Neuer Träger für Kindergarten?

Hohe Belastung: Ehrenamtlich geführter Verein möchte Aufgabe in Hemdingen gern abgeben / Gemeinden fassen Grundsatzbeschlüsse

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06. Juli 2018, 16:00 Uhr

Beim Hemdinger Kindergarten zeichnet sich ein Wechsel der Trägerschaft ab. Während ihrer jüngsten Sitzungen fassten die Gemeinden Heede, Hemdingen, Bilsen und Langeln den Grundsatzbeschluss, den Verein, der derzeit der Träger ist, bei der Suche nach einem neuen Träger für Betrieb und Unterhaltung zu unterstützen. Auch die Amtsverwaltung des Amts Rantzau und der Schulausschuss sollen mit eingebunden werden. Hintergrund der Debatte ist der Wunsch, aufgrund der vielen Aufgaben vom Ehrenamt auf einen professionellen Träger umzustellen.

Der Kindergarten in Hem-dingen wurde im Jahre 1973 durch eine Elterninitiative als eingruppige Kinderstube gegründet. Seitdem erfüllt er auch die Aufgabe der Trägerschaft, die ihm von den Gemeinden Bilsen, Heede, Hemdingen und Langeln übertragen wurde. Das bedeutet, dass er – ehrenamtlich – für Betrieb und Unterhaltung der Einrichtung sorgt. Die Standortgemeinden tragen den jährlichen Defizitausgleich als Gemeindeanteil. „Mittlerweile ist aber der Kindergarten gewachsen und damit auch der finanzielle Umfang und die Aufgabenstellungen, die dort anfallen“, berichtete Reimer Offermann, Heedes Bürgermeister und Vorsitzender des Schulausschusses. „Sie übersteigen die ehrenamtliche Arbeit des Trägervereins.“ Der Verein habe deshalb die Gemeinden gebeten, darüber nachzudenken, die Trägerschaft an einen anderen Träger zu überdenken und den Wechsel möglichst bis zum 1. Januar 2019 unter Dach und Fach zu bringen.

Überlegungen gebe es bereits: „Ich habe die Information erhalten, dass sich der jetzige Trägerverein nach Möglichkeit einen freien Träger wünscht und nicht etwa einen konfessionellen“, erläuterte Offermann und fügte hinzu: „Wir müssen das Projekt nicht übers Knie brechen. Wir haben genügend zeitlichen Spielraum.“ Die Leiterin der Einrichtung, Vera Lüdemann, berichtete, dass der Kindergarten vor Jahren bei der Kirche angefragt habe und diese nicht den Wunsch geäußert habe, die Trägerschaft zu übernehmen.

Auch in Hemdingen war vor Kurzem im Gemeinderat über das Thema beraten worden. Dort fasste die Politik einstimmig den Grundsatzbeschluss, mit einem möglichen Träger für den Kindergarten Verhandlungen zu führen. „Die vielfältigen Aufgaben sind kaum noch von 25 Helfern zu schaffen. Der Kindergarten hat einen Jahresetat von 1,3 Millionen Euro“, erläuterte Hemdingens Bürgermeister Hans-Hermann Sass. Auch die neue Bilsener Gemeindevertretung schloss sich dem Votum der Hemdinger an. „Awo, DRK und Johanniter haben Interesse bekundet“, sagte Bürgermeister Peter Lehnert. Allerdings müssten vor der Übergabe an eine Trägerschaft Gespräche mit der Kreisverwaltung geführt werden. „Der Kreis muss zuvor seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen“, berichtete Lehnert. Der Kindergartenverein als jetziger Träger habe lediglich Abschlagszahlungen als laufende Zuschüsse vom Kreis erhalten. Die Gemeinden hätten für die Aufrechterhaltung des Kita-Betriebs deshalb in Vorleistung treten müssen. „Es sind noch Restzahlungen ab 2014 offen, die sich insgesamt im sechsstelligen Bereich bewegen“, teilte Lehnert mit. Beim Kindergartenverein sei diese noch zu zahlende Summe bislang nicht eingegangen. Für den Neubau der Krippe seien die Zuschüsse bis jetzt noch gar nicht ausgezahlt worden.

Auch die Langelner Gemeindevertretung fasste im Zuge ihrer konstituierenden Sitzung den Grundsatzbeschluss. „Mittelfristig soll der Kindergarten an einen professionellen Träger übergeben werden“, sagte Bürgermeister Bernhard Froh. „Durch das Ehrenamt ist das allein nicht mehr tragbar.“ Dem stimmten die Gemeindevertreter uneingeschränkt zu.

Der Trägerwechsel ist nicht das einzige große Thema beim Kindergarten Hemdingen. Ebenfalls beraten wird über den Neubau eines Gebäudes, da das derzeitige Gebäude nicht mehr dem neuesten Stand entspreche (wir berichteten). Entsprechende Grundsatzbeschlüsse haben die Gemeinderäte ebenfalls bereits gefasst.

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