Ernst Otto Karl Grassmé : „Schrat“ lebt in Erinnerungen weiter

Jens und Elfriede Müller lasen einen Artikel über Grassmé in der BZ – und meldeten sich.
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Jens und Elfriede Müller lasen einen Artikel über Grassmé in der BZ – und meldeten sich.

Der Zeitungsbericht über den Einsiedler Ernst Otto Karl Grassmé hat viele Reaktionen hervorgerufen. Elfriede und Jens Müller kennen ihn von früher.

shz.de von
25. Juli 2015, 16:00 Uhr

23 Jahre ist er nun schon verstorben – und plötzlich buddelt Filmemacher Kai Ehlers seine Geschichte wieder aus. Es geht um Ernst Otto Karl Grassmé. Jahrzehnte lang lebte er als Einsiedler auf einem Grundstück im Bokelsesser Moor im Ortsteil Glindesmoor von Hohenfelde, das er von seinem Vater geerbt hatte. Dort sammelte er Gerümpel, brachte zum Beispiel den Motor eines Autowracks zum Laufen, um Strom zu bekommen. Ansonsten radelte er durchs Dorf, fotografierte die Leute, schnackte, oder half den Kindern bei den Hausaufgaben.

Der Bericht in dieser Zeitung über Grassmé rief viele Reaktionen hervor. Auch Elfriede (geb. Horns) und Jens Müller meldeten sich. Sie haben viele Erinnerungen an den Einsiedler. Sein Grundstück habe Grassmé „Margarete-Rose-Farm“ genannt, nach der Schwester von Elizabeth II.. „Er hat auch immer behauptet, er sei mit Margarete Rose verlobt“, erzählt Elfriede Müller. „Deswegen fanden wir es lustig, als Margarete später tatsächlich einen Fotografen geheiratet hat.“ Denn auch Grassmé war Fotograf. Elfriede hat noch alte Bilder aus den fünfziger Jahren bei sich liegen, die Grassmé von ihr gemacht hat. Auf der Rückseite ein Stempel: „Fotos Ernst Grassmé, Hamburg-Altona, Bürgerfeld 87“. In Hamburg-Altona, Bürgerfeld 87, hatte der Einsiedler einst von 1938 bis 1949 ein Baugeschäft. In Glindesmoor wusste davon allerdings niemand etwas. Grassmé hat sich viel ausgedacht. „Er hatte eine lebhafte Fantasie“, erinnert sich Elfriede Müller. „Für seine Fotoläden hatte er unterschiedliche Namen. Er konnte sich sehr gut artikulieren. Dumm war er bestimmt nicht, auf seine eigene Art sogar ganz findig.“

Jens Müller lernte Grassmé in der Gaststätte „Paradies“ kennen. Grassmé unterhielt alleine die ganze Gaststätte. „Mein erster Gedanke war: Was für ein komischer Vogel.“ Müller gab ihm ein Bier aus, daraufhin gab Grassmé ihm seine Adresse – mit einem Stempel. „Neubausiedlung über Glindesmoorsüd, Am Eichendamm 2, 2204 Süderhorn, 2204 Dauenhofsüd.“ Grassmé meinte damit zwar sein Grundstück, die Namen hatte er sich allerdings alle selbst ausgedacht. Offiziell existierten die Bezeichnungen nicht, und inoffiziell auch nur für Grassmé. „Wenn wir zu ihm hingegangen sind, hat er immer mit uns geschnackt.

Aber er hat uns nie auf sein Grundstück gelassen und schon gar nicht in seinen Verschlag“, erzählt Elfriede Müller. Seinen Verschlag hatte Grassmé sich aus Holz gebaut, das er manchmal auch bei der Zimmerei von Elfriede Müllers Vater abgeholt hatte. Grassmés Frau, erinnert sich Elfriede Müller, war nicht so freundlich. Sie habe alle immer gleich weggeschickt, wenn sie ihren Mann besuchten.

„Aber Ernst Otto war immer positiv, gut gelaunt und nicht aggressiv. Er war immer offen und man konnte mit ihm schnacken.“ Elfriede Müller selbst arbeitete früher als Sekretärin. „Manchmal kam er herein: „Hallo, wie geht's?“ und wollte wissen, ob wir auch alle arbeiten oder hat zusammenhanglose Sachen erzählt“, erinnert sie sich.

Ob er das alles ernst meinte, die Namen seiner Adressen, Fotoläden, seine Verlobung mit der Schwester der Queen? „Wahrscheinlich 50/50“, sagt Jens Müller. Früher haben sie ihn „Schrat“ genannt – ein „kleiner schräger Vogel, komisch auf seine Art“. Aber er war nett, „er tauchte auf, machte Palaver und war wieder weg“, sagen Jens und Elfriede Müller. Bei der Erinnerung an den Einsiedler Ernst Otto Karl Grassmé lachen sie viel.

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