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Kino-Aus in Barmstedt : „Schlag ins Kontor“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Wirtschaftsförderer bedauert die Schließung. Kulturelle Veranstaltungen künftig in Uetersen.

Barmstedt | Was wird aus Barmstedts Kino? Am Tag, nachdem Betreiber Reinhard Klietz offiziell das Aus für das kleine Lichtspielhaus verkündet hat, sind die Betroffenheit und Ratlosigkeit groß. „Das ist für Barmstedt ein ziemlicher Schlag ins Kontor. Wir bedauern es sehr und wissen noch nicht, wie es weitergeht“, sagte Wirtschaftsförderer Wolfgang Heins gestern. Ob das Gebäude am Markt ein „kultureller Standort“ bleiben könne, sei völlig offen.

Das Aus sei umso bedauerlicher, als das Kino in jüngster Zeit wieder an Beliebtheit gewonnen habe, sagte Heins. „Ob es besondere Angebote für Schulklassen oder die kulturellen Veranstaltungen waren, die Herr Klietz auf die Beine gestellt hat: Es lief gerade richtig gut.“ Doch offenbar nicht gut genug, um die Folgen des Mindestlohns auszugleichen, der seit Januar in etlichen Branchen gesetzlich vorgeschrieben ist. „Dadurch sind meine Lohnkosten um 80 Prozent gestiegen“, sagte Klietz. Da seine fünf Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis arbeiten, hätte er deren Stunden reduzieren und noch zwei weitere Mitarbeiter einstellen müssen.

Der Mindestlohn war aber offenbar nicht der einzige Grund: Nach Informationen unserer Zeitung hat es auch Probleme mit dem Eigentümer des Gebäudes – Jürgen Grütz – gegeben. Der bedauert das Ende ebenfalls. „Es ist schade. Wir haben alles versucht, aber dann kam noch der Mindestlohn, und das war’s dann.“ Wie er das Gebäude nach dem 31. Mai nutzen wird, wisse er noch nicht. Für Wohnungen seien die Kinosäle nicht geeignet: Im Erdgeschoss wäre es zu dunkel, im ersten Stock seien die Decken zu hoch.

Grütz hofft auf die Stadt: „Vielleicht finden die ja jemanden, der das Kino weitermachen will.“ Auch ein Förderverein könne eine Lösung sein, meint er. „In Bordesholm hat das super geklappt.“ Klietz stand einem Verein skeptisch gegenüber: Er fürchtete zu große Einflussnahme auf das Programm.

Das Ende des Saturn-Kinos bedeute aber nicht das Ende aller von ihm initiierten kulturellen Veranstaltungen, betonte Klietz. „Einige Sachen wie Lesungen und Konzerte finden weiter statt. Nur nicht mehr in Barmstedt, sondern im Burg-Kino in Uetersen.“ Und bis zur Schließung werde er sein Programm wie geplant durchziehen. Zur Freude der Stadt, denn im Rahmen der 875-Jahr-Feier wird das Kino am 14. April und am 12. Mai die Tatort-Folgen „Blechschaden“ und „Kurzschluss“ zeigen, die in Barmstedt gedreht wurden. Für Klietz persönlich bedeutet das Kino-Aus den Eintritt in den Ruhestand. „Ich bin dann Rentner. Ein Kino zu betreiben, kommt für mich nicht mehr in Frage.“

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erstellt am 26.Mär.2015 | 14:15 Uhr

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