Hemdingen/Langeln/Heede/Bilsen : Mit Tempo 136 durch den Ort

Derzeit hängt die Messtafel gegenüber des Hemdinger Sprüttenhuuses am Steindamm. Der auf diesem Bild gemessene Wagen befindet sich allerdings noch hinter dem Fotografen.
Derzeit hängt die Messtafel gegenüber des Hemdinger Sprüttenhuuses am Steindamm. Der auf diesem Bild gemessene Wagen befindet sich allerdings noch hinter dem Fotografen.

Messgerät hat in drei Monaten die Geschwindigkeit von 125.000 Autos erfasst. Schnellster Fahrer war auf der Reesenhöh unterwegs.

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07. Januar 2015, 14:00 Uhr

Hemdingen/Langeln/Heede/Bilsen | Eine rote 67 leuchtet auf der Anzeigetafel auf, als sich der weiße Passat aus Richtung Ellerhoop der Hemdinger Dorfmitte nähert. Unter der Zahl blinkt immer wieder die Aufforderung „Langsam“. Der Fahrer reduziert auf den folgenden Metern zwar etwas das Tempo, aber als er an dem Messgerät vorbeifährt, zeigt die Tafel immer noch mehr als 60 Stundenkilometer (km/h) an.

Der Autofahrer ist nicht der einzige, der das Tempolimit rund um die Hemdinger Grundschule ignoriert: Zwischen dem 30. September und dem 17. Dezember hat das Gerät die Geschwindigkeit von etwa 125.000 Fahrzeugen an verschiedenen Stellen im Ort gemessen. Den Negativrekord hält ein Autofahrer auf der Reesenhöh. Er war am 14. Dezember – einem Sonntag – um 22.14 Uhr mit 136 km/h auf dem Weg ins Dorf gemessen worden. Doch die meisten Autofahrer halten sich an das Tempolimit.

Angeschafft worden war das Messgerät Ende September vom Schulausschuss der Grundschule Hemdingen. Die Digitalanzeige soll die Schulwege rund um die Grundschule Hemdingen sicherer machen. Dazu wird sie an wechselnden Orten in Langeln, Heede und Bilsen an Straßenlaternen montiert. Die Daten werden anschließend im Auftrag des Schulausschusses vom Hemdinger Gemeindevertreter Arnold Boehnke (HWG) ausgewertet.

An drei Orten hat das Gerät seit seiner Anschaffung die Geschwindigkeiten gemessen. Im Dezember hatte Boehnke das Messgerät an der Reesenhöh in Höhe der Hofkoppel montiert. Dort gilt ein Tempolimit von 50 km/h. Zwischen dem 2. und dem 17. Dezember hat das Gerät dort die Geschwindigkeit von mehr als 36.000 Autos gemessen, der schnellste Fahrer war am späten Abend des 14. Dezember mit Tempo 136 unterwegs. Kurz zuvor war um 20.18 Uhr ein Fahrzeug mit 106 Stundenkilometern gemessen worden. „Ich bin überrascht und enttäuscht über das Ergebnis“, sagt Boehnke. Die Zahl der Geschwindigkeitsübertretungen auf der Reesenhöh liege bei 47,39 Prozent. „Ich bin erschüttert, wenn ich die Zahlen sehe. In den vier Wochen hat sich an der Geschwindigkeit bei den Autofahrern nicht viel geändert.“

Die Barmstedter Polizei hat sich ebenfalls mit den Daten von der Reesenhöh beschäftigt. „Es liegt im Bereich dessen, was man erwarten darf“, so Polizeichef Peter Kroll. „Rausreißer gibt es immer“, sagt er mit Blick auf das Fahrzeug mit 136 Stundenkilometern.

 „Da kann auch ein Einsatzwagen der Polizei dabei sein“

Polizeihauptmeister Heiko Querling gibt zu bedenken, dass es sich bei besonders schnellen Fahrzeugen auch um sogenannte erlaubte Fahrten handeln könnte. „Da kann auch ein Einsatzwagen der Polizei dabei sein“, sagt er. Dennoch: „Die Spitzenwerte sind schlimm“, sagt Kroll. „Das geht überhaupt nicht.“ Beide weisen aber auch darauf hin, dass laut Auswertung ein Großteil der Autofahrer Geschwindigkeiten zwischen 41 und 60 km/h fuhr und die Durchschnittsgeschwindigkeit aller gemessenen Fahrzeuge bei 51 km/h liegt.

„Das bestätigt den Kauf des Geräts und die Wirkung als verkehrserzieherische Maßnahme“, sagt Querling. Und Kroll fügt hinzu: „Die Anlage scheint ihre Wirkung nicht zu verfehlen.“

Auch direkt vor der Grundschule an der Barmstedter Straße hatte Boehnke das Gerät montiert. „Aus Richtung Barmstedt ins Dorf rein war der schnellste Autofahrer am 26. Oktober gegen 21 Uhr mit 116 km/h unterwegs“, berichtet er. Einen Tag später sei gegen 18 Uhr ein Autofahrer mit 112 Stundenkilometern gemessen worden. „Man kann nicht sagen, dass nur nachts schnell gefahren wird“, so sein Fazit. Gemessen wurde ab dem Röthmoor.

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