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Hans-Jürgen Raddatz aus Hemdingen : „Mein ganzes Leben ist Naturschutz“

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Seit 40 Jahren engagiert sich der Hemdinger Hans-Jürgen Raddatz beim Nabu. Seine Leidenschaft ist die Ornithologie.

Barmstedt | Ein Eigenbrötler sei er gewesen, sagt Hans-Jürgen Raddatz. „Ich konnte nie mehr als zwei oder drei Jungs um mich ertragen.“ Seine Faszination galt dem Wald und dessen Bewohnern. Schon früh am Morgen brach er von der Familienwohnung im Bornkamp in den Vosslocher Wald auf und beobachtete die Vögel. „Ich wollte alles wissen.“ Irgendwann habe ihm sein Vater geraten: „Hans, du solltest dich einem Verein anschließen, dann bist du nicht immer so allein.“ Das Ganze ist heute mehr als 40 Jahre her.

Seit 1976 ist Hans-Jürgen Raddatz aus Hemdingen Mitglied des Nabu. Anfangs engagierte sich der versierte Ornithologe in der Elmshorner Gruppe des Deutschen Bunds für Vogelschutz (DBV), der Vorläufer-Organisation des heutigen Nabu. Zusammen mit Weggefährten aus Barmstedt gründete er am 7. Dezember 1984 die Barmstedter Ortsgruppe im DBV. Nach dem Zusammenschluss beider deutscher Staaten 1990 wurde der DBV in den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) umbenannt und Raddatz übernahm für zehn Jahre den Vorsitz der Barmstedter Gruppe. „Seit 16 Jahren ist er nun wieder als zweiter Vorsitzender für uns tätig und als die eigentlich treibende Kraft in unserer Gruppe überhaupt nicht zu ersetzen“, sagt der Nabu-Vorsitzende Hans-Peter Lohmann über seinen Mitstreiter. „Ihm gilt unser Dank und unsere Wertschätzung für das, was er in 40 Jahren als Naturschützer geleistet hat.“

Als 17-Jähriger sei er von der Vereins-Idee seines Vaters nicht unbedingt begeistert gewesen, so Raddatz. Sein Vater sei sogar extra in den DBV eingetreten, damit er die Vereinszeitschrift erhalte, erzählt er. Später habe er gegen seinen Willen an einer Wanderung mit dem DBV Elmshorn teilgenommen. Dort lernte er Hans Helmut Dürnberg kennen. „Er hat sofort gemerkt, dass ich ein Greifvogel-Spezi bin. Anfang November 1976 war ich dann erstmalig als Mitglied gemeldet gewesen“, so Raddatz. Seinem Vater habe er alles zu verdanken: „Er hat entdeckt, dass ich das Potenzial habe“, so Raddatz.

In den 80er-Jahren habe eine Aufbruchstimmung in Deutschland geherrscht, erinnert sich Raddatz zurück. „Grüne Bewegungen entstanden. Vereine gründeten sich. Überall gab es Proteste gegen mangelnden Naturschutz. Wir fühlten uns wie Revoluzzer.“ Mittlerweile habe sich die Gesellschaft stark gewandelt. „Heute ist Naturschutz konservativ und für viele eher unwichtig geworden.“

Nach dem Abschluss der Mittleren Reife in Barmstedt machte er eine Lehre zum Baumschuler bei der Firma Schurig aus Barmstedt. „Ich bin bei Regen mit dem Fahrrad dorthin gefahren und habe nach einer Lehrstelle gefragt.“ Karl-Heinz Schurig habe ihn daraufhin direkt eingestellt, da er so beeindruckt gewesen sei. „Auch ihm habe ich viel zu verdanken“, sagt Raddatz. Über viele andere Stationen ist er nun seit langer Zeit bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Pinneberg beschäftigt.

„Mein ganzes Leben ist Naturschutz“, sagt Raddatz über sich selbst. Seine Schwerpunkte sind unter anderem die Bestandserfassung von Habicht, Mäusebussard und Baumfalke. „Seine Daten über die Vogelwelt finden sich wieder in den Veröffentlichungen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft“, sagt Lohmann über seinen Kollegen. Raddatz größte Erfolge seien unter anderem die Pressekampagne gegen die illegale Habichtverfolgung vor zehn Jahren und die erfolgreiche Ansiedelung des Kranichs im Klein Offenseth-Bokelsesser Moor im Jahr 2006 gewesen. Zudem engagiere sich der Hemdinger stark für die Renaturierung des Moores im Norden des Kreises. „Es ist sein federführendes Arbeitsgebiet und wäre ohne ihn gar nicht vorstellbar. Hunderte verschiedenste Arbeitseinsätze für unsere Gruppe hat er organisiert und geleitet.“ Auch unzählige Vorträge und Führungen zu Greifvögeln, Wespen und Hornissen, Artenschutz am Haus und Renaturierungsarbeiten seien von ihm organisiert worden.

Seine Lieblingsvögel seien der Baumfalke und der Trauerschnäpper, so Raddatz. Der etwa dreizehn Zentimeter große Singvogel brüte gern in Meisenkästen und ziehe im Winter nach Afrika.

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erstellt am 18.Feb.2017 | 16:00 Uhr

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