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Barmstedt : Neue Flüchtlingsunterkunft an der Feldstraße

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Nachbarn befürchten „Problemfälle“ - Politik und Verwaltung beschwichtigen.

shz.de von
erstellt am 08.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Barmstedt | Der Plan der Stadt, an der Feldstraße/Ecke Mühlenstraße eine Unterkunft für bis zu 20 Flüchtlinge und Obdachlose zu bauen, sorgt bei den Anwohnern der Straße An der Alten Mühle für Aufruhr. Etwa 30 von ihnen waren sich am Donnerstag zur Sitzung des Sozialausschusses gekommen, um ihre Bedenken zu äußern. „Wir wollen keinen sozialen Brennpunkt“, sagte Brit Herrmann, stellte aber klar: „Wir sind nicht gegen Ausländer oder Asylbewerber. Uns geht es um Fälle wie Messies oder andere auffällige Personen.“ Fachamtsleiter Uwe Dieckmann habe ihr gesagt, dass in der Unterkunft auch „schwierige Fälle“ untergebracht werden sollen. „Davor haben wir Angst.“ An der Alten Mühle lebten viele Familien mit Kindern und alleinstehende Frauen. „Ich möchte nicht, dass die nicht mehr allein nach Hause gehen können.“

Dieckmann versuchte, den Anwohnern ihre Sorgen zu nehmen. „Es werden sechs Wohnungen mit jeweils zwei Zimmern gebaut“, sagte er. Daher würden in dem Haus maximal zwölf Personen untergebracht sein. „Mehr wären es nur, wenn mal eine Familie kommt. Aber die werden uns höchst selten zugewiesen.“ Darüber hinaus gäbe es in Barmstedt zurzeit keine „schwierigen Fälle. Ich kann natürlich nicht versprechen, dass nie wieder einer kommt. Aber wir reden hier nicht von Straftätern.“ Unter den bisherigen Asylbewerbern etwa seien Dolmetscher, Architekten und Ärzte, sagte Dieckmann. „Wir hatten nie Probleme. Die Deutschlehrerinnen gehen auch allein in eine WG mit sieben Männern.“

Zurzeit sind in Barmstedt etwa 38 Flüchtlinge untergebracht. Sie wohnen in Gruppen von drei bis acht Personen in Wohnungen am Kuhberg, Nappenhorn sowie an der Hamburger- und der Chemnitzstraße, die die Stadt angemietet hat. In Anbetracht der rasant steigenden Asylbewerberzahlen reiche das aber nicht mehr aus, sagte Dieckmann. „Wir brauchen die neue Unterkunft händeringend. Der Druck ist extrem.“ Im übrigen sei das Haus nur als vorübergehende Unterkunft gedacht – eine Aussage, die die Anwohner nicht sonderlich beruhigte. „Dann wird das ja ein ständiger Wechsel“, sagte Herrmann. „Außerdem geht von zwölf alleinstehenden Männern ein höheres Risiko aus als von zwei Familien. Das ist nun mal so“, sagte Jürgen Stiebling (Mahlen Immobilien), Verwalter der Wohnblöcke An der Alten Mühle.

Herrmann forderte die Stadt auf, vor der Belegung der Unterkunft eine „Gefährdereinschätzung“ zu treffen und dafür zu sorgen, „dass uns jemand hilft, wenn was passiert“. Dann müsse die Polizei ausrücken, sagte Ausschussvorsitzende Mareyke Herrmann (BALL). „Eine Garantie, dass nichts passiert, können wir nicht geben.“

Die Anwohner der Alten Mühle seien bereits genug belastet, sagte Anke Steffen. „Wir sind eingerahmt von der Bahn, den Stadtwerken und dem THW, was einen ständigen Lärmpegel bedeutet“, zitierte sie aus einem Brief an die Stadt, den die Bewohner zusammen verfasst haben. Das für die bis zu 20 Flüchtlinge vorgesehene Gelände sei zudem viel zu klein, erklärte Brit Herrmann. „Was ist mit Parkplätzen? Einem Gebetsraum? Und Grünflächen? Das brauchen die auch alles.“ Da Flüchtlinge keine Autos besäßen, seien Parkplätze unnötig, sagte Dieckmann. Mareyke Herrmann erklärte, es gebe ein Außengelände. „Und ein Gebetsraum ist nicht notwendig, weil wir keine langfristige Unterbringung planen.“

Grundsätzlich, so die Ausschussvorsitzende, wünsche sie sich von den Anwohnern „mehr Willkommenskultur. Die Menschen kommen nicht aus Spaß zu uns. Wir sollten sie nicht isolieren, sondern mitten in der Stadt wohnen lassen.“ Es werde auch kein „sozialer Brennpunkt“ entstehen, sagte Ortwin Schmidt (CDU). „Es werden dort ja keine 300 Leute unterkommen wie in Hamburg.“ In Erstaufnahmelagern könne es zu Überbelegungen kommen, sagte Marina Quoirin-Nebel (Grüne). „Aber um die geht es hier nicht.“ Auch Horst Besuch (Verwaltung) versuchte den Anwohnern ihre Sorgen zu nehmen. „In den 90er Jahren hatten wir in Barmstedt mehr als 90 Asylbewerber, zum Teil haben 40 in einem Haus gewohnt. Da gab es nie Probleme. Und Sie wissen doch auch nicht, wen Sie morgen als Nachbarn haben.“ Am Montag, 10. November, wird der Bauausschuss über den Neubau beraten. Die Sitzung in der Kommunalen Halle (Am Markt 1) beginnt um 19.30 Uhr.

Das Haus an der Feldstraße 1 hat die Stadt bis vor kurzem unter anderem als Obdachlosenunterkunft genutzt. Jetzt muss es laut Verwaltung abgerissen werden, weil es so stark von Schimmel befallen ist, dass es nicht mehr sanierungsfähig ist. Der Neubau soll ähnlich groß werden und ebenfalls rot geklinkert sein. Die vier Eichen vor dem Haus sollen erhalten bleiben.
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