zur Navigation springen

GGS wird Gottfried-Semper-Schule : Neuer Name spaltet die Gemüter

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Grund- und Gemeinschaftsschule Barmstedt: Die Stadtvertreter sprechen sich für Benennung nach Gottfried Semper aus.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Barmstedt | Barmstedts Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) bekommt einen neuen Namen: Gottfried-Semper-Schule. Nach einer emotionalen Debatte haben sich die Barmstedter Stadtvertreter vor Kurzem schließlich für den umstrittenen Vorschlag der Schule entschieden. Acht Politiker (von CDU, SPD, Grüne und BALL) stimmten dafür, sieben (von FWB, SPD und BALL) enthielten sich.

Wie berichtet, hatte die Schulkonferenz den Namen des Dresdner Architekten ausgewählt. Er hatte sich unter zehn Vorschlägen – darunter Helmut-Schmidt-Gemeinschaftsschule, Hand-in-Hand- oder Regenbogenschule – durchgesetzt. Gewählt hatten Eltern, Lehrer und Schüler – nach einem „mathematisch zweifelhaften Verfahren“, wie Hans Hansen (SPD) meinte. Doch diese Kritik wiesen die kommissarischen Schulleiter Uta Zobjack und Joachim Borstelmann zurück. „Wir haben mit etwa 1000 Schülern stimmenmäßig deutlich mehr als Elternvertreter und Lehrer. Diesem Umstand wird in dem Verfahren mit einer Gewichtung Rechnung getragen, weil sonst immer die Schüler über Entscheidungen bestimmen würden“, erklärte Zobjack. Das Verfahren sei „schulgesetzkonform“, betonte sie.

Ein weiterer umstrittener Punkt war die Frage, ob Semper (1803 – 1879) tatsächlich – wie von der Schule angenommen – für ein paar Jahre in Barmstedt gelebt hat. Christian Schönfelder (FWB) hatte das während der Beratung im Schulausschuss angezweifelt (wir berichteten). Sie habe daraufhin noch einmal nachgeforscht und dafür nun einen Beleg gefunden, sagte Lehrerin Cecilia Ballin – die sich seit zweieinhalb Jahren mit der Namensfindung befasst – während der Einwohnerfragestunde: Wie aus dem Werk eines zeitgenössischen Schriftstellers hervorgehe, sei Semper einst in Barmstedt von einem Pastor (Mielke) unterrichtet worden. Auch diesen Pastor habe es gegeben, wie Henning Behrens (CDU) später ergänzte. Auch er habe bei Recherchen herausgefunden, „dass Sempers Familie aus Hamburg vor der Besatzung nach Barmstedt geflohen war“. Daher „gibt es auch einen Bezug zu unserer Stadt“.

Schönfelder war dennoch verstimmt. „Zu unserem großen Bedauern wurden weder die Politik noch die Verwaltung in die Namensfindung einbezogen – das entspricht nicht unserem Verständnis von respektvoller Zusammenarbeit“, sagte er. Beim Gymnasium sei das seinerzeit anders gewesen. „Irritierend“ sei zudem, „dass die Eltern und Schüler andere Vorschläge favorisiert haben und sich nur der kleine Lehrerkreis für Semper ausgesprochen hat“. Zudem sei dessen Wirken „eng mit Dresden verbunden“.

Mareyke Herrmann (BALL) bedauerte, „dass man die Chance vertut, auf die Kinder zu hören. Schließlich ist es ihre Schule.“ Doch „Regenbogen-“ oder „Wolkenschule“ machten sich schlecht auf einem Abschlusszeugnis für Zehntklässler, wie Zobjack erklärte. „Das überblicken die jüngeren Schüler natürlich noch nicht.“

Dass Verwaltung und Politik nicht früher in die Namensfindung einbezogen worden seien, sei keine Absicht gewesen, sagte sie. „Da ist etwas schiefgelaufen.“ Doch hätte sich im Vorfeld jeder beteiligen können. „Es gab öffentliche Aufrufe an die Bürger“, bestätigte auch Behrens – woraufhin er Gottfried Semper vorgeschlagen habe.

Wie es jetzt weitergeht, steht noch nicht fest. „Ich muss den Beschluss jetzt zunächst dem Schulamt und dem Ministerium mitteilen“, sagte Borstelmann gestern. Alles weitere werde sich dann zeigen. „Übers Knie brechen wollen wir da nichts.“ Er gehe davon aus, „dass es sich noch etwas hinzieht. Meinem Empfinden nach wäre der Beginn des neuen Schuljahres ein guter Zeitpunkt.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen