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Strandbad-Streit : Neue Hoffnung für den Rantzauer See

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Hauptausschuss kippt die Entscheidung des Werkleiters. Bürger sammeln 722 Unterschriften. Jetzt entscheidet eine Wasserprobe.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2014 | 13:00 Uhr

Barmstedt | Hoffnung für Freibad-Fans aus Barmstedt und Umgebung: Eventuell wird das Strandbad am Rantzauer See in diesem Jahr doch geöffnet. Der Hauptausschuss hat am Dienstagabend auf Antrag der FWB einstimmig beschlossen, dass das Bad so schnell wie möglich öffnen und mindestens bis zum Ende der Sommerferien geöffnet bleiben soll. „In der Bevölkerung gibt es wegen der drohenden Schließung schon Unruhe“, sagte Michael Schönfelder (FWB). Voraussetzung für die Öffnung ist allerdings, dass eine Gewässerprobe – die in diesen Tagen unter Einbeziehung des Kreisgesundheitsamt genommen werden soll – positiv ausfällt.

Wie berichtet, hatte Stadtwerkeleiter Fred Freyermuth Mitte April angekündigt, das Strandbad in dieser Saison nicht öffnen zu wollen. Das rief nicht nur die Politiker, sondern auch fünf Freibad-Liebhaberinnen auf den Plan: Marianne Buhr, Dorothea Göttsche, Elfie Theel, Frauke Lang und Heidemarie Griepentrog organisierten spontan eine Unterschriftenaktion, um eine Schließung zu verhindern. „Man kann nicht immer nur meckern, sondern muss auch mal was unternehmen“, sagt Griepentrog. Der Erfolg gibt ihr Recht: Innerhalb einer Woche sammelten die fünf Damen in Barmstedt 722 Unterschriften. „Und das in den Ferien“, sagt Griepentrog. „Wir hatten Listen in den Geschäften ausgelegt und auch immer welche dabei, wenn wir unterwegs waren.“ Viele Leute seien „schon von sich aus auf uns zugekommen – das hat sich rumgesprochen wie ein Lauffeuer“.

Sie besitze seit mehr als zehn Jahren eine Saisonkarte, sagt Griepentrog und stellt fest: „In den letzten Jahren hatte das Bad immer seltener geöffnet.“ So könne es nicht weitergehen, „und wenn es einmal dicht ist, wer weiß, ob es dann überhaupt jemals wieder öffnet“. Es gehe ihnen aber nicht um sich, sondern vor allem um die Kinder und Jugendlichen. „Wo sollen sie denn sonst hin? Das Bokeler Freibad gibt es nicht mehr, und die neuen Sporthallen sind auch dicht.“ Auf dem Freibadgelände mit Volleyballfeld und Tischtennisplatte könnten die jungen Besucher zumindest spielen, sagte Marianne Buhr. Auch den Eintritt für das Hallenbad – das ersatzweise öffnen soll – könne sich nicht jeder leisten.

Zum Teil könne sie Freyermuth aber verstehen, sagte Griepentrog. „Es ist natürlich blöd, wenn das Bad ein paar Tage geöffnet ist, dann wegen Blaualgen wieder für ein paar Tage schließen muss und so weiter. Aber solange der See nicht umkippt, spricht doch nichts dagegen, ihn freizugeben.“ Auf längere Sicht „müsste aber mal was gegen die Gänse unternommen werden“.

Die Folgen der hohen Gänsepopulation – auf dem See halten sich zeitweise mehrere hundert Tiere auf – seien auch der Grund für seine Entscheidung gewesen, sagte Freyermuth. Wie er einer Untersuchung der Frankfurter Goethe-Universität entnommen habe, befänden sich im Kot vieler Gänse Parasiten, die für Menschen besonders beim Verschlucken gesundheitsgefährdend seien. „Und die Gänse koten im See vor allem dort, wo sich Kleinkinder aufhalten, nämlich im Uferbereich“, sagte Freyermuth. Täglich kämen „x Zentner“ an Hinterlassenschaften zusammen. „Das Problem liegt also tonnenweise auf dem Grund des Sees.“ Der Kreis überprüfe den See aber nur auf E.Coli-Bakterien, nicht auf Parasiten und andere Krankheitserreger. Die jetzt geplante Probe soll umfassender sein.

Dazu, dass er die Gründe während der Sitzung erläuterte, mussten die Politiker Freyermuth etwas drängen. Es sei ein „sensibles Thema“, und die Begründung habe er allen Stadtvertretern vorab per E-Mail mitgeteilt, sagte er zunächst und ergänzte: „Ich befürchte, dass es der Reputation des Sees nachhaltig schaden wird, wenn ich die Gründe hier öffentlich erläutere.“ Das Thema Gänsekot sei „aber sowieso schon überall rum“, entgegnete Peter Gottschalk (FWB).

Die Gänse bereiten auch den Politikern das größte Kopfzerbrechen. „Es ist frustrierend, dass man das Gefühl hat, dass keiner etwas gegen sie tun kann“, sagte Henning Behrens (CDU). Es seien bereits Gänsepaare mit bis zu acht Jungen am See gesichtet worden, berichtete er. „Die haben kein Nachwuchsproblem.“ Seine Partei begrüße daher „alles, was gegen die Gänse hilft“. Auch Schönfelder sprach sich dafür aus, „alle möglichen Maßnahmen zu prüfen – und wenn sie noch so kurios klingen“. So sei außer Angstschreien von Artgenossen auch die Verlegung von Kunstrasen denkbar. „Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber der soll sie angeblich abschrecken.“

Wenn die Politik es wünsche, werde er das Strandbad öffnen, sagte Freyermuth schließlich. „Aber persönlich möchte ich es nicht verantworten.“ Und so lange sich „hunderte von Gänsen auf dem See tummeln, wird sich das Problem nicht lösen lassen“, zeigte er sich überzeugt. Petra Krämer (SPD) war anderer Ansicht. Wenn die Gänse der Grund dafür seien, das Bad zu schließen, „dann dürfte es in ganz Deutschland keinen Badesee mehr geben, und die Triathleten und die DLRG dürften bei uns auch nicht mehr ins Wasser“, sagte sie. Worauf Freyermuth entgegnete, es gäbe „sicher in jedem Gewässer eine gewisse Anzahl von Kot. Aber der Rantzauer See ist kein natürliches Gewässer mehr.“

Laut einem Gutachten der Gesellschaft für Bioanalytik war die Wasserqualität des Rantzauer Sees „hinsichtlich der Mikrobiologie“ Ende Februar unkritisch. Veränderungen seien im Jahresverlauf aber nicht auszuschließen, heißt es. Zudem müsse das Sediment entsorgt werden. Eine Machbarkeitsstudie zur Verbesserung der Wasserqualität wird am Dienstag, 13. Mai, im Umweltausschuss (19.30 Uhr, Rathaus) vorgestellt.
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