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Barmstedter Zeitung

16. Dezember 2017 | 14:49 Uhr

Verkehr : Meierei kratzt am Limit

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Eine Anwohner-Initiative klagt über die zunehmende Lkw-Belastung. Auch die Umweltbehörde bestätigt steigende Zahlen. Dazu kommt ein ominöser Brummton.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Barmstedt | Beim zweiten Runden Tisch zwischen Vertretern der Meierei-Initiative „Mut zur Vernunft“ (MzV) und der Stadtverwaltung haben die MzV-Vertreter unter anderem eine Zunahme des Lkw-Aufkommens kritisiert. Das sei nicht verwunderlich, sagte Björn Gebert (MzV). „Wenn man sich die Produktionssteigerung der Meierei in den letzten Jahren ansieht, wird klar, dass es ohne zusätzlichen Verkehr nicht geht.“ 125 Milchlaster hat das Amt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR) der Meierei pro Tag genehmigt. „Wir haben einmal 129 und einmal 134 gezählt. Und dazu kommen noch bis zu 80 Fremd-Lkw“, sagte Gebert.

LLUR-Sprecher Martin Schmidt bestätigte auf Anfrage, dass der Anlieferverkehr seit 2005 zugenommen habe. „Er ist immer noch im Rahmen des Zulässigen, aber seit 2012 kratzt er am Limit.“ Kontrollen gebe es allerdings nur stichprobenartig, sagte Schmidt. „Mehr können wir personell nicht leisten. Aber Hinweise von Anwohnern nehmen wir gerne auf, sie können auch als Basis für weitere Kontrollen dienen.“

Zu einem Lärmgutachten, das die MzV seit langem fordert, müsste das LLUR die Meierei verpflichten, erklärte Schmidt. „Von uns aus nehmen wir nur lärmorientierte Messungen vor. Wenn sich dann zeigt, dass sich die Bedingungen extrem geändert haben, können wir ein Gutachten anfordern.“ Die MzV kritisiert unter anderem, dass der Lärm bislang nur an der Straße, nicht aber auf dem Betriebsgelände gemessen wurde. „Die meisten Bewegungen finden aber dort statt, und der Lärm der Motoren kommt noch obendrauf“, sagte Stephan Mohr (MzV). „Da müsste nochmal gemessen und die Grenzwerte müssten neu festgelegt werden.“ Relevant sei für eine Messung aber der Punkt, an dem der Lärm „ankomme“ und nicht der, an dem er entstehe, erklärte Schmidt.

Gemessen hat das LLUR vor kurzem bei einem Meierei-Anwohner, der in seinem Haus „ständig und in unterschiedlicher Intensität einen tieffrequenten Brummton“ wahrnimmt. Auch andere Anwohner seien betroffen, sagte Gebert. „Einige leiden schon unter Schlafstörungen.“ Eine Isolierung würde auch nicht helfen, denn der Ton wirke auf die Häuser ein und gehe quasi durch Wände. Woher der Ton stammt, ist bisher ein Rätsel. „Es ist noch nicht klar, ob die Meierei der Verursacher ist. Es können eventuell Aggregate sein, aber wir werten die Messung noch aus“, sagte Schmidt.

Meierei-Geschäftsführer Dirk Rowedder sprach von einem „komplexen Problem“. „Wir haben verschiedene mögliche Quellen überprüft und Szenarien simuliert, und unsere Mitarbeiter horchen auch nachts – aber wir konnten noch keine Ursache finden“, sagte er. „Wir nehmen die Sache aber ernst und sind für jeden Hinweis dankbar.“

Etwas verbessert habe sich die Situation für die Anwohner durch das Halteverbot, das an der Mühlenstraße eingerichtet wurde, so die MzV. Auch die großen Schilder, mit denen die Meierei die Fahrer auf ihrem Gelände darauf hinweise, langsam zu fahren sowie Motor und Kühlung auszustellen, zeigten Wirkung – wenngleich nicht bei allen. „Viele ignorieren das auch“, so Mohr. „Die großen Tafeln haben gefruchtet“, meint hingegen Rowedder. Das Fehlverhalter Einzelner könne man „nie 100-prozentig ausschließen“. Die von der MzV gewünschte Verlagerung der Lkw-Waage auf einen hinteren Teil des Geländes sei nicht machbar, sagte er. „Wir finden keinen besseren Standort. Und wir halten alle Auflagen ein.“ Den Wunsch der Initiative, dass am Wochenende ausschließlich Frischmilch angeliefert wird, könne er nachvollziehen, sagte Rowedder. „Das wird auch gemacht. Alles, was länger haltbar ist, wird dann nicht verladen. Aber in Ausnahmefällen wie vor Ostern oder Weihnachten geht es manchmal nicht anders. Und die Kunden im Supermarkt erwarten dann ja auch, dass die Regale voll sind.“

Die Initiative „Mut zur Vernunft“ trifft sich an jedem zweiten Donnerstag im Monat ab 19.30 Uhr im „Landkrog“ (Lutzhorner Landstraße 33). Interessierte sind willkommen.
Die Meierei Barmstedt verarbeitet Milch von 900 landwirtschaftlichen Betrieben aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Die Menge hat sich von jährlich 58 Millionen Kilogramm (1990) auf 701 Millionen Kilogramm in 2013 verzwölffacht. In dem Betrieb entstehen Käse, Butter sowie Magermilch-, Molken- und Butterkonzentrat für den Groß- und Einzelhandel sowie zur Weiterverarbeiter im In- und Ausland. Der Betrieb beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt 320 Millionen Euro Umsatz.
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