Gänse am Rantzauer See : Politik will die Jagd erlauben

Mit diesen Hinweisschildern bittet die Stadt Spaziergänger darum, die Wasservögel am Rantzauer See nicht zu füttern. Künftig müsse ein Bußgeld angedroht werden, so der Umweltausschuss.
Mit diesen Hinweisschildern bittet die Stadt Spaziergänger darum, die Wasservögel am Rantzauer See nicht zu füttern.

Zum Abschuss freigegeben: Für den Umweltausschuss die einzige Möglichkeit, um die Population des Federviehs einzudämmen.

shz.de von
01. November 2013, 16:00 Uhr

Sie sind hübsch anzuschauen – aber Freibad-Fans haben sie den Sommer gründlich verdorben: Wegen der Kanadagänse musste das Strandbad am Rantzauer See wochenlang geschlossen werden. Durch die Hinterlassenschaften der etwa 200 Vögel hatten sich die Blaualgen so stark vermehrt, dass Baden nicht mehr erlaubt war. Nun könnte es den Gänsen an den Kragen gehen: Der Umweltausschuss hat am Mittwoch einstimmig beschlossen, dass die Verwaltung prüfen soll, ob und wie ein „starker jagdlicher Eingriff in der noch verbleibenden Jagdzeit in diesem Jahr auf vertretbarer ökologischer Basis“ umsetzbar wäre.

Die Gänse hätten sich zu einer Plage entwickelt, sagte Claus-Peter Jessen (Grüne). Von einem Problem, gegen das kein Kraut gewachsen sei, sprach die Ausschussvorsitzende Gabriele Hackländer (SPD). „Die Gänse laufen im Freibad zwischen den Kindern umher und gehen auf sie los, wenn sie von ihnen gejagt werden.“ Die Vögel hätten keine natürlichen Feinde und ließen sich weder durch Händeklatschen, Böller, Seile, segelnde Drachen oder andere Maßnahmen auf Dauer vertreiben. Auch Fachleute hätten keinen Vorschlag, wie die Population „auf humane Art“ dezimiert werden könne, sagte Hackländer. So habe ein Experte aus Österreich mitgeteilt, er habe „leider auch kein Universalrezept“ – und angefügt, dass ein Abschuss aus Artenschutzgründen unproblematisch wäre – und Kanadagänse „durchaus essbar“ seien.

Den Antrag, die Gänse zu bejagen, hatte die FWB eingebracht. „Der See ist nachhaltig gefährdet. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie er umkippt und die Fische qualvoll sterben“, sagte Tim Gerson. Verlierer seien dann auch die Menschen, „vor allem die Kinder“. Eine Bejagung sei „mit Abstand das einzige Mittel“, um dem Problem Herr zu werden.

Politiker wurden als ,Vogelmörder’ tituliert

Der erste Versuch, die Jagd auf die Gänse zu erlauben, sei 2003 allerdings „unschön“ gescheitert, sagte Gerson: Damals seien Verwaltungsmitarbeiter und Politiker von Bürgern als „Vogelmörder“ bezeichnet worden.

Das Thema ,Bejagen’ ist auch deshalb so sensibel, weil viele Spaziergänger die Vögel am See gern füttern. Im Sommer gäbe es am See „40 Enten, die sich fast ausschließlich von Brot ernähren“, berichtete Ernst-Reimer Saß (CDU). „Ich habe ältere Damen gesehen, die vier frische Toastbrote pro Tag verfüttern.“ Und eine Großmutter aus Hemdingen, „die mit ihrem Enkel zum Entenfüttern an den See gefahren ist, wird nicht bloß deshalb wieder umdrehen, weil sie die Verbotsschilder sieht“, meinte Klaus-Dieter Hansen (FWB). Die Wirkung der Schilder, von denen zwei am See stehen, zweifelten auch alle anderen Ausschussmitglieder an. „Um die Menge der Gänse zu reduzieren, bringen sie es nicht“, sagte Hackländer. Wohl aber sollten sie zusätzlich aufgestellt werden, um die Population niedrig zu halten. Dabei sollte auch ein Bußgeld angedroht werden, sagte Saß. „Am Krupunder See hat das gewirkt.“ Doch um das durchsetzen zu können, bedürfe es einer Rechtsgrundlage, die in Barmstedt bisher fehle, gab Peter Knaak (Verwaltung) zu bedenken. Die Maßnahme werde aber geprüft.

Eine Jagd – der die Stadtvertreter noch zustimmen müssen – werde „nicht ganz einfach sein“, sagte Saß. So müssten die Jäger unter anderem die Schonzeit und strenge Auflagen beachten, um Passanten nicht zu gefährden. Außerdem dürfe man die Vögel nicht auf dem See schießen, sondern müsse sie aufscheuchen, warf Zuhörer Henning Mohr ein.

Kreisjägermeister Wolfgang Heins erklärte auf Anfrage: „An Orten, an denen Menschen gefährdet werden könnten, darf nicht gejagt werden. Insoweit müsste über Vorsichtmaßnahmen nachgedacht werden.“ Auch auf angrenzende Bebauung und Straßen müssten die Jäger achten. Hinzu komme, dass die Jagd auf Wasserwild mit Bleischrot nicht zulässig sei. Heins: „Es müssten Stahl- oder Weicheisenschrote verwendet werden, die aber ein höheres Gefährdungspotential haben.“ Jäger seien „keine Schädlingsbekämpfer“, betonte Heins. „Hätten wir die Gänse am See seit Jahren normal bejagt, wäre die heutige Problematik vermutlich gar nicht erst entstanden.“

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