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Barmstedter Zeitung

19. August 2017 | 03:54 Uhr

Sammler exotischer Meerestiere

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Experten für Muscheln und Seeigel: Hemdinger Ehepaar bereist die Welt auf der Suche nach außergewöhnlichen Lebewesen

„Und jetzt zeige ich Ihnen noch die größte Muschel der Welt“, sagt Peter Schultz. Wenige Sekunden später rollt der 75-Jährige aus Hemdingen ein kleines Holzgestell ins Zimmer. Die Anstrengung steht ihm dabei ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder: Auf dem Wagen ist die linke Klappe einer Mörder-Muschel befestigt. 81 Kilogramm wiegt die Schale, das ganze Tier habe einst mehr als 200 Kilogramm gewogen, so Schultz. Der Hemdinger ist passionierter Muschelsammler, seine Frau Heinke (73) eine Koryphäe auf dem Gebiet der Seeigel. Das Ehepaar reist durch die ganze Welt, um seinen ungewöhnlichen Hobbys nachzugehen.


Mörder-Muschel vom Great Barrier Reef


Die Mörder-Muschel ist das größte Exemplar in der umfangreichen Sammlung von Peter Schultz. „Heute ist das eine geschützte Art“, so der Hemdinger. Sein Exemplar stammt aus dem Jahr 1923, die Muschel soll zu diesem Zeitpunkt 80 bis 100 Jahre alt gewesen sein. „Ein Kapitän brachte sie vom Great Barrier Reef aus Australien mit“, so Schultz. Er bekam sie später von einem Freund geschenkt. Die Muschel ist nicht nur spektakulär groß; um sie würde sich auch ein besonderer Mythos ranken, so Schultz (siehe Info-Kasten).

Die Leidenschaft von Heinke Schultz sind die Seeigel. Mehr als 1200 Stück hat sie gesammelt. „Mich fasziniert die ungewöhnliche Lebensweise der Tiere“, berichtet die 73-Jährige. So transportieren die Tiere Nahrungsteilchen über Füßchen und Rinnen zum Mund, um sich zu ernähren. Sie hat unter anderem schon neue, unbekannte Arten bestimmt und ein wissenschaftliches Standardwerk über die Tiere geschrieben. Eine dieser neuen Arten fand sie einst vor wenigen Jahren bei einer Internet-Auktion. „Die unbekannte Art wurde da zum Verkauf in Massen angeboten“, berichtet sie. Die Nachricht von dem skurrilen Zufall machte Schlagzeilen. Schultz und ihr britischer Forscherkollege gaben der Art den Namen „Coelopleurus exquisitus“.

Zu ihren ungewöhnlichen Hobbys kamen beide über das Sammeln von Fossilien. „Wir sind über Vereine und die Universität eingestiegen. Wenn man dann an einem Faden zieht, geht es immer weiter“, erzählt das Ehepaar. Aber die Steine waren auch sehr schwer, so entschieden sich beide nach ihrem Umzug nach Hemdingen im Jahr 1986, neu anzufangen. „Seitdem sammeln wir Seeigel und Muscheln“, so Peter Schultz. Sein Interesse stamme vor allem daher, dass die Weichtiere eher stiefmütterlich behandelt werden würden. „Die meisten interessieren sich eher für Schnecken“, berichtet er.


Urlaub im Reich der Muscheln und Seeigel


„Wir haben immer dort Urlaub gemacht, wo wir Muscheln und Seeigel finden konnten“, so Schultz weiter und zeigt eine „Pinna Nobilis“ aus dem Mittelmeer – eine der größten Steckmuscheln, die es gibt. Sie kann bis zu 1,30 Meter lang werden. „Das gute ist, dass Muscheln und Seeigel in denselben Biotopen vorkommen“, sagt Heinke Schultz. „So ist die Entscheidung, wo wir unseren Urlaub verbringen, nicht schwer. Wir sind beide Sammler, es ist wichtig für uns, zu erfahren, wie die Tiere gelebt haben.“

Neben ihrer Sammelleidenschaft beschäftigt sich das Paar auch mit Schnecken. Über das Zooologische Institut der Universität Hamburg erhielten sie Achat-schnecken, die zu den größten Schnecken der Welt gehören. Sie können bis zu 20 Zentimeter groß werden. Die exotischen Tiere aus dem Golf von Guinea leben in einem speziellen Terrarium mit hohen Temperaturen und entsprechender Luftfeuchtigkeit. In den USA seien die Tiere verboten. „Wenn sie ausbüxen, bringen sie das Ökosystem durcheinander. Hier überleben sie nicht, daher sind sie nicht verboten“, so Schultz.

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erstellt am 24.Mai.2014 | 15:31 Uhr

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