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Das Sonntagsgespräch : „Pinneberg scheint ein gutes Pflaster für Kultur zu sein“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute im Interview: Ralph Kricke, der Vorsitzende des Förderverein SummerJazz.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2017 | 12:00 Uhr

Pinneberg | Ralph Kricke ist seit 2005 Begleiter des Pinneberger SummerJazz-Festivals – unter anderem als künstlerischer Leiter und Jurysprecher. Nun hat er von Günter Kleinschmidt den Vorsitz des Fördervereins SummerJazz übernommen. Im Sonntagsgespräch erläutert Kricke, warum das Festival in Pinneberg so gut ankommt.

Warum haben Sie das Amt des Fördervereinsvorsitzenden übernommen?
Ich bin schon seit der Anfangszeit großer SummerJazz-Fan und wurde irgendwann angesprochen, ob ich mithelfen will. Ich habe sofort zugesagt und war seitdem unter anderem Jurysprecher und Kassenwart. Nun will ich als Vorsitzender dazu beitragen, dass dieses Festival noch lange besteht. Mein Vorgänger Günter Kleinschmidt hielt den Zeitpunkt für den Wechsel an der Spitze für ideal und hat so einen Generationswechsel eingeleitet.

Was haben Sie sich für Ihre Arbeit vorgenommen?
Das Festival läuft ziemlich gut. Glückliche Besucher, begeisterte Bands, tolle Musik – wir können zufrieden sein. Trotz allem müssen wir immer wieder überlegen, was man für Neuerungen einführt, und an welchen Stellschrauben man dreht. So wird es 2017 beispielsweise keine separaten Festival Nights mehr geben. Diese werden direkt in die Veranstaltung integriert. Zudem versuchen wir ganz bewusst, immer wieder neue Bands nach Pinneberg zu holen. Zumindest die Hälfte der Gruppen soll noch nicht auf dem Festival gespielt haben. Diese Marschrichtung werden wir beibehalten.

Wie laufen die Planungen für 2017?
Wir sind schon ziemlich weit. Termin ist traditionell das zweite Augustwochenende. Die Bands, die vom 10. bis 13.August auftreten werden, wurden größtenteils ausgewählt. Nun sind wir dabei, die genauen Termine mit den Musikern abzustimmen. Das Programm steht also in groben Zügen fest. Jedes Jahr wollen etwa 250 Bands in Pinneberg auftreten, so dass wir aus dem Vollen schöpfen können. Es ist also generationsübergreifend für jeden Geschmack etwas dabei - nicht nur für Jazz-Fans.

Nach welchen Kriterien werden die Bands ausgewählt?
Die Mischung muss stimmen. Es soll nicht so sein, dass auf allen Bühnen gleichzeitig Blues oder Swing zu hören ist. Auch nach interessanten und nicht unbedingt alltäglichen Instrumentierungen halten wir Ausschau. So ist beispielsweise das Vibrafon eines meiner persönlichen Lieblingsinstrumente. Geigen oder Posaunen versprechen ebenfalls ungewöhnliche Klangfarben.

Ralph Kricke (43) wohnt in Pinneberg, ist verheiratet und hat eine Tochter. Er arbeitet als Teamleiter bei der Bundesdruckerei.

Warum ist das Festival so erfolgreich?
Ein Grund ist das tolle Team, das sich um die Organisation und einen reibungslosen Ablauf kümmert. Etwa sechs Personen treffen sich regelmäßig und sind für die Vorbereitungen zuständig. Rund 40 ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass an den Veranstaltungstagen alles glatt läufig. Sie garantieren den familiären Charakter der Veranstaltung. Trotz allem ist alles absolut professionell. Gerade diese Kombination macht den besonderen Charme des Festivals aus. Wir haben zudem das Glück, begeisterte Besucher zu haben, denen wir ein anspruchsvolles Programm anbieten können. Selbst experimentelle Musik findet ihr Publikum. Ein weiterer Grund für den Erfolg ist darüber hinaus sicherlich, dass wir keinen Eintritt verlangen.

Was mögen Sie persönlich am Jazz?
Ich bin nicht nur auf Jazz fixiert. Mir ist bei Musik vor allem die Live-Atmosphäre wichtig. Selbst auf CD oder DVD höre ich am liebsten Konzertmitschnitte. Studioaufnahmen mögen perfekt sein. Aber in Konzerten passiert einfach mehr.

Sind Sie selbst auch Musiker?
Ich spiele Klavier und bin seit mehr als 25 Jahren bei den Elms-Horns aktiv - einer Big Band, die schon mehrmals beim SummerJazz-Festival auftreten durfte und im Juli im Pinneberger Rosengarten einen SummerJazz-Vorgeschmack gibt.

Gibt es Probleme mit denen das Festival zu kämpfen hat?
Über die Finanzen müssen wir uns immer Gedanken machen. Wir sind darauf angewiesen, dass uns unsere Sponsoren treu bleiben. Ohne die können wir eine solche Veranstaltung nicht auf die Beine stellen. Um den SummerJazz finanziell zu fördern, wird zudem jedes Jahr ein individueller Pin in Form eines Musikinstruments gestaltet, der für sechs Euro als freiwillige „Eintrittskarte“ erworben werden kann. Diese Einnahmen sind für die Finanzierung des Festivals unverzichtbar.

Warum ist gerade Pinneberg der geeignete SummerJazz-Standort?
Pinneberg scheint ein gutes Pflaster für Kultur zu sein. Das zeigt sich ja nicht nur an uns, sondern zum Beispiel auch am Erfolg der verschiedenen Theatergruppen. Es ist bemerkenswert, was in der Stadt durch ehrenamtliches Engagement auf die Beine gestellt wird. Es gibt aber eben nicht nur die Kulturschaffenden, sondern auch die Kulturinteressierten, die die Angebote annehmen.

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