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Übungen in Barmstedt und Bilsen : Retter trotzen vielen Hindernissen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Brandbekämpfer trainieren an der Jugendbildungsstätte in Barmstedt und bei der Firma Wilhelm Mohr in Bilsen.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Barmstedt/Bilsen | 10.000 Übernachtungen im Jahr, 15.000 weitere Besucher, 73 Betten und zahlreiche Mitarbeiter: Allein die nackten Zahlen zeigen, wie viele Menschen jährlich in der Jugendbildungsstätte Barmstedt des Kreisjugendrings Pinneberg zu Gast sind. Wie bei einem Brand in möglichst kurzer Zeit Verletzte gerettet und Besucher evakuiert werden können, haben die Freiwilligen Feuerwehren aus Barmstedt, Groß Offenseth-Aspern und Bokholt-Hanredder am Montagabend an der Düsterlohe geprobt. Eines der Ziele war es zudem, das Objekt kennenzulernen, betonte Einsatzleiter Peter Helms von der Barmstedter Feuerwehr. Bei dem Einsatz handelte es sich um eine Alarmübung; es gab nur wenig Eingeweihte. Ebenfalls eingeladen zur Übung waren Barmstedts Bürgermeisterin Heike Döpke und Polizei-Chef Sascha Schmidt.

Im Erdgeschoss hatten Feuerwehr und Mitarbeiter der Jugendbildungsstätte mehrere Räume vernebelt. Gegen 20 Uhr löste daraufhin die Brandmeldeanlage aus. 40 Personen verließen von selbst das Gebäude und innerhalb weniger Minuten standen etwa 60 Einsatzkräfte von drei Wehren rund um den Gebäudekomplex bereit. „Wir begrüßen die Übung sehr“, sagte Ingo Waschkau, Geschäftsführer des Kreisjugendrings. „So haben wir die Sicherheit: Wenn etwas passiert, ist die Feuerwehr da. Es ist eine schöne Kooperation.“ Er stellte sich gemeinsam mit weiteren Mitarbeitern als Verletzter zur Verfügung. Atemschutzgeräteträger retteten ihn aus dem vernebelten Erdgeschoss. „Bei unserem Gebäude handelt es sich um ein ehemaliges Krankenhaus“, so Waschkau weiter. „Es ist sehr groß und hat viele Ecken und Winkel.“ Intern sei man bestens aufgestellt: 2011 und 2012 sei das Haus saniert worden, die Brandmeldetechnik sei auf dem aktuellsten Stand.

 

Für die Barmstedter Wehr sei die Jugendbildungsstätte aufgrund der verwinkelten Gänge und der vielen Jugendgruppen, die dort übernachten, ein gefährliches Objekt, sagte Barmstedts Wehrführer Uwe Schinkel. Mit einem Generalschlüssel können sich die Brandbekämpfer Zugang zu den Räumen verschaffen. Atemschutzgeräteträger gelangten so ins Erdgeschoss und retteten die vermissten Personen. Mit Gurten banden sie sich am Geländer am Eingang fest, um auch ohne Sicht wieder zurück ins Freie zu finden. „Beim Atemschutz hat es gut geklappt“, resümierte Arne Dencker von der Barmstedter Wehr am Ende. „Wir wurden personell von den anderen Wehren unterstützt. Bei so einer Lage brauchen wir die Manpower auch.“

Per Drehleiter retteten die Wehren eine weitere Person, die auf das Dach des Gebäudes geflüchtet war. Ein weiterer Einsatztrupp stieß unter dem Dach auf einen Handwerker, der einen Herzinfarkt erlitten hatte. Er wurde patientengerecht gerettet, berichtete Hans-Otto Fröde von der Barmstedter Wehr. Aufgrund vieler Engpässe habe sich das schwierig gestaltet. Im Treppenhaus sei der Patient schließlich abgeseilt worden. Einsatzleiter Peter Helms, Bokholt-Hanredders stellvertretender Wehrführer Klaus Balzer und Groß Offenseth-Asperns Wehrführer Harald Hell zogen am Ende ein positives Fazit. „Alles hat geklappt“, so Helms. Balzer und Hell betonten außerdem die gute Zusammenarbeit der Wehren.

Feuer in der Kühlhalle: Vier Wehren im Einsatz

Großübung in Bilsen: Die Freiwilligen Feuerwehren aus Heede, Langeln, Hemdingen und Bilsen haben am Montagabend trainiert, was bei einem Feuer bei der Firma Mohr in Bilsen zu tun ist. Dort wurde nach Ladenschluss um 19 Uhr Alarm ausgelöst. In der Kühlhalle war ein Feuer ausgebrochen.  „Es ist für uns wichtig, in dieser großen Firma zu üben, um im Ernstfall die Örtlichkeiten besser zu kennen“, sagte Bilsens Wehrführer Kay Grabowski.

Das Szenario sah vor, dass in der Kühlhalle noch 13 Angestellte arbeiten. Vorrang hatte es also, die Menschen aus dem Gebäude zu retten. Mit Atemschutzgeräten ausgerüstet, drangen die Feuerwehrleute in den völlig verqualmten Raum ein.  Aus einem an der Halle angedockten Lastwagenanhänger tönten plötzlich heftige Klopfzeichen. Ein Verletzter nach dem anderen wurde anschließend ins Freie getragen und an einer Sammelstelle versorgt.

Einsatz bei der Firma Wilhelm Mohr Versicherungsschäden in Bilsen: Etwa 60 bis 70 Einsatzkräfte der Bilsener, Hemdinger, Langelner und Heeder Wehr trainierten dort am Montagabend während einer Großübung für den Ernstfall.

Einsatz bei der Firma Wilhelm Mohr Versicherungsschäden in Bilsen: Etwa 60 bis 70 Einsatzkräfte der Bilsener, Hemdinger, Langelner und Heeder Wehr trainierten dort am Montagabend während einer Großübung für den Ernstfall.

Foto: Helga Pergande
 

Geschminkte Freiwillige der Jugendwehr und Wehr aus Schmalfeld (Kreis Segeberg) sowie Bilsener Bürger fungierten als Statisten. Sie hatten Glassplitter in Armen und Beinen, einem ragte ein Spieß aus den Rippen, ein anderer hatte sich den Unterarm verbrannt. Andere waren geschockt oder verwirrt.

Bilsens Wehrführer wies auf die Schwierigkeiten in dem Gebäudekomplex hin: „Die Halle ist mit gestapelten Kisten vollgestellt, es sind nur schmale Gänge dazwischen, das hat die Suche erschwert“, so Grabowski. Die Feuerwehren bauten zudem eine Wasserversorgung auf, um die Halle von der anderen Seite aus von außen zu nässen und das nebenan stehende Haus mit Strohdach zu schützen. Aufgrund der Entfernung vom Hydranten zur Einsatzstelle musste eine Tragkraftspritze zwischengeschaltet werden, damit der Wasserdruck konstant blieb. Einige Brandbekämpfer passten an der Straße auf, dass die Landwirte, die Mais ernteten, mit  Treckern nicht über die Schläuche fuhren. Nachdem alle vermissten Personen gerettet waren, wurden die Räume belüftet.

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