„Es wird kein Vakuum entstehen“ : Nach PRD-Rückzug: Wie geht es weiter?

Bedeutet der Rückzug von PRD das Ende der Fracking-Pläne in der Region?
Bedeutet der Rückzug von PRD das Ende der Fracking-Pläne in der Region?

Politiker, Kommunen und die Bürgerinitiative haben erfreut und erleichtert auf die Nachricht vom PRD-Rückzug reagiert.

shz.de von
31. Juli 2015, 10:00 Uhr

Barmstedt | Das kanadische Unternehmen PRD Energy Inc. will sich aus Deutschland zurückziehen. Politiker, Kommunen und die Bürgerinitiative haben erfreut und erleichtert auf diese Nachricht reagiert. Wie es nach der Ankündigung von PRD Energy nun weitergeht, ist aber noch unklar. Das Unternehmen hat die Aufsuchungserlaubnisse für die Felder Bramstedt und Elmshorn und war bis zuletzt an der Reaktivierung alter Ölfelder – wie dem bei Brande-Hörnerkirchen – interessiert. „Um diese Lizenzen zurückzugeben, bedarf es einem Antrag“, so Sönke Wendland, Pressesprecher beim Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Melur). So regele es das Bundesberggesetz. „Anträge liegen aber noch nicht vor“, sagte er. Das Ministerium würde die Absichtserklärung des Unternehmens zur Kenntnis nehmen. Zum weiteren Verfahren könne das Ministerium derzeit noch nichts sagen.

Wolfgang Heins, Pressesprecher der Stadt Barmstedt, berichtete, man sei erleichtert darüber, dass PRD Energy beabsichtige, sich aus Deutschland und damit auch aus der Region zurückzuziehen. „Wir sind gespannt, wie es weitergeht“, so Heins. Er betonte aber auch, dass die Debatte noch nicht zu Ende sei. „Ein Lizenznehmer ist aus dem Rennen. Vielleicht probiert es nun irgendjemand anderes.“

Davor warnt auch Heedes Bürgermeister Reimer Offermann, der gleichzeitig Mitglied im Amtsausschuss des Amts Rantzau ist. „Im Wirtschaftsleben gibt es keinen Stillstand“, sagte er. „Es wird kein Vakuum entstehen. Andere Firmen werden vermutlich für PRD Energy einspringen“, so der Heeder Bürgermeister.

„Das sind erfreuliche Nachrichten"

Auch Helmuth Kruse (Grüne), Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Sicherheit und Ordnung des Kreises, zeigte sich erfreut über die Meldung aus Calgary: „Das sind erfreuliche Nachrichten, man kann es kaum glauben. Umso mehr, da der Kreistag des Kreises Pinneberg sich ja bereits vor über einem Jahr deutlich gegen jegliche Förderung von Öl und Gas aus fossilen Lagerstätten durch das Fracking-Verfahren im Kreisgebiet ausgesprochen hat“, teilte er mit. „Wir werden aber weiter wachsam beobachten, ob hier nicht doch eine Hintertür für Frackingbemühungen im Kreisgebiet offen geblieben ist und halten – genau wie viele andere Kreise, Kommunen und Organisationen – weiter an der Forderung für ein generelles Frackingverbot in Deutschland fest“, so Kruse.

Dass Unternehmen Deutschland weiterhin im Blick haben, zeigt das Beispiel Vermilion Energy Inc.: Die kanadische Firma hat kürzlich auf der Suche nach Erdgas einen Fünfjahresvertrag mit der Mobil Erdgas-Erdöl GmbH und der BEB Erdgas und Erdöl GmbH geschlossen. Ihr Ziel: Die Suche und Förderung von Rohstoffen bei Hannover. Das schreibt das Business-Portal bloomberg.com. Für die deutschen Lizenzen von PRD Energy würde das Unternehmen aber nicht bieten, sagte Geschäftsführer Lorenzo Donadeo auf Anfrage des Calgary Herald.

Auch die Bürgerinitiative (BI) „Frackingfreies Auenland“ sieht ihre Arbeit keineswegs als beendet an: „Wir bleiben wachsam“, so die BI. Es stünden einige große Firmen in den Startlöchern, die Interesse daran haben könnten, die Lizenzen von PRD zu erwerben. „Und es ist zu befürchten, dass die für Schleswig-Holstein zuständige Bergbaubehörde diese Lizenzen weiterhin freigiebig unter der Schirmherrschaft des Melur vergibt.“

PRD Energy besitzt unter anderem für die  Felder Bramstedt und Elmshorn eine Aufsuchungserlaubnis. Beide decken weite Teile des Kreises Pinneberg ab. Die Erlaubnis berechtigt den Inhaber zur Durchführung von genehmigungspflichtigen Aufsuchungstätigkeiten. Auf einem abgesteckten Gebiet – das im Fall des Erlaubnisfelds Bramstedt von Barmstedt in nordöstlicher Richtung bis Neumünster reicht – hat PRD Energy exklusiv das Recht, Kohlenwasserstoffe aufzusuchen. Mit einer Erlaubnis sind laut Melur keinerlei Eingriffe in den Boden wie Bohrungen oder gar Frack-Maßnahmen erlaubt.
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