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Barmstedter Zeitung

24. Oktober 2017 | 01:09 Uhr

Wahlcheck : Plakate auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Bis zur Europawahl werden sie ein Teil des Barmstedter Stadtbilds sein: die Wahlplakate der Parteien, die vielerorts an Laternenmasten stehen oder hängen.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2014 | 16:00 Uhr

Barmstedt | Bis zur Europawahl werden sie ein Teil des Barmstedter Stadtbilds sein: die Wahlplakate der Parteien, die vielerorts an Laternenmasten stehen oder hängen. Diese Zeitung hat zwei Experten und einem Bürger eine Auswahl von sechs Wahlplakaten verschiedener Parteien gezeigt – und sie nach ihrer Meinung gefragt. Thea Martin und Kai-Thilo Trebstein betreiben ein Foto-Studio in Hemdingen. Martin legte 2000 ihre Meisterprüfung im Fotografen-Handwerk ab. Einen Blick auf die Plakate wirft auch Luisa Weißenbacher. Sie schaut sich als Barmstedter Bürgerin die Motive an. Dabei entwickeln sich Gespräche über Gestaltung, Aussagen – und Lara Croft.

CDU: Auf dem CDU-Plakat ist der Spitzenkandidat für Schleswig-Holstein, Reimer Böge, zu sehen. „Das wirkt seriös und geradlinig“, meint Weißenbacher. Position von Figur und Text beurteilt Thea Martin als „okay“. Trebstein moniert den schwarzen Balken, der Böge links aus der Schulter wächst. „Da wäre eine Landschaft oder unscharfe Häuser im Hintergrund besser gewesen“, meint er. Die Beleuchtung sei gut, so Martin weiter. „Nur den Augen fehlt Licht.“ Die Aussage des Plakats sei verständlich.

SPD: Das SPD-Plakat mit Martin Schulz kommt bei den Experten gut an. „Die Gestaltung ist asymmetrisch, die blau-rote Farbgebung erzeugt Aufmerksamkeit“, so Martin. Anders als Böge habe Schulz Lichtpunkte in den Augen. „Dadurch wirkt das Foto lebendiger“, sagt sie. Zudem habe Schulz seinen Kopf am Ende der sogenannten positiven Diagonale (von links unten nach rechts oben). Weißenbacher teilt die Einschätzung der Experten: „Die Farbgebung ist sehr schön, auf dem Foto wirkt der Kandidat offen und zugänglich“. Dafür habe das Plakat keine große Aussage, meint sie. Die Experten heben jedoch hervor, das der Tag der Wahl auf dem Plakat abgedruckt ist.

Grüne: Das Plakat der Grünen ist nicht personengebunden, so Weißenbacher. „Ich finde das Motiv ansprechend“, meint sie. Die Botschaft sei typisch grün, verständlich und spreche viele Menschen an. Auch die Gestaltung empfindet sie als gelungen. Die Experten beurteilen das grau-braun der Reaktorkuppel als deprimierend, „aber das ist sicher auch so gewollt“. Die grüne Fläche darunter sei allerdings nicht positiv genug. „Daher ist das kein so großer Gegensatz.“ Als ruhige Farbe sei es aber „okay“. Die Aussage sei verständlich, aber: „Man muss mehrere Sekunden schauen, um das Plakat zu verstehen.“

FDP: Das FDP–Plakat, das Britta Reimers zeigt, besteht nach Ansicht der Experten gleich aus drei Motiven – dem oberen und unteren Balken sowie dem Foto. „Das bringt Ordnung, ist aber auch langweilig“, meint Martin. Das Foto empfindet sie ebenfalls als langweilig. „Es ähnelt einem Passbild, eine unterschiedliche Beleuchtung auf beiden Seiten des Gesichts wäre besser.“ Weißenbacher empfindet das Plakat als etwas farblos: „Man hätte die Kandidatin besser in Szene setzen können“, meint sie. Allerdings wirke Reimers sehr offen und zugänglich. Die Aussage des Plakats sei hingegen nicht klar: „Worauf sich die Praxisnähe bezieht, bleibt im Verborgenen“, meint die Barmstedterin.

AfD: Das Wahlplakat der Alternative für Deutschland zeigt eine wehende Deutschland-Fahne. „Die Gestaltung schlägt eine Brücke zwischen Deutschland und der EU“, meint Weißenbacher. Die Partei sei klar erkennbar, die Aussage ebenfalls. Die Experten kritisieren, dass die Fahne durch den blauen Balken etwas gedrungen wirke, weil er sie zu einem gewissen Teil verdecke. Zudem habe das Bild eine negative Diagonale (von links oben nach rechts unten), die aber durch den Pfeil ein wenig aufgefangen werde.

NPD: „Bei diesem Plakat denkt man zuerst, das ist Klamotten-Werbung“, sagt Trebstein. „Dass das nicht so eindeutig ist, ist bestimmt kein Zufall.“ Für Martin ist der Bezug zwischen Foto und Textbalken auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Zudem sei die Beleuchtung wie bei Erotik-Aufnahmen, die Frau mit den aufgeworfenen Lippen wirke wie Computer-Spiel Heldin Lara Croft. Die Aussage mit Wortspiel sei „total unklar.“ Weißenbacher beurteilt das Plakat als sexy und militärisch angehaucht. Auf die Europa-Wahl weise es aber nicht hin. Inhaltlich habe das Plakat weniger bis gar keine Aussage, auch die Zielgruppe sei klar: „Junge Männer mit weniger Gehirn als andere.“

Parteien, die zur Europawahl plakatieren wollen, müssen das bei der Stadt Barmstedt anmelden, berichtet Heiko Lichy, Leiter des Einwohnermeldeamts. Die Verkehrssicherheit darf dabei nicht beeinträchtigt werden. Für den Wahlplakate-Check wurden Plakate ausgewählt, die an den Hauptverkehrsstraßen in Barmstedt hängen. Einzig das Grünen-Plakat steht am Steindamm in Hemdingen, in Barmstedt werde der Ortsverband erst am heutigen Freitag plakatieren, teilten die Grünen mit.
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