Road Trip : Mit 38 PS quer durch Nordeuropa

Tempo 85 erreicht der Wartburg, mit dem Marco Seidler (l.) und Olaf Lorenz in Skandinavien unterwegs waren. Das Foto entstand auf der Rückfahrt am Polarkreis in Norwegen.
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Tempo 85 erreicht der Wartburg, mit dem Marco Seidler (l.) und Olaf Lorenz in Skandinavien unterwegs waren. Das Foto entstand auf der Rückfahrt am Polarkreis in Norwegen.

Olaf Lorenz und Marco Seidler aus Lutzhorn sind mit einem mehr als 50 Jahre alten Wartburg zum Nordkap und zurück gefahren.

shz.de von
04. Juli 2015, 10:00 Uhr

Lutzhorn | 38 PS hat der Wartburg aus dem Jahr 1960. Hin und wieder kochte der Kühler über, als Olaf Lorenz und Marco Seidler steile Anstiege in Norwegen in Angriff nahmen. Auf der Abfahrt liefen dann die Bremsen heiß. Manchmal lockerten sich ein paar Schrauben – aber der Wagen, der etwas mehr als Tempo 85 schafft, brachte die beiden Lutzhorner immer sicher ans Ziel und zurück. Am 12. Juni hatten sich Lorenz und Seidler auf den mehrere tausend Kilometer langen Weg zum Nordkap begeben. Mit ihrem Wartburg legten sie 5150 Kilometer zurück, zwischen 300 und 400 Kilometer pro Tag. Hinzu kamen zwei Fährüberfahrten. „Es hat alles perfekt geklappt“, berichtet Lorenz. „Wir sind ohne Panne durchgekommen“, ergänzt Seidler.

Mit der Fähre fuhren die beiden am ersten Reisetag von Lübeck nach Helsinki. Anschließend ging es unter anderem über Kuopio bis ans Nordkap auf der norwegischen Insel Magerøya direkt am Eismeer. Über die Lofoten, Trondheim und Lillehammer ging es zurück bis nach Larvik. Von dort setzten sie mit der Fähre nach Hirtshals in Dänemark über und kamen Ende vergangener Woche wieder in Lutzhorn an. „Landschaftlich waren die Lofoten mit ihren Bergen sehr beeindruckend“, so Lorenz. Die finnische Landschaft sei dagegen unspektakulärer gewesen.

Die beiden übernachteten meist in Jugendherbergen und verpflegten sich selbst. „Unsere erste Unterkunft sah wie die Villa Kunterbunt aus. Bei einer anderen konnten wir vom Sofa aus auf einen Gletscher gucken“, so Seidler. „Alle sind sehr nett zu uns gewesen.“ Am Nordkap hatten sie sehr viel Glück: Genau eine Stunde Sonne war für diesen Tag vorher gesagt – und die nutzten Lorenz und Seidler für ihre Fotos. „Anschließend war nur grauer Fels vor grauem Grund zu sehen“, so Seidler. Beeindruckend sei die Mitternachtssonne nördlich des Polarkreises gewesen. „Die Sonne wurde gar nicht richtig rot“, berichtet Seidler. „Sie sank kurz und stieg dann gleich wieder am Himmel empor.“ Nahe des Nordkaps trafen die beiden auch auf Trecker-Willi: Nachdem sie ihn auf dem Hinweg bereits gesehen hatten, hielten sie auf dem Rückweg bei ihm an. Unterhalten hätten sie sich unter anderem über Technik. „Er hat sich unter anderem den Wartburg angeschaut“, so Seidler.

212 Meter tief unter dem Meer

Beeindruckend fanden die beiden auch den etwa sieben Kilometer langen und bis zu 212 Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Nordkap-Tunnel, der die Insel Magerøya mit dem Festland verbindet. „Es geht runter und runter“, so Lorenz über den Weg hinein. „Die Röhre ist schlecht beleuchtet, und es tropft von der Decke.“ Mitten im Tunnel sahen sie zudem etwas aufblinken – und waren erstaunt, als sie kurze Zeit später einen Fahrradfahrer überholten.

Auf dem Rückweg durch Norwegen machten sie kurzzeitig am Polarkreis Station. „Die Stelle liegt sehr hoch“, erzählt Lorenz. „Dort lagen sogar noch zwischen 30 und 40 Zentimetern Schnee.“ Den Pass hätten sie aber ohne Mühe erklommen. „Die Straße war geräumt“, berichten die Lutzhorner. Per Fähre fuhren sie von Larvik am Ende ihrer Reise nach Hirtshals in Dänemark. „Die Oslo-Fähre wäre zu teuer gewesen“, so Lorenz.

Es war nicht das erste Mal, dass die beiden Lutzhorner gemeinsam auf großer Tour waren. „Es fing damit an, dass wir eine Techno-Rave-Party auf der Krim gesehen hatten. Da haben wir uns gesagt: Da fahren wir auch mal hin“, so Lorenz. Anschließend waren sie mehrfach unterwegs, unter anderem auch in Rumänien. Etwa ein Jahr vorher planen sie ihre Touren. „Wir wollten mal nach Südafrika, aber dann kam die Ebola-Epidemie auf. Wir haben dann stattdessen das Nordkap ausgewählt.“ Erst hätten die beiden überlegt mit einem modernen Wagen zu fahren, sagt Lorenz. Aber schließlich hätten sie sich für den Wartburg entschieden. In einem modernen Auto wäre es langweilig gewesen, sagt Seidler. „Da kommen wir ja an.“

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