Protest gegen die Weber-Ausstellung

Dr. Günter Thiel (BALL) Karin Weißenbacher (von links), Hinnerk Goos und Erhard Preuß hängten die Neuseeland-Fotografien in der Kommunalen Halle auf. Pergande
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Dr. Günter Thiel (BALL)
Karin Weißenbacher (von links), Hinnerk Goos und Erhard Preuß hängten die Neuseeland-Fotografien in der Kommunalen Halle auf. Pergande

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17. Januar 2013, 01:14 Uhr

Barmstedt | Die Barmstedter Linke Liste (BALL) übt scharfe Kritik an der A. Paul Weber-Ausstellung, die am kommenden Sonntag, 20. Januar, in der Galerie III auf der Schlossinsel eröffnet wird (wir berichteten). Es dürfe "nicht ohne deutlichen Protest" bleiben, dass die Werke eines Künstlers präsentiert werden, der "sich schon vor 1933 in faschistischen Kreisen betätigt, in verschiedenen Werken offen antisemitische Hetze betrieben und die Nationalsozialisten nach der Machtergreifung mit seinen Grafiken ,künstlerisch bedient" habe, schreibt BALL-Fraktionschef Günter Thiel in einer Pressemitteilung. Die Ausstellung in Barmstedt ist der dritte Teil einer Gesamtschau: Weitere Werke Webers werden zurzeit in der Pinneberger Drostei und im Elmshorner Torhaus gezeigt.

Weber (1890 - 1983), der auch für NS-Publikationen arbeitete und für seine Karikaturen von den Nazis geehrt wurde, sei "kein armer Verführter gewesen", sagte Thiel. "Dazu sind seine Auszeichnungen zu eklatant." Der Künstler sei "umstritten" und seine Vita "problematisch", räumte Galeristin Karin Weißenbacher auf Anfrage unserer Zeitung ein. Die Kritik der BALL sei aber "eine Wiederholung dessen, was lange bekannt ist. Wir sind von Anfang an offen mit dem Thema umgegangen, und das wird auch in Barmstedt so sein." Webers Lebenslauf werde bei der Eröffnung erwähnt, und sie werde darüber hinaus nicht nur seine Vita, sondern auch die anonymen Schreiben, mit denen die Antifa im Vorfeld die Ausstellung in Pinneberg attackiert hatte (wir berichteten), "einsehbar machen", kündigte Weißenbacher an.

Zudem sehe sie keinen Grund, Webers Werke nicht zu zeigen. "Sie sind ein Zeitbogen der deutschen Geschichte, und er war ein sehr, sehr guter Künstler." Anders als in Pinneberg, liege der Schwerpunkt der Barmstedter Ausstellung aber nicht auf seinen politischen Arbeiten, sondern auf der von ihm angewandten Technik (Lithografie) und seinen kritischen Werken, in denen er etwa die zunehmende Umweltzerstörung thematisierte. "Diese Leistungen sollten nicht geschmälert werden", sagte Weißenbacher.

In der Pressemitteilung, die unter www.ball-barmstedt.jimdo.com im Wortlaut veröffentlicht ist, holt Thiel zudem zum Rundumschlag gegen den nach Ansicht der BALL in Barmstedt herrschenden Umgang mit der NS-Zeit aus: Die Ausstellung erfolge "ganz offensichtlich aus dem gleichen Geist der Gleichgültigkeit, Naivität und Ignoranz gegenüber den Verbrechen des Nationalsozialismus heraus, wie in Barmstedt immer noch eine Straße nach dem glühenden Barmstedter Nazi-Heimatforscher Hans Dössel benannt ist oder im Barmstedter Rathaus unkommentiert und unscheinbar der Nazi-Bürgermeister Schröder und Wolff hängen", schreibt er. Darüber hinaus gebe es für die einst rund 500 kriegsgefangenen Zwangsarbeiter in Barmstedt "immer noch keine würdige Gedenkstätte", und auch auf die vor Jahrzehnten angekündigte Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus in Barmstedt warte die Öffentlichkeit nach wie vor. Stattdessen, so Thiel, sei der Name Geschwister-Scholl-Schule zugunsten des "nichtssagenden" Namens Grund- und Gemeinschaftsschule "entsorgt" worden. "Das ist alles mehr als kläglich und wird der Notwendigkeit neonazistischer Ideologie und Nazi-Terror zu begegnen, nicht gerecht", so Thiel.

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