Plattdeutsches Theater in Ellerhoop : Premiere der Komödie „Een toveel in’t Huus“

Erne Hollebohm (Ute Fromm, l.) und Thea Schütt (Tabea Bey) suchen nach einer Lösung, um den imaginären Doppelgänger zu vertreiben.
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Erne Hollebohm (Ute Fromm, l.) und Thea Schütt (Tabea Bey) suchen nach einer Lösung, um den imaginären Doppelgänger zu vertreiben.

Totengräber und Doppelgänger - Komödie „Een toveel in’t Huus“ begeistert mehr als 100 Zuschauer im Gasthof „Zur Linde“.

shz.de von
13. Juli 2015, 16:00 Uhr

Ellerhoop | Schon in der ersten Pause waren die Besucher der Premiere der plattdeutschen Komödie „Een toveel in’t Huus“ begeistert. Vor dem Gasthof „Zur Linde“ wurde vor allem das Bühnendebüt von Reimer Stubbe diskutiert, der den Unternehmer Speckmann spielte. „Naturtalent“ und „Herausragend“, lautete das Urteil der mehr als 100 Zuschauer.

Auch Monika Krohn, Vorsitzende der Laienspielgruppe Ellerhoop, die Stubbes Darbietung von den Proben kannte, war begeistert: „Man merkt nicht, dass er vorher nie auf der Bühne gestanden hat.“ Er selbst hatte allerdings mit der Aufregung zu kämpfen und gestand: „Als ich erstmals auf die Bühne musste, hatte ich meinen kompletten Text vergessen.“ Der kam aber sofort zurück und dann sei er „drin gewesen“.

Hauptfigur der Komödie in drei Akten ist der Polier Hannes Hollebohm, gespielt von Helmut Weinberg. Dieser hat einfach einen schlechten Tag. Erst stößt er sich den Kopf, dann klemmt er sich den Daumen ein, seine Jacke fällt – als Running Gag – immer wieder vom Garderobenhaken und ein zerbrochener Krug ließ ihn urteilen: „Wenn das Schicksal dich auf dem Kieker hat, dann kannst du nix machen. Ich fürchte aber, das dicke Ende kommt noch.“ Das dicke Ende in „Een toveel in’t Huus“ ist Hollebohms Doppelgänger, den er während des Abendessens sieht.

Er verbarrikadiert die Küchentür und vernagelt das Küchenfenster, um seinen Doppelgänger nicht durchs Dorf laufen zu lassen. Doch treibt ihn die Erscheinung in die Verzweiflung, denn weder seine Frau Erna, gespielt von Ute Fromm, noch die befreundete Thea Schütt (Tabea Bey) können den imaginären Doppelgänger sehen. Der Totengräber Döscher (Teinhard Müller), empfiehlt, den Doppelgänger zu erschlagen. Es kommt zum Kampf und als Hollebohm die Küche verlässt, ist er wie ausgewechselt. Der bisher bescheidene, fleißige und zurückhaltende Mann fordert mehr Gehalt von seinem Chef und genießt sein Leben in vollen Zügen.

Neben dem Bühnendebütanten Stubbe, der den verwirrten, aber gerissenen Unternehmer Speckmann verkörperte, begeisterte vor allem Hauptdarsteller Hollebohm durch sein facettenreiches Spiel. Die Zuschauer nahmen ihm die Panik beim Anblick seines Doppelgängers sofort ab und auch die innere Zerrissenheit, wie er diesen loswerden könne, brachte Hollebohm in den beiden Aufführungen beeindruckend herüber.

Vorerst seien allerdings keine weiteren Aufführungen geplant, teilte Vereinsvorsitzende Krohn mit. Dafür arbeite sie derzeit an einem neuen Stück aus drei Akten, das im Frühjahr Premiere feiern könnte. „Allerdings fehlt mir noch ein Darsteller“, sagte Krohn. Dieser sollte 30 bis 40 Jahre alt sein. „Gerne ein südländischer Typ, der ein paar Worte Italienisch sprechen kann“, so die Vorsitzende der Laienspielgruppe. Plattdeutschkenntnisse seien nicht notwendig. Nur eines sollte der Darsteller laut Krohn sein: „Ein richtig gutaussehender Mann.“

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