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Barmstedt : Rekord: Nabu rettet 2833 Amphibien

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Barmstedts Naturschützer beenden mehrwöchige Aktion. Helfer stoßen an ihre Grenzen. Entsetzen über kaltblütige Autofahrer.

Barmstedt | Die Barmstedter Nabu-Mitglieder, die Kröten und Fröschen über die Pinneberger Landstraße helfen, stoßen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit – während manche Autofahrer, die sie auf die Aktion hinweisen, danach lachend einen Frosch überfahren, der vor ihnen auf der Straße hockt. Das berichteten die Naturschützer – noch immer entsetzt – jetzt beim Abschluss ihrer mehrwöchigen Aktion. Bei der sie so viele Amphibien retteten wie nie zuvor: „2643 Frösche und 190 Kröten konnten zwischen Ende Februar und Mitte April sicher zum Laichplatz gelangen“, bilanzierte Katja Erber, die die Aktion organisiert hatte. Zum Vergleich: Im vorigen Jahr hatte der Nabu 232 Kröten und 524 Frösche gerettet.

Allein am 29. März dieses Jahres – als es extrem viel regnete – brachten die Helfer 80 Kröten und 1304 Frösche über die Straße. 2014 waren es am „Spitzenregentag“ 87 Tiere. „Für uns alle überraschend ist der enorme Anstieg der Zahlen bei den Fröschen“, so Nabu-Chef Hans-Peter Lohmann. Deren Zahl habe sich gegenüber 2014 fast verfünffacht.

Gründe für den Rekordwert in diesem Jahr könnten die Rettungsaktionen der vergangenen Jahre sein, so Lohmann. Auch der sehr milde Winter könnte sich ausgewirkt haben. „Es waren zwar nur wenige Tage, an denen wir arbeiten mussten – dafür dann aber umso mehr“, stellte er fest. Seit Ende Februar hatten die Naturschützer jeden Tag morgens und abends den 250 Meter langen Zaun entlang der Pinneberger Landstraße kontrolliert und Frösche sowie Kröten, die sich in den zwölf eingegrabenen Eimern befanden, in den nahen Teich auf der anderen Straßenseite gebracht. „An den meisten Tagen waren wir aber vergeblich am Zaun, weil es für die Tiere zu kalt und zu trocken war, um zu wandern“, berichtete Lohmann.

Während des täglichen Einsammelns an den Straßenrändern hatten etliche Autofahrer gehalten und nach dem Grund der Aktion gefragt, berichtete Erber. Die meisten seien vorsichtig weitergefahren – „doch es gab auch Fahrer, die einen Frosch auf der Straße erspähten und bewusst und lachend über ihn rüberfuhren“.

Mitarbeit der Naturschutzjugend

Erfreulich sei die tolle Mitarbeit der Naturschutzjugend gewesen, sagte Erber. Lohmann fügte an, der Nabu müsse an seiner eigenen Organisation „etwas überdenken“. Vor allem an Tagen, an denen viele Tiere wanderten, seien einzelne der ehrenamtlich aktiven Helfer „schlichtweg an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gekommen. Das muss nicht sein.“ Er sei „mächtig stolz auf alle, die mitgeholfen haben, so viel Gutes für die Tiere zu tun“.

Der nächste Einsatz wird voraussichtlich noch aufwändiger: „Wir werden den Zaun wohl in Richtung Innenstadt verlängern müssen, da wir leider auch in diesem Jahr sehr viele Tiere überfahren auf der Straße gesehen haben, die aus dem vorderen Bereich des Waldes kamen“, sagte Lohmann. Eine Sorge im Vorfeld habe sich indes als unbegründet erwiesen: „Wir hatten aufgrund der Baumfällungen zuerst Bedenken, dass es unsere Aktion gefährdet“, so der Nabu-Chef. Das sei aber nicht der Fall gewesen: Die Arbeiter hätten Rücksicht auf den Zaun genommen.

Amphibien sind wechselwarme Tiere: Ihre Körpertemperatur hängt in hohem Maße von der Umgebungstemperatur ab. Kälte und knappe Nahrung zwingen sie zur Winterruhe. Anders als Reptilien haben sie  keine Schuppen, und ihre Hände  besitzen nur vier Finger. Insgesamt leben in Deutschland 21 Amphibienarten: Salamander, Molche, Unken, Kröten und Frösche.
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erstellt am 23.Apr.2015 | 09:15 Uhr

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