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Grund: Besucherschwund : Schlussakkord für die Live-Musik

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Landgasthof Bokelseß stellt aufgrund mangelnden Interesses nach mehreren Jahren das Konzertprogramm ein.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2017 | 15:30 Uhr

Barmstedt | Für die Freunde handgemachter Live-Musik aus der Region ist dies keine gute Nachricht: Der Landgasthof Bokelseß, Bokelsesser Straße 14, in Brande-Hörnerkirchen, stellt nach mehrere Jahren sein Konzertprogramm endgültig ein. Somit ist nach dem Aus für den Westerhorner Veranstalter „Westerhorn-Events“, der noch vor wenigen Jahren mit diversen Rockkonzerten (unter anderem mit „Bon Scott“, den „Toten Ärzten“ und Ray Wilson) für manch eine stimmungsvolle Party im „Lindenhof“ sorgte, eine weitere Spielstätte für Live-Konzerte von der Landkarte verschwunden.

„Es ist zwar traurig, dass wir mit den Konzerten Schluss machen müssen, aber für uns ist es aus wirtschaftlichen und auch ideellen Gründen nicht mehr sinnvoll, weitere Veranstaltungen dieser Art anzubieten“, erklärt Björn Schulte, Wirt vom Landgasthof Bokelseß. Das Ende der Veranstaltungsreihe mit Live-Konzerten kommt aber nicht von ungefähr: Bereits seit einigen Jahren war ein deutlicher Rückgang bei den Besucherzahlen zu bemerken.

Das Dilemma der langfristigen Planung

„Vielfach hatten wir selbst bei namhaften Interpreten kaum noch Zulauf. Besonders schlimm war es mitunter, wenn irgendwo im Dorf parallel eine größere Feier stattfand – beispielsweise ein 50. Geburtstag oder ähnliches. Dann haben wir es schon bemerkt, dass spürbar weniger Leute kamen“, so Schulte, der auch sein Dilemma im Hinblick auf die Planung der Veranstaltungen unterstreicht. „Bei den Konzertbuchungen müssen wir meistens sehr langfristig im voraus die Termine festlegen, natürlich ohne zu wissen, was in unserer Nachbarschaft eventuell genau an dem einen oder anderen Tag parallel später noch organisiert wird“.

Doch damit nicht genug: Offensichtlich sei es auch ein Problem für viele Musikfans, zum Veranstaltungsort zu kommen. „Ja, selbst wenn wir hier bekanntere Acts hatten wie beispielsweise die Jutta-Weinhold-Band, Hannes Bauer oder Big-Harry – im Saal hätten immer noch einige Fans mehr reingepasst“, erklärt Schulte, der aber auch mutmaßt, dass die Zielgruppe vieler dieser Künstler „in die Jahre gekommen“ sei und mehr und mehr am Sofa daheim festzukleben scheint.

Wenig Gäste, wenig Umsatz

Aber auch kurioses Verhalten blieb nicht aus. Schulte: „Wir hatten einmal die Hamburger Kultband ,Franny and the Fireballs’ zu Gast, die hier den Landgasthof so richtig rockte. Volles Haus, Partystimmung satt, Zugaben ohne Ende - einfach super das Ganze! Die Band war so angetan, dass sie beschloss, ein halbes Jahr später, die Party zu wiederholen - bloß dann kam kaum noch eine Handvoll Gäste in den Landgasthof. Verstehen tue ich das bis heute nicht.“

Doch letztendlich geht es Schulte natürlich auch um das Finanzielle, da er seinen Betrieb am Laufen halten und sein Team bezahlen muss. „Wenn wir hier ein Konzert erleben, bei dem nur noch zehn bis zwanzig Besucher kommen, von denen auch noch die Hälfte zu der auftretenden Band gehört, wird bei uns natürlich auch nicht viel an Getränken umgesetzt. Hätte ich am gleichen Abend aber eine Gesellschaft hier versorgt, hätten wir ein vielfaches an Umsatz gehabt - so einfach ist das “, erklärt er.

Auch Big Harry und seine Band gastierten im Landgasthof.
Auch Big Harry und seine Band gastierten im Landgasthof. Foto: Ulf Marek
 

Was bleiben wird, sind viele Erinnerungen an eine trotzdem aufregende und schöne Zeit mit den zahlreichen Musikern diverser Stilrichtungen . „Es hat natürlich ein Riesenspaß gemacht und wir haben hier wirklich sehr viel erlebt. Außerdem sind Freundschaften entstanden, die auch weiterhin Bestand haben werden“, so Schulte, der das Kapitel „Live-Musik im Landgasthof“ sowohl mit einem weinenden aber auch mit einem lachenden Auge schließt.

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