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Interaktive Grafik : Sechs Stolpersteine für Barmstedt

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Gedenken an die Opfer von Zwangsarbeit: AG Stolperstein verlegt im Dezember Steine an der Au- und Mühlenstraße.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2015 | 14:00 Uhr

Barmstedt | Sie lebten als Zwangsarbeiter in Barmstedt oder starben bereits als Kinder aufgrund von Kälte und mangelnder medizinischer Versorgung: Für sechs Opfer der NS-Zeit sollen im Dezember in Barmstedt Stolpersteine verlegt werden. Das haben Helmut Welk und Luzian Bucke von der AG Stolperstein mitgeteilt. Im April hatte die Gruppe bereits angekündigt, Stolpersteine für Iwan Dedoscha und seine Schwester Valentina vor dem Gebäude an der Austraße 10 zu verlegen. Ein weiterer Stolperstein soll zum Gedenken an Adam Plaszcyk vor dem Haus an der Mühlenstraße 39 platziert werden.

Hinzu kommen drei weitere Steine – zwei für Dunja und Peter Dedoscha an der Austraße und einer für Franziska Plaszcyk an der Mühlenstraße. „Wir haben die Eltern der Kinder mit hinzugenommen“, so Welk. „Sie mussten viele Jahre ihres Lebens opfern, und man weiß nicht, welche Folgen, die Arbeit hatte. Und sie haben ihre Kinder verloren. Daher bekommen auch sie einen Stein“, sagt Bucke.

Die Eltern von Iwan und Valentina haben als Zwangsarbeiter in den Schlickum-Werken gearbeitet und auch dort gewohnt, hat die AG herausgefunden. Das Unternehmen habe sie als Arbeitskräfte angefordert. „Die Eltern – beide Ukrainer – haben trotz der Tragik der Zwangsarbeit überlebt“, berichtet Welk. Die AG nimmt an, dass Dunja und Peter Dedoscha Ende 1941 oder Anfang 1942 nach Deutschland deportiert worden waren. Sie wurden schließlich befreit.

Ihre Kinder starben in Barmstedt. Valentina (geboren 1940) war am 20. Januar 1944 infolge von Verdauungsstörungen und Krämpfen gestorben. Iwan Dedoscha (geboren 1941) war zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Er starb am 19. Dezember 1943 an einer Lungenentzündung. „Ernährung, medizinische Versorgung und die Hygiene waren schlecht“, sagt Bucke. Man habe es damals aber auch nicht gewollt, die Krankheiten zu kurieren, so die beiden AG-Mitglieder weiter.

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Die beiden weiteren Stolpersteine werden in Gedenken an Franziska und Adam Plaszcyk verlegt. Die Frau stammte aus Polen und habe als Zwangsarbeiterin in einer Baumschule gearbeitet. „Ihr Alter wissen wir nicht“, so Bucke. Über Zwangsarbeiter in Baumschulen und Gärtnereien lägen keine Informationen vor. „Wir haben nur die Sterbeurkunde des Kindes.“ Franziska Plaszcyk wurde befreit, Adam Plaszcyk (geboren 1943) starb am 4. Februar 1945 infolge an Lungenentzündung und Herzschwäche. „Alle Kinder sind in den Wintermonaten gestorben“, berichtet Bucke.

Ihre Informationen bezieht die AG unter anderem über den International Tracing Service (ITS) – ein Zentrum für Dokumentation, Information und Forschung über die nationalsozialistische Verfolgung, Zwangsarbeit sowie den Holocaust. „Wir haben dort zu den Namen angefragt“, berichten die beiden. So seien die Daten und Geschichten belegbar. In Gedenken an Euthanasie-Opfer Rudolf Sass ist bereits im Juni 2013 ein Stolperstein in Barmstedt verlegt worden.

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