Mobbing: Kasse lässt die Opfer im Stich

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22. September 2012, 01:14 Uhr

Kreis Pinneberg | 16 Jahre Mobbing-Terror lagen hinter Sabine Hachmann, als ihr fristlos gekündigt wurde. Das Leiden endete damit nicht. Was folgte, waren drei Monate, in denen die heute 48-Jährige keinen Cent von ihrer Krankenkasse bekam, obwohl sie krankgeschrieben war. Für Günther Kollenda, Gründer der Kreis Pinneberger Mobbing-Selbsthilfegruppe, ist das Verhalten der Krankenkassen kein Einzelschicksal. Er spricht von Schikanen, Verletztungen der Meldepflicht und Leistungsverweigerungen.

Im Fall Hachmann stellt sich die Situation für Thomas Ehlert, Leiter des DAK-Servicezentrums Pinneberg, etwas anders dar. Er verweist auf die Rechtslage: Die Frau sei einen Tag nach der Kündigung krankgeschrieben worden. Einen Tag zu spät für den Krankengeldanspruch. Erst als der Arbeitgeber einräumte, dass die Schwerbehinderte unkündbar war, gab es wieder Geld - Lohnfortzahlung und Krankengeld rückwirkend.

Für Kollenda ist Hachmanns Schicksal kein Einzelfall. Anhand zahlreicher Schreiben, in denen Krankenkassen ihre Versicherten abblitzen lassen, untermauert er seine Anschuldigung. So heißt es in einem Brief: "Vielmehr dient die Attestierung der Arbeitsunfähigkeit unserer Einschätzung nach eher dazu, sich der derzeitigen Arbeitsplatzsituation nicht aussetzen zu müssen." Statt Hilfe gewährte die Kasse in diesem Fall nur weitere zwei Wochen Krankengeld. Seite 11

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