Barmstedt : Neues Buch über die „Schusterstadt“

Claudia Kollschen und Peter Steenbuck – hier in der Werkstatt von August Storjohann, Barmstedts letztem Schuhmachermeister – haben ein Buch über die Schusterstadt verfasst.
Claudia Kollschen und Peter Steenbuck – hier in der Werkstatt von August Storjohann, Barmstedts letztem Schuhmachermeister – haben ein Buch über die Schusterstadt verfasst.

Claudia Kollschen und Peter Steenbuck haben ein Buch über die Schusterstadt geschrieben – und den Titel bewusst gewählt.

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18. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Barmstedt | „Mit der Bezeichnung ,Schusterstadt’ werden wir sicher bei manchem anecken“, vermutet Peter Steenbuck. „Wir haben uns aber trotzdem bewusst dafür entschieden.“ Und so trägt das Buch, das der Stadthistoriker zusammen mit Claudia Kollschen verfasst hat, den Titel „Die Schusterstadt Barmstedt“. Denn zwischen Schuster und Schuhmacher gäbe es im Grunde keinen Unterschied, erklären beide. „Früher hieß der Beruf Schuster. Heute ist das vielleicht etwas abwertend gemeint, aber wir sehen das nicht so und haben das auch gleich in der Einleitung erklärt.“

Auf 132 Seiten haben der fundierte Barmstedt-Kenner und die Literaturwissenschaftlerin, die ihn seit zwei Jahren bei seinen Recherchen unterstützt, unzählige Informationen über die Geschichte der Schusterstadt zusammengestellt. Mehr als eineinhalb Jahre Arbeit haben sie in das Projekt gesteckt. „Peter hatte viel in seinem Archiv, und zusätzlich haben wir von den Nachfahren der Schuhfabrikanten und Arbeiter noch sehr viel erfahren“, sagt Kollschen. Auch sie und Steenbuck stammen aus Schuhmacher-Familien. „Meine Großväter sind als Schuster nach Barmstedt gekommen, und Claudias Vorfahren haben mit Schuhen gehandelt“, erzählt Steenbuck. Er selbst habe bei seinem Onkel Willi Thomsen einmal einen Kinderschuh in Handarbeit anfertigen dürfen. Zu einem Paar habe seine Ausdauer aber nicht gereicht. „Es blieb bei einem Einzelstück“, sagt er schmunzelnd. Neben den oberschenkelhohen Seestiefeln in Größe 47 – die sich noch gut erhalten in einem Barmstedter Privathaushalt befinden – sieht der Kinderschuh winzig aus, wie eindrucksvoll auf einem im Buch veröffentlichten Foto zu sehen ist.

Der Seestiefel legte im 18. Jahrhundert den Grundstein für den Boom der Schusterstadt. „Die Schuster waren damals auf Wanderschaft. Viele sind in Barmstedt gelandet, weil die Stadt für die Seestiefel bekannt war“, berichtet Steenbuck. Folge des Zuzugs: Um 1800 herum war jeder zweite männliche Barmstedter als Schuster tätig. „Sie haben bei den Meistern gelebt, in nicht gerade luxuriösen Verhältnissen“, sagt Steenbuck. Da es zudem viele Schlachtereien in der Stadt gegeben habe, sei es oft zu Raufereien zwischen den Schustern und den Schlachtergesellen gekommen. „In manchen Lokalen hatten die deshalb Hausverbot.“

Um 1900 herum wurden die ersten Schuhfabriken eröffnet. Insgesamt gab es in Barmstedt fünf: Lüdemann, Rotermund, Rickert, Kopitschke und Gabor. „Wegen der Nähe zum Bahnhof lagen alle anfangs an der Bahnhofstraße“, sagt Kollschen. Nach und nach gaben sie jedoch auf; am längsten überlebte Gabor. „Die Zentrale ist 1992 nach Rosenheim gezogen“, so Steenbuck. Viele Barmstedt-Besucher würden das Unternehmen aber noch mit der Stadt verbinden, sagt er. „Bei meinen Führungen werde ich oft danach gefragt.“

Auch von den einst vielen kleinen Schuhmacherbetrieben in Barmstedt ist nur noch einer übrig: die Werkstatt von August Storjohann an der Brunnenstraße. „Und entgegen anderslautender Gerüchte werde ich auch 2015 weitermachen“, versichert er. Ihm widmen Kollschen und Steenbuck ebenfalls einige Zeilen, und in den Adresslisten der Barmstedter Schuhmacher von 1903 und 1926, die im Buch veröffentlicht sind, findet sich sein Vorfahr Jochim Storjohann.

Kaum war das Buch erschienen, hätten viele Leser sie mit weiteren Informationen versorgen wollen, sagt Steenbuck. „Wir könnten wohl noch ein Buch über das Thema schreiben“, stellt Kollschen schmunzelnd fest.

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