereilt. Das Restaurant soll wieder öffnen.

shz.de von
erstellt am 28.Jan.2016 | 16:00 Uhr

Barmstedt | Die von der Stadt geplante Unterbringung von mehr als 24 Flüchtlingen im Hotel „Seegarten“ am Rantzauer See sorgt weiter für Kritik. „Sie werden im Sommer vor erheblichen Problemen stehen“, prophezeite Anwohner Franz-Josef Sitta der Verwaltung. Er hatte sich während der Bürgerfragestunde im Hauptausschuss am Dienstagabend zu Wort gemeldet und unter anderem bezweifelt, „dass sich die Kommune bei der Auswahl der Flächen für Flüchtlinge Gedanken darüber gemacht hat, was für Barmstedt von touristischem Wert ist und nicht gefährdet werden sollte“. Wer den See kenne, „der weiß, was da jetzt schon im Sommer los ist. Und wenn die Flüchtlinge dort unterkommen, haben wir unser Renomée endgültig verspielt.“ Es werde ein Ghetto entstehen, warnte er.

Auch die FWB ist mit der Wahl des Standorts unzufrieden. „Wir fragen uns, ob die Anmietung der Zimmer im ,Seegarten’ zum jetzigen Zeitpunkt unbedingt erforderlich war und welche Auswirkungen sie auf das Zimmerangebot und die Naherholungsfunktion in Barmstedt hat“, so der Ortsvereinsvorsitzende Peter Gottschalk. Die FWB bezweifle, dass alle von der Stadt für Flüchtlinge angekauften Objekte belegt seien. „Wir sehen daher im Moment nicht, dass eine Unterbringung im ,Seegarten’ sein muss.“ Zwar sei eine „Bevorratung“ mit Unterkünften sinnvoll, aber „sie sollte mit Augenmaß geschehen. An diesem sensiblen Bereich finden wir das schwierig.“ Zwar sei der „Seegarten“ „besser, als wenn wir Container aufstellen oder Sporthallen umwidmen müssten“, sagte Gottschalk. „Wenn es im ,Seegarten’ sein muss, okay, aber trotzdem fragen wir uns, ob man nicht andere Lösungen hätte finden können – zumal das Angebot an Hotelzimmern in Barmstedt immer geringer wird.“ So habe im vergangenen Jahr etwa das „Hotel garni“ an der Waldstraße den Hotelbetrieb aufgegeben.

Um Aufklärung über die Entscheidung des Standorts zu erhalten, hat die FWB zahlreiche Fragen an die Verwaltung gerichtet (siehe Info-Kasten). „Wir hoffen, dass sie bis zum nächsten Hauptausschuss am 24. Februar beantwortet sind“, sagte Gottschalk. Einige der Fragen – die vertragliche Inhalte betreffen – würden allerdings nicht-öffentlich beantwortet.

Der Eigentümer des „Seegarten“ – der nicht namentlich genannt werden will – erklärte gestern auf Anfrage dieser Zeitung, der Hotelbetrieb habe sich nicht mehr getragen. „Zumindest hat es nicht ausgereicht, damit mein Pächter wirtschaftlich auskommen konnte.“ Ihm wäre es anders „auch lieber gewesen, aber die Flüchtlinge müssen irgendwo untergebracht werden“. Den Protest aus der Bevölkerung könne er nicht ganz nachvollziehen. „Einerseits wollen die Bürger den Flüchtlingen helfen, aber andererseits schreien sie, wenn sie sie als Nachbarn kriegen.“

Zurzeit wird der „Seegarten“ umgebaut. Laut dem Eigentümer sollen alle zwölf Einzel- und Doppelzimmer sowie die Nebenräume für die Unterbringung genutzt werden. „Wir tätigen dort kleinere Investitionen“, sagte Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos). So werde etwa eine Gemeinschaftsküche eingebaut, „aber mit einer ziemlich einfachen Ausstattung. 10  000 Euro wird die sicherlich nicht kosten“, wie Fachamtsleiter Uwe Dieckmann betonte. Nach dem Umbau werde auch das Restaurant wieder öffnen, kündigte der Eigentümer an. Wann genau das sein werde, wisse er noch nicht. „Auf jeden Fall zum Saisonstart im Frühjahr.“

Nach Informationen dieser Zeitung hat die Stadt die Hotelzimmer für fünf Jahre gemietet. Zurzeit betreut die Stadt 236 Flüchtlinge, von denen 103 in Barmstedt, 83 im Amtsgebiet Rantzau und 50 im Amtsgebiet Hörnerkirchen leben.

Döpke wies während der Einwohnerfragestunde auf Nachfrage eines Anwohners der Waldstraße erneut darauf hin, dass die Verwaltung die Öffentlichkeit grundsätzlich nicht im Vorfeld über die geplanten Unterkünfte informiere. Auch die Politik müsse dazu nicht gefragt werden. Betroffene Anwohner könnten sich mit ihren Fragen aber jederzeit an die Verwaltung wenden, betonte Döpke. „Wir werden sie gern beantworten.“

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