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Barmstedter Zeitung

23. Oktober 2017 | 10:39 Uhr

Grassmé-Film : Mit der Kamera durch das Moor

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Berliner Regisseur Kai Ehlers dreht bei Westerhorn für seinen Grassmé-Film. Das Werk soll im Frühjahr 2017 erscheinen.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2016 | 16:00 Uhr

Es ist neblig und kalt an diesem Mittwochmorgen irgendwo im Moor zwischen Brande-Hörnerkirchen, Westerhorn und Horst. Die Stille wird immer nur kurzzeitig unterbrochen, wenn ein Güterzug auf der nahen Bahnstrecke vorbeirauscht. Im Nebel sind plötzlich drei Gestalten zu erkennen, die sich langsam einem Bauernhof nähern. Einer von ihnen trägt eine Kamera, die an einer komplizierten Halterung angebracht ist. Seit den frühen Morgenstunden ist der Berliner Filmemacher Kai Ehlers mit seinem Team im Moor unterwegs gewesen. Die drei wandeln auf den Spuren von Ernst Otto Karl Grassmé. Der Einsiedler, der in der Region äußerst bekannt war, lebte auf einem Moorgrundstück nahe Westerhorn, bevor er 1992 starb. Regisseur Ehlers dreht derzeit an seinem Film über den Mann.

Seit Anfang der Woche ist der Filmemacher mit Domenico Distilo und Nadja Höhfeld in der Region unterwegs. „Wir nutzen die Blaue Stunde am Morgen, um die Aufnahmen in einem besonderen Licht zu bekommen“, sagt Ehlers. Daher sei das Filmteam immer schon so früh unterwegs. Am Mittwoch habe man unter anderem eine schwierige Einstellung geprobt, die später gedreht werden sollte. Die sechs bis sieben Kilogramm schwere Halterung samt Kamera, die Ehlers trägt, ist ein Gimbal-System. „Damit stabilisiert man die Kamera“, sagt Ehlers. Die Aufnahme wirke dann so, als ob die Kamera schwebt, während Ehlers damit umherläuft. „Ich möchte einen Weg ablaufen, der etwa 45 Minuten dauert. Dabei muss ich über mehrere Zäune klettern und durch das Moor. Das muss perfekt klappen.“

Mehr als ein Jahr lang habe er das Leben von Ernst Otto Karl Grassmé erforscht und nachrecherchiert. Die Briefe und Karten, die der Einsiedler an Firmen, Behörden oder Bekannte geschrieben hatte, seien auf eine bestimmte Art poetisch gewesen, so der Regisseur. Die Aktenlage zu Grassmé sei darüber hinaus sehr ausführlich. „So lässt sich ein persönliches Schicksal mit einer Geschichte rekonstruieren.“

Zeitzeugen-Interviews mit Menschen, die auch in der Barmstedter Zeitung von ihren Erlebnissen mit Grassmé berichtet haben, hat Ehlers ebenfalls geführt. Der Schnitt laufe bereits parallel zum Dreh, wahrscheinlich werde es auch noch einen weiteren Drehtermin geben. Bis heute oder morgen ist der Regisseur noch im Amt Hörnerkirchen unterwegs. Aus den Quellen will Ehlers eine Erzählung bauen, die ein Sprecher aus dem Off vortragen soll. Auch die Stimmen der Zeitzeugen sollen vielleicht eine Rolle spielen. Ehemalige Besitztümer von Grassmé seien aber im Moor nicht mehr zu finden, so Ehlers. „Das ist alles abgerissen worden, schon als er gestorben ist.“

Voraussichtlich im Frühjahr kommenden Jahres soll der Film erscheinen, sagt der Regisseur. Die Finanzierung des Projekts hat Ehlers unter anderem über eine Crowdfunding-Kampagne gestemmt. 9500 Euro waren damals zusammengekommen (wir berichteten) – 2000 Euro mehr, als er erbeten hatte. „Das ist gut gelaufen“, so das Fazit des Filmemachers zu der Aktion.

Auch die Filmwerkstatt Kiel hilft finanziell beim Projekt. Die Premiere soll bei der Arthur Boskamp-Stiftung in Hohenlockstedt stattfinden, die die Produktion des Films mit ihrer Infrastruktur und der Arbeit ihres Teams unterstützt. Anschließend will Ehlers den Film auf Festivals einreichen. Außerdem soll das Werk per DVD oder als Video-on-Demand erhältlich sein.

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