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Barmstedt stellt die Weichen : Neues Integrationszentrum: „Hier wird unglaublich viel stattfinden“

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Neues Integrationszentrum eingeweiht. Hauptausschuss stimmt Unterkunft an der Feldstraße zu. Neue Stelle zur Betreuung der Asylbewerber.

Barmstedt | Der Barmstedter Hauptausschuss hat am Dienstagabend mit großer Mehrheit beschlossen, an der Feldstraße eine Flüchtlingsunterkunft für 735.000 Euro zu bauen. Damit entschieden sich die Politiker für die auch ursprünglich geplante Klinkerbau-Variante, die knapp 250.000 Euro teurer ist als die von der CDU ins Spiel gebrachte Holzständerbauweise. Hauke Johannsen (CDU) hielt nach wie vor an seinem Veto fest. „Es wäre günstiger und schneller, wenn wir leerstehende Immobilien kaufen“, sagte er. „Wir brauchen hier keine Luxus-Lösung.“ Es gehe darum, Flüchtlingen in Anbetracht des bevorstehenden Winters „schnell ein Dach über dem Kopf zu schaffen“.

Laut Stadtsprecher Wolfgang Heins wird der Neubau voraussichtlich im Herbst 2016 bezugsfertig sein. „Wir müssen jetzt den Bauantrag neu stellen und rechnen dann mit etwa einem Jahr Bauzeit.“ Wie berichtet, sollen in dem Haus zwölf bis 20 Personen untergebracht werden. Es sollen sechs Wohneinheiten entstehen, die zwischen 47 und 86 Quadratmeter groß sind. Im Holzständerbau hätten 24 Menschen Platz gefunden – allerdings, wie Marina Quoirin-Nebel (Grüne) einwarf, „zu Bedingungen, die man nicht mal einem Hund zumuten würde“. So wären die Zimmer in den vier Wohneinheiten lediglich elf Quadratmeter groß und müssten doppelt belegt werden, um die 24 Personen unterbringen zu können.

Die Verwaltung – die ausdrücklich von der Holzständerbauweise abriet – hatte zudem bemängelt, dass eine Waschküche, Abstellfläche, ein Technikraum und ein separater Eingang für Obdachlose fehlen würden. Insgesamt würde die Wohn- und Nutzfläche 260 Quadratmeter betragen – 95 weniger als im jetzt beschlossenen Gebäude. Die Baukosten pro Quadratmeter würden sich dagegen kaum unterscheiden: Beim Holzständerbau würden sie mindestens 1.850, beim festen Haus 2.070 Euro betragen, so Fachamtsleiterin Ulrike Karvink. Schließlich sei die Ausstattung der günstigeren Variante „sehr schlicht“ und das Gebäude als „architektonisch ohne Anspruch“ zu bewerten.

Die Kosten für den Bau trägt die Stadt. „Dafür gehen wir in Vorleistung, aber wir erhalten zurzeit so günstige Kredite wie nie“, sagte Heins. Langfristig sollen sich die Kosten durch die Mieteinnahmen refinanzieren. Deren Höhe stehe noch nicht fest, aber bei „minimal 330 Euro pro Person werden pro Jahr 47.520 Euro eingenommen. Damit ist die Refinanzierung in etwa 15 Jahren abgeschlossen“, so Peter Knaak (Verwaltung). Die Mieten für Flüchtlinge zahlt das Land.

Arbeitsaufwand hat sich verzehnfacht

Weitere Kosten in Höhe von 36.400 Euro kommen 2016 auf die Stadt in Form einer neuen Stelle zu, die wegen der Unterbringung und der Betreuung der Asylbewerber nötig wird. „Unsere dafür zuständigen Mitarbeiter sind an der Grenze der Belastbarkeit“, sagte Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos). So habe sich der Arbeitsaufwand eines Mitarbeiters im Ordnungsamt von 70 Minuten auf jetzt 14 Stunden pro Woche fast verzehnfacht. „Das Gleiche gilt für die Mitarbeiter im Sozialbereich.“ Allein für die Suche nach geeignetem Wohnraum seien etwa drei Stunden pro Woche nötig, so Döpke. „Und da zu erwarten ist, dass sich die Zahl der uns zugewiesenen Flüchtlinge vervierfachen wird, können wir das nicht mehr auffangen.“ Die Stelle soll ab Januar geschaffen und mit einer Auszubildenden besetzt werden, die dann in eine Vollzeitbeschäftigung übernommen werden würde. Die Politiker stimmten dem Vorschlag zu. „Wir können die Flüchtlinge nicht verschieben“, sagte Michael Schönfelder (FWB). Letztlich entscheiden müssen die Stadtvertreter während ihrer Sitzung am 13. Oktober

Derweil wurde gestern das Integrationszentrum „Leuchtturm“ in der Innenstadt eröffnet. Zwei helle Räume präsentierten sich den Gästen, die zur offiziellen Einweihung kamen. „Es ist ein Ort der Beratung, Begegnung und der Informationen“, sagte Döpke. Sie lobte die Migrationsbeauftragte Anda Zdravac-Vojnovic und ihr Team sowie die beteiligten Mitarbeiter des Rathauses, die das Projekt auf die Beine gestellt haben. „Danke auch an die Spender, die für Tische, Stühle, Küchenzeile, Naturalien, PC und Telefon gesorgt haben. Wir haben in Barmstedt eine gut aufgestellte Willkommenskultur“, sagte sie. Die Herausforderungen würden weiter steigen, und die Stadt sei dafür gerüstet. „Ursprünglich waren diese Räume für die AOK vorgesehen, denen die Räumlichkeiten im Rathaus gekündigt wurden“, sagte Döpke. Es habe nicht geklappt, und so habe die Stadt zugegriffen – für eine jährliche Miete von etwa 5000 Euro.

„Hier wird unglaublich viel stattfinden“, sagte Zdravac-Vojnovic. „An jedem Tag sind Ansprechpartner hier“, sagte sie, und weiter: „Ich bin stolz darauf, dass sich 40 Ehrenamtliche an der Flüchtlingsarbeit beteiligen.“ Die Gäste aus Politik, Gesellschaft und Verwaltung, Kirche, Geschäftsleute und Ehrenamtler brachten praktische Geschenke mit und schauten sich in den Räumen um. Einhellige Meinung: positiv.

Der „Leuchtturm“ (Reichenstraße 6) ist montags bis donnerstags jeweils von 10 bis 12 Uhr, montags und mittwochs von 15 bis 17 Uhrsowie freitags von 13 bis 15 Uhr geöffnet und unter 04123/9369644 erreichbar.
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erstellt am 01.Okt.2015 | 12:15 Uhr

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