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Kabarettabend in Barmstedt : Religiöser Show-Kampf mit Pfiff

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Kerim Pamuk und Lutz von Rosenberg Lipinsky begeistern ihr Publikum im ausverkauften Humburg-Haus.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2016 | 12:30 Uhr

Barmstedt | Aladdin verdrängt das Phantom der Oper. Ist das die Islamisierung? Gehört der Islam zu Deutschland oder ist es schon umgekehrt? Bibel oder Koran, welches Buch ist heiliger und welcher Gott war zuerst da? Der Barmstedter Kulturverein Pfiff hatte am Freitagabend den muslimischen Bühnenkünstler Kerim Pamuk und den protestantischen Kabarettisten Lutz von Rosenberg Lipinsky eingeladen, die diesen Fragen im ausverkauften Humburg-Haus auf den Grund gingen. Mit ihrem aktuellen Programm „Brüder im Geiste“ boten sie einen religiösen Show-Kampf.

Der zweistündige Schlagabtausch bei hohem Tempo entfachte beim Publikum Begeisterung. „Ihr Deutschen, ihr sterbt bewusst aus – bei der Geburtenrate“, provozierte Pamuk, und von Rosenberg Lipinsky konterte: „Wir opfern uns, ohne andere mitzunehmen.“ In den kontroversen, aber auch nachdenklichen Kulturkampf mischte sich eine gehörige Brise Humor. Ein Streit um den Erzengel Gabriel entbrannte, da dieser in beiden Religionen auftaucht. Pamuk erklärte letztendlich: „Erzengel Gabriel ist so etwas wie der David Beckham der Erzengel – viele Vereinswechsel.“

Mit ihrer witzigen und doch anspruchsvollen Art informierten die Kabarettisten über Islam und Christentum. Ist die Bibel das ältere Original und der Koran das ultimative Update? Die Künstler kamen zu der Erkenntnis, dass Religion altmodisch sei. „Es ist doch viel ungefährlicher, über Facebook zu missionieren als in Nonnentracht im Jemen für Jesus zu werben“, sagte von Rosenberg Lipinsky. Und Pamuk stimmte ihm zu. „Geschichtliches verbunden mit Humor, diese Kombination finde ich sehr interessant“, meinte die Barmstedterin Ute De Jong und Kathrin Joplin, ebenfalls aus Barmstedt scherzte: „Man kann nur hoffen, dass kein Terrorist mit einem Gürtel unter uns sitzt.“

Das Barmstedter Humburg-Haus war ausverkauft.
Das Barmstedter Humburg-Haus war ausverkauft. Foto: Kuhnke
 

„Die meisten Muslime haben den Koran nicht gelesen, weil er so schwer zu verstehen ist“, erklärte Pamuk, und von Rosenberg Lipinsky schloss sofort daraus: „Der Koran ist für den Muslimen das, was für unsereins ein Grönemeyer-Album ist. Man ahnt, um was es geht, aber verstehen tut man nichts.“ Zuschauerin Jessica Harder aus Ellerhoop gefiel das Zusammenspiel der Künstler sehr. „Der Wortwitz war echt gut. Die Beiden haben es toll rübergebracht“, sagte sie begeistert. „Barmstedt ist der perfekte Ort für unser Bühnenprogramm. Die Leute hören zu und haben Spaß“, freute sich Kerim Pamuk, der im nächsten Jahr mit einem Soloprogramm zurück kommt.

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