Milchkuh-Projekt ist erfolgreich

Das Milchkuh-Projekt in Gambia hat laut Svea Gustafsen schon einige Erfolge erzielt. Momodou Bah hat seine Kuh „Yummeh Tolleh“ genannt – die rote Kuh mit einem Horn. Das Tier gilt als tragend und soll im Juni kalben.
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Das Milchkuh-Projekt in Gambia hat laut Svea Gustafsen schon einige Erfolge erzielt. Momodou Bah hat seine Kuh „Yummeh Tolleh“ genannt – die rote Kuh mit einem Horn. Das Tier gilt als tragend und soll im Juni kalben.

Mit Unterstützung aus Lutzhorn und der Stiftung Sabab Lou bauen sich Farmer in Gambia derzeit eine Milchviehwirtschaft auf

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25. Februar 2018, 16:00 Uhr

Gute Nachrichten aus Afrika: 4000 Euro hatte das Rallyeteam „Der echte Norden“ mit der Lutzhornerin Svea Gustafsen (Foto) im vergangenen Jahr gesammelt, um ein Milchkuhprojekt der Stiftung Sabab Lou in Gambia zu unterstützen. Nach etwa einem Jahr melden die Farmer nun erste Erfolge: Zwei Farmer erwirtschaften Einkommen, die Kuh des dritten Farmers ist schwanger. „Ich finde das fantastisch“, berichtete die Lutzhornerin, die mit der Stiftung in regelmäßigem Kontakt steht. Das sieht auch Achim Bock (Foto), Mitglied der Öko Melkburen und der Horster Meierei so, die ebenfalls für das Projekt gespendet hatten. „Ich finde das gut und hätte das nicht gedacht. Für Afrika ist das ein super Ergebnis. Das Projekt hat sich gelohnt.“

Rückblick: Im gambischen Duta Bulu wurden im vergangenen Jahr Farmern die Anschaffung einer Rinderrasse aus der Kreuzung einheimischer Zebu-Rinder mit holländischem Milchvieh ermöglicht. Das Milchkuh-Projekt wird maßgeblich aus Lutzhorn mitunterstützt. „Die Familien verkaufen Frisch- und Sauermilch. Die Frischmilch wird abends von den Männern verkauft, die Frauen verkaufen am nächsten Tag beides“, berichtet Gustafsen. Frischmilch bringe 40 Dalasi (69 Cent), Sauermilch 50 Dalasi (86 Cent) ein. Von den drei Bauern würden zwei etwa 7,5 Liter Milch pro Tag melken und etwa vier Liter davon verkaufen. Das entspreche einem monatlichen Einkommen von 4800 Dalasi (83 Euro).

Das Projekt basiert auf der Idee der Hilfe zur Selbsthilfe: „Uns ging es darum, ein Zeichen zu setzen“, berichtet Achim Bock. „Wir wollten Solidarität mit den Landwirten vor Ort zeigen und auch Fluchtursachen bekämpfen“, erläutert der Lutzhorner Landwirt. Denn die Solidarität sei eigentlich nicht da: „Große Meiereien begreifen Afrika nur als Markt. Am System Milch wird das ganz schnell deutlich.“ Das Projekt habe sich aus seiner Sicht gelohnt.

Farmer Ibrahim Bah habe bislang etwa einen Monat melken können, da seine Kuh „She-weh“ (Kuh mit Streifen eines Leoparden) krank geworden war, berichtet Gustafsen. Sie habe aber bereits ein männliches Kalb geboren. Farmer Abdou Bah melke seine Kuh „Yummeh“ (rote Kuh) seit etwa zehn Monaten. „Yummeh“ hat mit „Ngari Yummeh“ (Stier von Yummeh) ebenfalls Nachwuchs zur Welt gebracht. Momodou Bah ist der dritte im Bunde, seine Kuh „Yummeh Tolleh“ (Yummeh mit einem Horn) gilt als tragend und soll im Juni kalben.

Per Mail wird Svea Gustafsen im fernen Schleswig-Holstein von einem Mitarbeiter der Stiftung Sabab Lou auf dem neuesten Stand gehalten. „Die Farmer sprechen kein Englisch, auch schreiben können sie nicht“, erzählt die Lutzhornerin. Daher sei ein direkter Kontakt nicht möglich. Der Wunsch, sich die Situation vor Ort noch einmal selbst anzuschauen, sei da. Nach einem erneuten Trip mit dem Auto habe sie aber keine Sehnsucht.

Dass die Globalisierung Hilfsprojekte auch torpedieren kann, wird an einem zweiten Projekt deutlich, von dem Gustafsen berichtet. In zwei Dörfern des Upper Baddibu Distrikts in Gambia unterstützt die Stiftung Sabab Lou nach eigenen Angaben etwa 200 Frauen beim Anbau von Gemüse.

Auch Jugendliche beteiligen sich daran. Hundert Sack Zwiebeln wollten sie an gambische Hotels an der Küste verkaufen, ein entsprechendes Angebot lag bereits vor. „Dann legte ein Frachter aus den Niederlanden an“, so Gustafsen. Der Markt sei im Nu mit Zwiebeln überschwemmt gewesen. Die Hotels zogen ihr Angebot umgehend zurück und kauften zu einem Bruchteil des Preises die Export-Zwiebeln aus den Niederlanden. „Mit den Preisen aus Europa können die heimischen Landwirte nicht mithalten“, sagt die Lutzhornerin. Schwere Regenfälle hätten im vergangenen Juli zudem über Nacht 80 Prozent der Anpflanzungen weggeschwemmt. Doch die Dorfbewohner ließen sich nicht entmutigen, so Gustafsen. Auch die Abwanderungsrate sei in den Dörfern des Projekts zurückgegangen.

Laut Stiftung sind die Beete mittlerweile neu angelegt worden und besser gegen Naturgewalten und Tiere geschützt. Um den Wettbewerb mit EU-Agrarimporten zu umgehen, setze man auf lokale Sorten, die stark nachgefragt sind. Dazu zählen Bittertomaten und Okra. Letztere erinnert vom Geschmack an grüne Bohnen.

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