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Projekt am Gymnasium : Schüler in Barmstedt kochen mit Flüchtlingen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Asylbewerber und Zwölftklässler tauschen sich aus. Weitere gemeinsame Aktionen geplant.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2015 | 16:30 Uhr

Barmstedt | Die Mensaküche des Barmstedter Gymnasiums gleicht einem Ameisenhaufen: Mehr als 40 junge Frauen und Männer wirbeln durcheinander, schneiden Gemüse und rollen Fleischbällchen. Es sind Flüchtlinge und Schüler der Klasse 12c, die sich in der Mensa getroffen haben, um gemeinsam zu kochen. „Mit dieser Aktion will das Gymnasium einen Beitrag zum besseren Verständnis und Miteinander leisten“, so Lehrer Mario Bäumer. Ihr sei das eine „Herzensangelegenheit“, sagt seine Kollegin Milena Rüdy, die die Aktion organisiert hat – und mit 30 Teilnehmern gerechnet hatte.

Unter der Anleitung von Mensaleiterin Antje Vajen stehen unter anderem Kofta (Fleischbällchen), Auberginen-Dip und Taboolah, ein Salat nach syrischem Rezept, auf dem Speiseplan für das orientalische Buffet – und auch das Fladenbrot wird selbst gebacken. Im Mittelpunkt der Aktion habe aber nicht das Kochen, sondern der Austausch gestanden, so Bäumer. „Es treffen sich Menschen, die sich sonst wohl eher nicht getroffen hätten, und man hört Geschichten, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt“, stellte Anton Kalms aus der 12  c fest.

Imad aus Syrien, der in seiner Heimat als Zahnarzt in einem Krankenhaus gearbeitet hat, berichtete den Schülern von seiner lebensgefährlichen Flucht vor dem Krieg und dem Militärdienst. Über die Türkei sei er von Schleusern auf einem Boot über das Mittelmeer nach Italien gebracht worden. Nahrung oder Getränke habe es kaum gegeben, am Ende hätten sie vor Durst abgestandenes Wasser aus dem Bootsrumpf getrunken. Entkräftet sei er in Italien gelandet und von dort aus nach Deutschland gekommen. Jetzt lebt er in Bokholt-Hanredder und fühle sich dort sehr wohl. „Ich will einfach nur in Sicherheit leben“, sagt der 24-Jährige.

Verständigung auf Englisch

„Nur wenige der Flüchtlinge können so gut Deutsch sprechen wie Imad, aber die Verständigung klappt auch auf Englisch, und zur Not helfen sich die Flüchtlinge gegenseitig beim Übersetzen“, so Bäumer. Beim gemeinsamen Essen hätten sie Bilder von Freunden und Familien gezeigt, die in den Krisengebieten zurückbleiben mussten. Doch nicht jeder habe über seine Erlebnisse berichten können. „Einige sind schwer traumatisiert und haben Fürchterliches erlebt“, sagt Ingrid Welsch, die sich mit ihrem Mann ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmert und ebenfalls zum Essen gekommen war.

Trotz des ernsten Hintergrundes sei die Stimmung gut und Organisatorin Rüdy rundum zufrieden gewesen, so Bäumer – „auch wenn sie zwischenzeitlich Angst hatte, dass das Essen nicht reichen könnte“. Der Förderverein des Gymnasiums hatte die Aktion finanziell unterstützt.

Der Kontakt zu den Flüchtlingen war im Januar zustande gekommen, als ein Gruppe von ihnen das Gymnasium im Rahmen der Profilwoche besuchte hatte, um den Schülern von ihrer Flucht und ihrem Leben in Deutschland zu berichten. Durch das gemeinsame Kochen hätten die Schüler Gelegenheit, andere Lebensläufe, Menschen und kulturelle Vorstellungen kennenzulernen, so Rüdy. „Und den Flüchtlingen möchten wir zeigen, dass sie uns willkommen sind.“ Bei dem Kochprojekt soll es nicht bleiben: Die Schüler haben eine gemeinsame Fahrradtour geplant, und Rüdy überlegt, einen Deutschkursus anzubieten.

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